Von Talenten, Agenten und Scouts

Von Urs Berger

Die Arbeit auf dem Eis ist nicht einfach für Köbi Kölliker. Er muss die Ballance zwischen Sommertraining und Wettkampf finden. Verletzungen in diesem Stadium der Vorbereitungen können die Spieler nach hinten werfen oder sogar deren Saison beenden. Dies würde keiner der beteiligten Klubs goutieren. Wie wichtig aber diese Vorbereitungen für die Juniorennationalmannschaft ist, zeigte ein Augenschein vor Ort in Havirov und Kravare in der Tschechischen Republik.

Wir treffen kurz nach dem Mittag in Havirov ein. Dort beziehen wir unser Zimmer welches im ehemaligen Schloss liegt. Die Reise aus der Schweiz hatten wir mit einer Übernachtung in Wien unterbrochen, um wieder zu Kräften zu kommen. Das zweite Spiel dieses Turniers beginnt für die Schweizer um 18 Uhr. Für uns also genügend Zeit, uns in der Stadt um zu sehen und noch etwas zu essen. Zwei Stunden vor dem Spiel treffen wir in der in der Radegas Arena in Havirov ein und schauen uns um. Noch scheint nichts auf das bevorstehende Spiel hinzuweisen. Einige Sicherheitsleute stehen vor den Türen der Arena, aber noch sind keine Zuschauer anwesend. In der verbleibenden Zeit bereiten die Eismeister das Eis auf und die letzten Kontrollen werden im und um das Stadion vorgenommen. Die beiden Mannschaften treffen ein und beziehen ihre Garderoben. Die Anspannung ist spür- und sehbar. Noch dauert es 90 Minuten bis zum Puckeinwurf.

Die Halle ist bereit für das Spiel. Die Spieler sind auf dem Eis und bereiten sich für das Spiel vor. Die Scheiben fliegen an die Banden, an die Plexiglasumrandungen. Von dort spicken sie zurück auf das Eis, vor die Stöcke der Spieler. Diese spielen sie an die Bande zurück. Alles sieht spielerisch einfach aus. Doch dahinter verbirgt sich hartes Training der Spieler. Ein Training, das sich für einen Teil der Spieler auszahlen soll. Denn für viele ist das Ziel NHL immer noch weit und steinig. So auch für 19-jährigen Yannick Weber. Der Berner wurde von den Montreal Canadiens im diesjährigen Draft gezogen und erhofft sich nun, dass er den Sprung in das Team von Mark Streit schafft. Dies will er mit einer guten Saison bei den Kitchener Rangers erreichen, um dann im nächsten Jahr in der AHL spielen zu können. Doch noch ist der Weg weit. Denn vieles hängt bei ihm davon ab, ob er die Leistungen auf hohem Niveau konservieren und steigern kann, oder ob er stagniert. Dies zu beurteilen ist denn auch die Arbeit der Scouts, welche an diesen Turnieren anwesend sind und die Entwicklungen der Spieler beobachten. Diese Beobachtungen fliessen in die verschiedenen Beurteilungen ein und werden den entsprechenden Klubs weitergeleitet. So kann eine lückenlose Begleitung der Spieler, welche in einer Organisation sind oder welche noch einen Platz suchen, garantiert werden. So sind denn auch die einen oder anderen Agenten an den Spielen in Tschechien. Diese versuchen, durch ihre Kontakte mit den Scouts ihre Spieler bei einem der Klubs in der NHL unterbringen zu können. So ergibt sich ein grosses Netzwerk, welches sich alle Jahre wiederholt.

Das Spiel geht zu Ende. Die Schweizer Junioren haben gegen den Gastgeber mit 1:3 verloren. Dennoch konnte man mit dem gezeigten zufrieden sein. Noch wartet viel Arbeit auf alle Beteiligten. Sei es als Scout, Agent oder Spieler. Alle möchten das Beste für sich oder seinen Klientel. Dies birgt Gefahren, welche man nicht unter schätzen darf. In einer losen Artikel Serie beleuchten wir diese Problematik.