Florence Schelling in Turin
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Florence Schelling als erste Frau in die NLB?

Von Martin Merk

Mit den Einsätzen an den Olympischen Winterspielen 2006 feierte die damals 16-jährige Florence Schelling ihren ersten Höhepunkt im Frauen-Eishockey. Am Samstag kam sie im Alter von 18 Jahren im Männerteam der GCK Lions (NLB) zu einem Teileinsatz. Wird Schelling womöglich die erste Frau in der Nationalliga B?

Überrascht und nervös sei sie am Samstag gewesen, sagt die Nationaltorhüterin Florence Schelling. Für ihren Club GCK Lions ist sie erstmals in einem Männer-Profiteam zum Einsatz gekommen. "Das war schön und ich hatte auch gar nicht damit gerechnet", wirkt Schelling überrascht und bodenständig zugleich. Als der NLB-Club beim österreichischen Zweitdivisionär VEU Feldkirch ein Testspiel bestritt, wurde die 18-Jährige ins kalte Wasser geworfen und durfte die letzten sieben Minuten bestreiten. Sie ist damit die erste Frau, die in einem NLB-Team spielen durfte. Weil mit Lukas Flüeler und Reto Lory zwei der drei Torhüter im Kader verletzt sind, rückte sie als Ersatztorhüterin nach als eine von zwei Goalies im Juniorenteam. Nachdem sie letztes Jahr bereits bei den Elite-B-Junioren spielte, hat sie auf diese Saison hin bei den Elite-A-Junioren angefangen - dem stärksten Juniorenteam der ZSC-Organisation. Und nachdem Schelling bereits an den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin zu drei Einsätzen gelangte, hat sie ein grosses Ziel: Vancouver 2010. Dabei ist sie im Gegensatz zu ihren Nationalmannschaftskolleginnen hauptsächlich unter Männern. In der höchsten Damenliga, der Leistungsklasse A, spielt sie nur noch sporadisch. "Ich helfe bei den ZSC Lions aus, wenn es der Spielplan zulässt", so Schelling, ansonsten hält sie die Schüsse der männlichen Talente. Schelling als erste Spielerin in der NLB der Männer? Darüber schmunzelt die junge Torhüterin bescheiden und hat sich bisher nicht wirklich solche Gedanken gemacht. "Ich habe keine Ahnung, ob ich mal richtig in der NLB spielen könnte", sagt Schelling, "ich habe mich darüber auch noch gar nie mit dem Trainer unterhalten."

Könnte eine Frau überhaupt in der NLB spielen? Im Bereich der Feldspieler wären die körperlichen Unterschiede wohl zu enorm, in dieser Hinsicht sind Männer- und Frauen-Eishockey zwei unterschiedliche Sportarten mit unterschiedlichen Regeln bezüglich Checkens. Die weltbeste Spielerin Hayley Wickenheiser beispielsweise hat es bislang bis in die dritthöchste Liga Finnlands geschafft, nach dem Aufstieg in die zweitklassige Mestis-Liiga musste sie das Kader verlassen. Auf der Goalieposition dagegen wirken die Unterschiede weniger gravierend. Frauen wie die 173 Zentimeter grosse Zürcherin gelten als reflexschnell und flink, auch wenn sie zuerst mit den härteren Schüssen ihrer männlichen Sportskollegen umzugehen lernen müssen. Bereits ihre Vorreiterinnen aus dem Frauen-Nationalteam haben den Vorstoss zu den Männern gewagt. Patricia Elsmore-Sautter stieg 1998 als Torhüterin mit dem EHC Schaffhausen in die 1. Liga auf. Dort, in der dritthöchsten Spielklasse, stand sie nicht mehr im Einsatz, dafür aber 2001/02 Riitta Schäublin für den EHC Zunzgen/Sissach. Beide wechselten daraufhin nach Übersee. Ob Schelling dies nun überbietet und in die NLB-Meisterschaft eingreift? Die Regeln würden keine Frau an solchen Einsätzen hindern. "Es ist noch zu früh um zu sagen, ob sie spielen wird oder eine NLB-Torhüterin werden kann", sagt Beat Lautenschlager, der Cheftrainer der GCK Lions, "das ist noch zu weit weg. Sie muss sich noch entwickeln, auch über die Frauen-Nationalmannschaft." Mittelfristig hat Schelling ohnehin andere Pläne: Sie will nach Nordamerika, wo das Frauen-Eishockey eine grössere Rolle spielt als in Europa. "Ursprünglich hätte ich schon jetzt dort sein wollen", sagt die Olympia-Teilnehmerin. Eine Gehirnerschütterung verhinderte jedoch, dass sie die Matur beenden konnte. Dies will sie nun in dieser Saison nachholen und im nächsten Jahr ein Wirtschafts- oder Jurastudium beginnen. Angebote von Hochschulen aus Übersee hat sie dafür bereits erhalten.