Tage der Wahrheit im Fall Biel

Von Martin Merk

Die vorläufige Lösung im Konflikt zwischen dem EHC Biel und dem Rest der Nationalliga naht: Bis in zwei Wochen sollte ein neutrales Schiedsgericht entscheiden. Wie in der Schweiz droht auch in Tschechien aufgrund von Vorkommnissen neben dem Eis eine Liga mit ungerader Teilnehmerzahl. hockeyfans.ch zeigt auf, worum es geht und einen Blick über die Grenzen.

Seit Februar muss sich das Schweizer Spitzeneishockey ernsthafter mit dem EHC Biel befassen, der sich ungerechtfertigt behandelt fühlt. Grund: Die Seeländer wurden zwar dreimal innert vier Jahren NLB-Meister, doch im Kampf um den Aufstieg waren sie sportlich meist chancenlos. Diesem nicht nur von Biel angeprangerten Modus mit der Ligaqualifikation will man nun offensiver an den Kragen und nutzt nun die juristischen Möglichkeiten aus, denn auf demokratischem Weg fand die Abschaffung der Ligaqualifikation wenig Gehör. "Die Nationalliga zwingt uns, rechtliche Massnahmen zu ergreifen. Wir werden uns auf einen Prozess einlassen, um zu unserem Recht zu kommen", so Biels Verwaltungsratspräsident Andreas Blank. Einerseits prangert man das Nicht-Einhalten des Leitbilds an, andererseits verstösse der Modus gegen das Kartellrecht. Der Druck auf die Clubführung, endlich in die höchste Spielklasse zurückzukehren, ist vor allem aus der lokalen Wirtschaft der Swatch-Stadt gross, sie könnte zu einem NLA-Budget verhelfen im Falle eines Aufstiegs. Zudem soll bis 2011 eine moderne Eishalle stehen. Geldgeber, die bereits in der finanziell weniger lukrativen NLB für ein hochkarätiges Team garantieren wie vor einigen Jahren bei Basel und Genf-Servette, gibt es dagegen nicht. Und seit Langnau 1998 hat es noch kein Club geschafft, mit einem "gewöhnlichen" NLB-Budget aufzusteigen und sich dann auch in der NLA zu etablieren.

Worum es vor dem Schiedsgericht geht

Im aktuellen Prozess machten die Bieler vom im Nationalliga-Reglement festgeschriebenen Recht Gebrauch, bei Streitigkeiten ein Schiedsgericht aufzurufen. Dabei wird das Nicht-Einhalten des Leitbilds in Zusammenhang mit dem Spielreglement beklagt. Das neue, im Februar 2006 verabschiedete Leitbild sieht eine Ligagrösse der NLA von 8 bis 14 Mannschaften vor. Im (älteren) Spielreglement steht dagegen, dass die Ligaqualifikation nur ausgetragen werde, bis die Maximalgrösse der NLA erreicht sei, ansonsten sei der NLB-Meister sportlich betrachtet direkt aufstiegsberechtigt. Als aktuelle Ligagrösse hält die Mehrheit der Nationalliga-Clubs jedoch trotz des Leitbilds an zwölf Mannschaften fest. Entsprechend unbeliebt macht sich der EHC Biel unter den "Kollegen" der Nationalliga-Gesellschaft. Das Recht, den Weg über ein Schiedsgericht zu gehen, ist allerdings genauso verankert wie demokratische Abstimmungen. Für die drei Richter - Franz Kellerhals, Hans Nater und Philippe Chételat - wird sich somit vieles um das Leitbild drehen und als wie verbindlich dieses zu betrachten sei. Wäre das Leitbild verbindlich, so wäre auch 14 die maximale Ligagrösse und Biel aufstiegsberechtigt. In wirtschaftswissenschaftlichen Publikationen wird ein Leitbild jedoch selten als in Stein gemeisselt betrachtet, sondern als Empfehlung, Richtwert, Orientierung, Idealbild oder langfristige Zielvorstellung bezeichnet. Bei der Anwendung solcher Definitionen des Worts "Leitbild" sind die Bieler Chance mit dieser Klage relativ klein. "Wie das Leitbild umgesetzt wird, entscheiden die Clubs in ihren Abstimmungen", sagt der Nationalliga-Präsident Marc Furrer. Ganz chancenlos sehen sich die Bieler indes nicht und haben mit 19 Spielern das derzeit kleinste Kader aller bisherigen NLB-Clubs, wobei der Spielraum für NLA-taugliche Neuverpflichtungen nichtsdestotrotz klein ist.

Was, wenn Biel gewinnt?

Bekäme der EHC Biel vor dem Schiedsgericht Recht, wäre das Chaos vorprogrammiert. Die Nationalliga wäre gezwungen, die Seeländer für die im September startende Saison als 13. Mannschaft in die NLA aufzunehmen. Die Spielpläne der beiden höchsten Ligen wären über den Haufen geworfen. Eine ausserordentliche Gesellschafterversammlung müsste nochmals alles regeln und den Modus ändern. Bekäme Biel Recht, würde dies folglich auch bedeuten, dass es im nächsten Frühjahr keinen Absteiger gäbe, jedoch der nächste NLB-Meister automatisch als 14. Mannschaft in die NLA kommt, sofern er die Lizenzauflagen erfüllt. Einige NLA-Vertreter, allen voran der SC Bern-Geschäftsführer Marc Lüthi, haben bereits mit Gegenmassnahmen gegen die Bieler gedroht, beispielsweise einer Abspaltung der NLA von der Nationalliga GmbH unter Ausschluss des EHC Biel. Derartige Vorgehensweisen scheinen jedoch wenig realistisch und schreien geradezu nach einem Kartell, das rechtlich keine Chance hätte und das Chaos bei einer Zerschlagung nur vergrössern würde. Sollte der EHC Biel tatsächlich kurz vor Saisonstart aufsteigen, stände auch noch die Frage im Raum, ob der Club entschädigt werden müsste, weil man die Aufnahme in den vergangenen Monaten zu Unrecht verweigert hätte und die Bieler dadurch auf dem Spielermarkt einen enormen Wettbewerbsnachteil haben. Müsste man den EHCB finanziell entschädigen (wie im Fussball beim FC Sion vor einigen Jahren)? Gäbe es eine Art Expansions-Draft wie bei Ligaerweiterungen in Nordamerika, wonach Biel Spieler der anderen Clubs kriegen könnte? Oder würde man Biel als Schadenersatz mit mehr Ausländern spielen lassen, wie man dies beispielsweise in Österreich schon bei Aufsteigern tat, damit diese konkurrenzfähig sind? Denn mit dieser Mannschaft (zuzüglich die Ausländer Nummer drei und vier) wäre in der NLA alles andere als ein letzter Platz mit grossem Rückstand eine Sensation.

Was, wenn die Liga Recht erhält?

Bei der Nationalliga GmbH hält man von den Klagen wenig. Der Geschäftsführer Denis Vaucher plant ohne Biel in der NLA, weil man davon überzeugt ist, dass die Klage kaum Chancen hat. Der Präsident Andreas Furrer hatte die Bieler im Winter erfolglos versucht vom juristischen Weg abzubringen, hat jedoch keine Zweifel daran, dass das Leitbild mit der Zahl 14 als Ligagrösse keineswegs verbindlich ist und die NLA und NLB gemäss Spielplan ganz normal gestartet werden kann. Der Konflikt wäre vorerst aufgeschoben, jedoch nicht aufgehoben. Der EHC Biel hat bereits angekündigt, im Falle einer Niederlage diese zwar in der laufenden Angelegenheit um das Leitbild zu akzeptieren, jedoch den Weg über eine kartellrechtliche Klage weiter zu gehen. Die Seeländer sind der Überzeugung, dass der aktuelle Modus mit der Ligaqualifikation einem Kartell entspräche, weil die finanziellen Voraussetzungen unterschiedlich seien. Durch die Fernsehverträge sowie mehr Sponsoringgelder klafft eine Differenz über zwei bis drei Millionen Franken zwischen den beiden höchsten Eishockey-Ligen. Hinzu kommt, dass die NLA-Clubs drei Stimmen (und Gesellschafteranteile) haben, die NLB-Clubs jedoch nur zwei. Ein vom EHCB in Auftrag gegebenes juristisches Gutachten räumt den Seeländern Chancen zu. Mit einer kartellrechtlichen Klage wollen die Bieler dagegen nicht den sofortigen Aufstieg erzwingen, sondern den Modus mit der Ligaqualifikation bekämpfen. "Der Auf-/Abstiegsmodus wurde der Wettbewerbskommission bereits vor sechs Jahren vorgelegt", wehrt sich Furrer gegen die Vorwürfe, und das Weko hatte kartellrechtlich nichts zu beanstanden. Auch hier scheinen die Chancen gering. In Europa ist das Kartellrecht grösstenteils ähnlich und gerade das aktuelle Beispiel aus Tschechien (siehe unten) deutet darauf hin, dass man erst bei einer kompletten Schliessung der Liga von einem Kartell sprechen kann.

Ligagestalter gesucht

Trotzdem sehen einige Clubs Änderungsbedarf. Bereits seit 2003 wird von verschiedenen Seiten gegen den Auf-/Abstiegsmodus opponiert. Damals hatten einige NLA-Clubs dafür gesorgt, dass der Abstieg für ein Jahr abgeschafft wurde, wonach Basel als 13. Mannschaft aufgenommen werden musste. Ein Jahr später stiegen die Basler nicht zuletzt dadurch ab, weil die führenden NLA-Vertreter den Abstiegsmodus derart aufsteigerunfreundlich veränderten, dass im Abstiegskampf neu sämtliche Saisonspiele zählten und nicht nur die direkten Duellen wie in den sonstigen Playouts, ansonsten hätte damals Lausanne in den sauren Apfel beissen müssen. Schon damals wurden Stimmen laut, man handle wie ein Kartell. Die Wehleiden der Basler blieben damals in den Ligaversammlungen jedoch genau unerhört wie jene der sich ebenfalls benachteiligt fühlenden Bieler. Auf eine demokratische Abstimmung über den Auf-/Abstiegsmodus hat man jedoch in den letzten Monaten verzichtet. Im Juli wurden keinerlei Anträge diesbezüglich eingegeben, dafür wartet man offenbar lieber das laufende Gerichtsverfahren ab. Mittelfristig wäre es jedoch durchaus wünschenswert, wenn die Ligaführung oder Clubvertreter die Meinungen der Clubs spüren und einen tragbaren Modus zur Abstimmung bringen könnten, wenn denn schon der aktuelle nicht passen soll. Nur eine demokratische Abstimmung könnte Klarheit verschaffen, wohin man wirklich will mit dem ewigen Zankapfel "Auf-/Abstiegsmodus". Viel mehr Geld und Energie müsste man dabei kaum investieren als in diesem Gerichtsverfahren oder dem Gang vor die Wettbewerbskommission, auch wenn in den letzten Monaten viel Geschirr zerschlagen wurde.






Auf-/Abstieg und Kartelle im Ausland

Während man sich in der Schweiz seit Jahren am Graben zwischen den höchsten beiden Ligen streitet, geht es vielen Eishockey-Ländern nicht besser - höchstens anders. Ein Blick über die Grenzen zeigt Interessantes (Sortierung nach Ligastärke).

Nordamerika: Ob NHL, AHL oder untere Profiligen, einen sportliche Auf- und Abstieg kennt man nicht. Vielmehr können die vergebenen Franchisen verkauft und/oder umgezogen werden. Auch der Wechsel in eine andere Liga kam schon vor. Der Markt (oder das Geld) beherrscht die Ligen, insbesondere die weltbeste, die NHL. Vom "ärmlichen" Kanada ging es in den 90er-Jahren in die reicheren US-Südstaaten - im Nachhinein mit äusserst unterschiedlichem Erfolg. 1995 wurde aus den Québec Nordiques die Colorado Avalanche, welche in Denver seither zwei Stanley Cup-Siege feiern konnten. 1996 verliessen die Winnipeg Jets Kanada und gingen als Phoenix Coyotes in die Wüste. Aus den Hartford Whalers wurden zudem die Carolina Hurricanes. Seit 1991 wurden bei Expansionen zudem Franchisen nach San José, Ottawa, Tampa Bay, Miami, Anaheim, Nashville, Atlanta, Minnesota und Columbus vergeben, welche nur in den wenigsten Fällen eine grosse Eishockeytradition beanspruchen können. Weil alles mehr oder weniger nach marktwirtschaftlichen Mechanismen abläuft, kann trotz fehlendem sportlichen Auf- und Abstieg nicht von einem Kartell gesprochen werden.

Russland: Die Russen bauen derzeit eine Opposition zur NHL auf: Eine multinationale, euroasiatische Liga. Bauherren sind der Verband, der dadurch die Liga international stärken will, sowie die Ligaführung, welche dem Treiben des mächtigen Verbands um Vladislav Tretjak mit Unterstützung des Sportministers Vjacheslav Fetisov - beides frühere Weltklasse-Spieler - nur sehr ungern zusieht. Und gebaut wird Jahr für Jahr. Wer auf- und absteigt, steht in Russland selbst beim Saisonende in den Sternen, wird erst im Juni an der Ligaversammlung bestimmt. Aussenstehende aus dem Westen könnten das Gefühl haben, die Ligazusammensetzung wird in den berüchtigten Moskauer Kasinos erpokert. In der Tat mag die Mentalität bei der Zusammensetzung der Superliga auch etwas verspielt sein. Das Spiel heisst jedoch Politik und gespielt wird mit Rubeln. Jeden Sommer wird heiss debattiert, wer denn nun rauf und runter soll, wie viele Teams die Liga haben soll - dies jährlich wenige Monate vor Saisonbeginn! Dieses Jahr wurde entschieden, dass man Spartak Moskau nach einem Jahr Pause vom Spielbetrieb wieder aufnimmt, aus der unteren Liga nur der Meister Nizhny Novgorod aufsteigen darf, dazu das Schlusslicht Krylia Sovjetov Moskau absteigt. Der Zweitletzte Amur Khabarovsk durfte entgegen den anfänglichen Plänen bleiben, muss jedoch Reisekostenzuschüsse zahlen. Dies dürfte nicht allzu günstig sein, ist das Team doch von der Pazifikküste, umgeben von China und Nordkorea. Auch Lada Togliatti erhielt eine Galgenfrist und darf trotz untauglicher Eishalle vorerst bleiben. Die nächste Saison sieht vor, dass die letzten zwei Mannschaften absteigen. Die dritt- und viertschlechteste Mannschaft darf gegen eine Strafgebühr an die besser klassierten Clubs im sechsstelligen Frankenbereich oben bleiben. Gegen eine Teilnahmegebühr dürfen zudem Mannschaften aus Kasachstan, der Ukraine, Weissrussland und Lettland in die Superliga kommen, sofern sie über die zweitklassige Vysshaja-Liga aufsteigen. Dort ist Kasachstan neu mit drei statt zwei Mannschaften vertreten, dazu spielt neu Sokol Kiew aus der Ukraine mit. So ganz bekämpft scheint der Gedanke der Korruption in Russland noch nicht zu sein… So oder so, bis zur nächsten Sommerversammlung sind die Ligapläne für 2008/09 nicht mal ihr Papier wert, auf dem sie geschrieben sind.

Finnland: Die SM-Liiga war jahrelang eine geschlossene Liga und geriet dadurch zuletzt ins Kreuzfeuer der Kritik. Von 2000 bis 2005 spielten jeweils dieselben 13 Mannschaften und die Liga schloss sich längerfristig, danach wurde 2005 KalPa Kuopio als 14. Team aufgenommen. Weil die Liga geschlossen ist und nur durch Abstimmungen erweitert wird, ist sie kartellrechtlich heikel und das Verhältnis zum finnischen Eishockeyverband in diesem Thema angespannt. Die Forderung des Verbands nach einer Auf-/Abstiegspoule hatte man letzte Saison bis wenige Woche vor dem Saisonende ignoriert und erst dann kurzfristig eine "Qualifikationsserie" einberufen. Diese war dazu da um zu bestimmen, ob der unterklassige Meister sportlich tauglich wäre. Hätte er gewonnen, wäre er aufgestiegen, der Letzte der höchsten Liga hatte den Klassenerhalt jedoch so oder so auf sicher, weshalb der Modus von vielen Seiten als "Farce-Serie" betitelt wurde. KalPa Kuopio setzte sich gegen den Meister der zweitklassigen Mestis-Liiga, Jukurit Mikkeli, trotzdem 4:0 durch und beendete die Diskussionen über das fragwürdige Verhalten der SM-Liiga. Im Juni sass man dann schliesslich vernünftig mit dem Verband zusammen und beschloss die Einführung einer Auf-/Abstiegsserie auf die Saison 2008/09 hin. Letztmals gab es in Finnland 1998 einen regulären Absteiger.

Tschechien: Auch die tschechische Extraliga steht mit dem Kartellrecht auf dem Kriegsfuss. Dies zumindest, seit man 2006 eine Modusänderung beschlossen hat. Die Auf-/Abstiegsspiele, welche analog zur Ligaqualifikation in der Schweiz verlaufen waren, wurden nach neun Jahren in diesem Format abgeschafft. Die Liga sollte geschlossen werden, wobei man dem Meister der zweithöchsten Liga gegen eine Gebühr von 900'000 Euro den Aufstieg erlauben würde. Der Schuss ging nach hinten los und sorgt nun für ein Ligachaos. Die tschechische Wettbewerbskommission verurteilte den Modus als Kartell und sprach dem späteren Meister der zweithöchsten Liga das Aufstiegsrecht ohne eine derartige Zahlung zu. Weil die Auf-/Abstiegsspiele im Modus der Extraliga fehlten, musste der spätere Meister der zweithöchsten Spielklasse, Usti nad Labem, als 15. Mannschaft aufgenommen werden. Der Widerstand gegen den Aufsteiger war nach dem Richterentscheid gering. Dafür will man dem finanziell seit Jahren dahinvegetierenden Traditionsclub Vsetin an den Kragen, der mit 29 Punkten Rückstand Letzter geworden war. Weil einige Lizenzbedingungen zu spät erfüllt wurden, hat man Vsetin per Abstimmung aus der Extraliga verbannt. Der Club ist weder im Spielplan der höchsten noch der zweithöchsten Liga geführt und sieht sich als "Bauernopfer". Vsetin ging vor ein Verbandsgericht, dessen Entscheid noch aussteht. Ansonsten würde man auch kartellrechtliche Schritte einleiten. Ein Ligachaos droht.

Schweden: Die schwedische Elitserien hat seit 1996 keine wesentlichen Modusänderungen erfahren und gilt diesbezüglich als Vorbild. Zwölf Mannschaften kämpfen um acht Playoff-Plätze, die folgenden zwei Teams dürfen vorzeitig in die Ferien (und per Reglement keine Spieler verkaufen), die letzten zwei bestreiten eine Auf-/Abstiegsrunde mit den vier besten Mannschaften der zweitklassigen Allsvenskan. Die so genannte "Kvalserien" ergibt je zehn Spiele pro Club und ist gefürchtet: Kaum ein Jahr vergeht in Schweden ohne Auf- und Absteiger. Über den Modus ärgern sich nur die Absteiger, denn er bringt Spannung, Zuschauer und Offenheit. Viele Absteiger kehren dadurch oft nach nur einem Jahr wieder in die höchste Liga zurück. Weil derart viele Mannschaften beteiligt sind, werden die Spitzenteams der Allsvenskan sowohl von sportlichen wie auch von wirtschaftlichen Aspekten her allein schon durch den medienwirksamen Modus an die höchste Spielklasse angeglichen. Eine mögliche Zauberformel für die Schweiz?

Deutschland: Die DEL wurde 1994 aus der 1. und 2. Bundesliga gegründet, um sich damals von der Verbandsherrschaft abzuspalten und sich als vergrösserte Profiliga zu modernisieren. Innert weniger Jahren wurden aus Vereine Kapitalgesellschaften, aus der Liga ein Franchise-System, von Eishallen ging es in Multifunktionsarenen und die horrenden Löhne an deutschen Spitzenspielern wurden durch die Abschaffung von Ausländerkontingente auf EU-Spielern (Bosman-Urteil) mit entsprechender "Ausländerflut" stark nach unten korrigiert. Als Vorbild diente die NHL. Die Franchisen mussten einige Vorgaben an das Auftreten der Clubs übernehmen, darunter auch die "Amerikanisierung" (oder "Animalisierung") der Teamnamen. Franchisenrechte im Wert von rund 600'000 Franken wurden vor allem durch sportliche Auf- und Abstiege sowie Pleiten desöfteren verkauft. Bezüglich Franchise-Weitergaben ist man somit eine Mischform zwischen dem nordamerikanischen Eishockey-Business und den europäischen Traditionen. Es gab bislang nur eine Übernahme nach amerikanischem Muster: 1999 wurden die DEL-Rechte der Landshut Cannibals von der Anschutz-Gruppe gekauft und die Franchise als München Barons weitergeführt, jedoch mangels Zuschauerinteresse 2002 erneut verlegt als Hamburg Freezers. Nicht alle Clubs konnten der Modernisierung standhalten. Ständig musste der Modus geändert werden, die Ligagrösse änderte nicht zuletzt durch Lizenzentzüge und der sportliche Auf- und Abstieg ist bis heute ein heikles Thema geblieben. Nachdem die Grösse lange durch Aufstockungen und Konkurse bestimmt wurde, gab es zwischen 2002 und 2006 direkte Auf- und Abstiege. Die DEL ist mit Kooperationsverträgen an den Verband (dadurch auch an die IIHF) und die 2. Bundesliga verbunden. Der sportliche Abstieg ist mittlerweile im neuen Vertrag wieder abgeschafft. Potenzielle Aufsteiger müssen daher auf Pleiten hoffen, wobei nach den neusten Visionen bis 2009 noch um eine Mannschaft auf 16 Teams aufgestockt werden soll. Die Liga soll dann, ebenfalls nach NHL-Vorbild, in eine Nord- und Süd-Division getrennt werden, wobei man die Gegner derselben Gruppe doppelt so oft spielt wie jene der anderen Gruppe.

Slowakei: Die slowakische Extraliga ist das Armenhaus unter Europas "Top-7-Ligen". In der neuen Champions League soll sie deshalb, obwohl im bisherigen Europacup sportlich erfolgreich, nur noch als Nummer sieben eingestuft werden und damit keinen fixen Startplatz haben. Die Budgets und Löhne entsprechen etwa unserer Nationalliga B, wobei die Unterschiede zwischen Top-Teams wie Slovan Bratislava und den hinteren Teams gross sind. Die besten Talente verlassen das Land früh, vor allem ins Nachbarland Tschechien, oder wer genug Talent hat, weiter in den Westen. Dass man finanziell den anderen Top-Ligen Europas etwa um 20 Jahre hinterherhinkt und das Geld noch nicht eine derart dominante Rolle einnimmt wie anderswo, hat den Vorteil, dass man sich umso mehr auf das Sportliche konzentrieren kann. So wie früher auch im Schweizer Sport. Nach dem Motto der Modus ist wie er ist und er funktioniert. Seit man 2001 auf zehn Mannschaften aufgestockt hat, blieb es in der jungen Republik ohne Turbulenzen bei dieser Zahl. Was teilweise änderte war einzig, ob es einen direkten Auf- und Abstieg gibt oder eine Serie zwischen den beiden betroffenen Teams entscheidet. Erst auf die neue Saison hin wurde eine grössere Änderung eingeführt: Die U20-Nationalmannschaft nimmt neu an der Extraliga teil und ist mit dem Aufsteiger Kezmarok Teil einer Aufstockung auf 12 Mannschaften.