J.-J. Aeschlimann zurück im Tessin

Von André Sägesser

Nebst einigen neuen Spielern wurde beim HC Ambrì-Piotta auch Jean-Jacques Aeschlimann als neuer Sportchef und Assistenztrainer den Fans offiziell vorgestellt. Die Tätigkeit des ehemaligen Nationalstürmers in Ambrì hat aber schon Anfangs Mai begonnen.

Das Palmares des neuen HCAP-Assistenz-Trainers und Chef der Sportkommission, Jean-Jacques Aeschlimann, ist respektabel. 278 Tore und 276 Assists in über 1000 Nationalliga-Spielen. Dazu kommen zwei Meistertitel mit dem HC Lugano und 119 Länderspiele. Nach 14 Saisons beim Kantonsrivalen Lugano wurde der Seeländer ausgemustert. Nichts desto trotz heuerte Jean-Jacques Aeschlimann beim NLB-Club Lausanne HC an und liess dort seine beachtliche Karriere ausklingen. Schon während der Aktivzeit in Lausanne wurde der Mittelstürmer bereits ein paar Mal von Peter Jaks angefragt, um einzuspringen, da der HCAP etliche Verletzte zu beklagen hatte. Die Verantwortlichen in Lausanne hatten aber Jean-Jacques Aeschlimann nicht freigegeben, da Lausanne an diesen Daten selber Spiele hatte. Im Januar dieses Jahres wurde der ehemalige Nationalspieler dann konkret angefragt, ob das Interesse, in die Organisation des HCAP zu kommen, immer noch vorhanden war. Die Rolle war damals noch nicht genau definiert, aber vorgesehen war ein Posten in der neuen technischen Kommission. Daraufhin wurde durch die Rochade von Petr Malkov der Posten des Assistenztrainers frei und dieser Vertrag wurde dann auch von Jean-Jacques Aeschlimann relativ schnell unterzeichnet.

Der Wechsel zu Ambrì hat hohe Wellen geworfen

Die ersten paar Wochen waren für den neuen TK-Chef und Assistenztrainer etwas grotesk. Viele neue Leute, eine neue Umgebung, die der Ex-Bianconeri zwar kannte, aber zu Aktivzeiten halt als Gegner. Jedoch hat sich Jean-Jacques Aeschlimann in Ambrì und der Leventina recht schnell zu Recht gefunden, auch mit der speziellen Popularität, die der HC Ambrì-Piotta im Tessin und in der ganzen Schweiz geniesst. In Ambrì ist eine der Hauptaufgaben des neuen Chef Technik, eine sportliche Struktur in den Verein hineinzubringen. Gegenüber seinem langjährigen Arbeitgeber HC Lugano gibt es beim Leventiner Verein noch einiges zu tun. Der Unterschied ist gemäss Jean-Jacques Aeschlimann zwar nicht sehr gross, aber es gibt sicher einige Sachen, die man verbessern kann. Ein Ziel mit der technischen Kommission ist, dass man auf der sportlichen Ebene ein Projekt und eine Strategie entwickeln will. Dazu muss auch das Umfeld des HCAP professioneller werden. Auf das sportliche Ziel angesprochen meint der ehemalige Musterprofi: "Man spricht immer von Saisonzielen die man erreichen sollte. Wir aber möchten jetzt zuerst einmal mit dem neuen Trainer Jan Tlacil richtig arbeiten, die Mannschaft stabilisieren und weiterentwickeln. Im August an den Vorbereitungsspielen werden wir sehen, wo wir stehen und was wir erreicht haben. Erst dann wollen wir ein Ziel nennen und es auch kommunizieren."

Das Engagement des 40-jährigen Jean-Jacques Aeschlimann wurde von beiden Seiten des Hockey-Tessins sehr positiv aufgenommen. Etliche Leute im Umfeld haben ihm zu diesem Schritt gratuliert. Sie wussten auch, wie Jean-Jacques Aeschlimann seine Karriere nach dem Hockey gestalten wollte. Einerseits weiter im Hockeybusiness tätig bleiben und anderseits wieder ins Tessin zurückkehren, was mit diesem Engagement beim HCAP vollends aufgegangen ist.

Klarer Aufgabenbereich beim HCAP

Die Übersetzung des HCAP Presse-Communiqués in der Deutsch- und der West-Schweiz war beim Vertragsabschluss etwas seltsam interpretiert. Ambrìs neuer Chef der technischen Kommission präzisiert die Situation "Wir sind eine technische Kommission, bestehend aus Peter Jaks und mir. Wenn es um die erste Mannschaft geht, kommt noch Trainer Jan Tlacil dazu. Wenn es um Junioren Angelegenheiten geht, wird der neue Elite-Juniorentrainer Petr Malkov dazu gezogen. Ich bin der Verantwortliche für die Kommission, weil ich die Ansprechperson für die Presse bin. Wir haben gemerkt, dass zu viele Personen im Klub irgendetwas sagen, vielfach nicht dasselbe. Ich bin zuständig für die technischen Belange, für die Koordination und die Strukturen im sportlichen Bereich." Es ist schon ein bisschen speziell, dass Jean-Jacques Aeschlimann auch als Assistenztrainer amtet. Dies wird aber wohl keine langfristige Lösung sein. Für den Seeländer ist es momentan wichtig, dass er jeden Tag bei der Mannschaft ist und so den Kontakt zu den Spielern hat. Der 119-fachen Nati-Spieler sieht sich in der Trainerhierarchie als Bindeglied zwischen den Spielern und dem Headcoach. "Ich werde den Spielern nahe stehen, aber ohne ihren Freund oder gar Kumpel zu sein. Ein Spieler der Probleme hat, welcher Art auch immer, meldet sich meiner Erfahrung nach meist zuerst an den Assistenten", ist sich Jean-Jacques Aeschlimann sicher. Längerfristig sieht sich der Neo-Assistenzcoach eher im Management-Bereich. Der HCAP hat ihm jetzt aber eine gute Chance gegeben, zwei Jahre lang quasi beides auszuprobieren.

Viele neue taktische Varianten

Sportlich wird der neue Assistenzcoach gefordert sein. Das aktuelle Kader des HCAP wurde mit einem weiteren ausländischen Verteidiger verstärkt, dies bedeutet, dass nur noch zwei ausländische Stürmer zur Verfügung stehen. Die Kaderliste der Leventiner lässt einen aber eher schwer glauben, dass die 3. und 4. Linie eine grosse Rolle spielen und Tore schiessen kann. Jean-Jacques Aeschlimann begegnet dieser Tatsache vielmehr mit taktischen Überlegungen und meint: "Obwohl Spieler der dritten und vierten Linie auch Tore schiessen können und dürfen, haben sie vorwiegend eine andere Aufgabe. Im heutigen Hockey hat man zwei offensive und zwei defensive Linien. Die einen können etwas mehr Risiko nehmen, weil sie vielleicht auch etwas mehr Talent haben, die anderen müssen sich strikt an ihre Aufgaben halten. Wenn Reto Kobach zu Ambrì zurückgekommen wäre, hätten wir einen weiteren ausländischen Stürmer engagiert. Aber so wollten wir vor allem der Defensive etwas mehr Stabilität geben. Wir erhoffen uns von Zdenek Kutlak aber auch mehr Tore als von seinen Vorgängern. Wir haben 15 Stürmer im Kader und mit Gregory Sciaroni, Mauro Zanetti, Mattia Merzaghi und Daniele Marghitola auch vier eigene Junioren. Den vier Rookies räumen wir am ehesten Chancen auf Einsätze ein. Aber es hat kein Spieler ein Stammplatz auf sicher, jeder muss sich seinen Platz erkämpfenl" Ein Comeback als Spieler beim HCAP schliesst der Trainerneuling Jean-Jacques Aeschlimann nicht aus. Eines hat der Stürmer vergangener Tage in seiner langen Karriere gelernt: "Sag niemals nie!"