Yannick Weber: Keine Zeit für Ferien

Von Christian Häusler

   

Die erste Saison in Übersee ist für Yannick Weber vorbei, zumindest spielerisch. Jetzt muss sich der Schweizer Verteidiger für die Draft-Tests Anfangs Juni in Toronto vorbereiten. Damit verzögern sich seine Ferien auf nach dem Draft. Stolz kann der 18-Jährige auf seine erste OHL-Saison zurückblicken, denn zusammen mit Jakub Kindl gehörte der U20-Internationale zu den wichtigsten Teamstützen in der Kitchener-Abwehr.

Eines der wichtigsten Jahre für einen Eishockeyspieler, der in die NHL will, ist das Draftjahr. Kann ein Spieler in diesem Jahr die Scouts mit seiner Leistung überzeugen, dann steigen seine Chancen, früh gedraftet zu werden und damit jemals in der besten Liga zu spielen. Yannick Weber überzeugte seine Scouts: Mit 13 Toren und 28 Assist war der Schweizer eine dominierende Figur im Power- und Boxplay seines Teams.

Zu Beginn seines Kanada-Abenteuers war dies etwas anderes, seine Offensiv-Qualitäten waren bekannt und der Berner durfte von Beginn weg in den Überzahlsituationen agieren. Anders sah das im Boxplay aus: "Die Scouts und der Trainer sagten, ich müsse mein Defensivspiel verbessern, um im Boxplay spielen zu dürfen." Kurze Zeit später erhielt der Schweizer das volle Vertrauen seines Trainers und durfte oder musste pro Spiel zwischen 20 und 30 Minuten sein Können unter Beweis stellen. Weber dankte dies mit seiner soliden Defensivarbeit und mit Scorerpunkten. "Das einzig Negative an dieser Saison war, dass ich mich verletzte und einige Spiele nicht bestreiten konnte. Ansonsten kann ich auf eine gelungene Saison zurückblicken, in der ich viel lernen durfte und konnte."

Trotz seiner besten Saison, die seiner Meinung nach, viel zu früh endete mit dem Playoff-Out gegen Plymouth, denkt Weber noch nicht an Ferien. Er wird hart weitertrainieren müssen bis Anfangs Juni die Tests in Toronto für die besten Draftspieler aus Europa beginnen. Neben sportlichen Ansprüchen wollen die NHL-Teams durch Fragebögen noch viel Hintergrundwissen über ihre möglichen neuen Spieler erfahren. Unter anderem wer die Lieblingsspieler eines jeden einzelnen ist oder was sie am liebsten essen. So schieben sich die Ferien des U20-Nationalverteidigers automatisch hinaus. Übrigens ist Weber nicht der einzige Schweizer, der zu diesen Tests nach Kanada eingeladen wird. Neben dem Verteidiger darf auch der U18-Internationale Luca Cunti in das Mutterland des Eishockeys reisen.

Was war in der Playoff-Serie gegen Plymouth los?

Yannick Weber: Ja wir hatten in allen Spielen Pech. In allen fünf Spielen waren wir besser als unser Gegner, was unter anderem auch die Schussstatistik zeigt.

An was lag es denn genau?

Unser Torwart war weit weg von seiner Topform, die meisten Gegentreffer muss er auf seine Kappe nehmen. Ja und wenn er hinten patzt wird es für uns schwieriger.

Deine erste OHL-Saison ist vorbei, wie hast Du sie erlebt?

Schwierig zu sagen, das kanadische Eishockey ist total anders als das europäische, sowohl die Einstellung der Spieler, als auch das Publikum und das Interesse am Eishockey. Unsere Spiele verfolgen viel mehr Zuschauer als die vergleichbaren in der Schweiz. The Aud (Memorial Auditorium Complex) bietet 6500 Sitzplätze. Des Weiteren spielte ich meine bisher beste Saison und würde daher wieder nach Kanada wechseln. Diesen Schritt empfehle ich jedem Schweizer, der einmal in der NHL spielen will. Denn im Vergleich zur NLB oder den Elite-Junioren hat ein Spieler in den kanadischen Juniorenligen wesentlich mehr Spiele. Statt knapp 30-50 haben wir hier 68 Spiele ohne die Playoffs.

Mit der vierten Niederlage gegen Plymouth ist Eure Saison vorbei. Wie sieht Euer Saisonabschluss aus?

Der Klub hat uns Spieler zu einem Bankett geladen ansonsten ist nichts weiter geplant. Anschliessend reisen die Spieler zurück in ihre Heimat, da keiner aus Kitchener kommt.

Dann hast Du endlich Ferien?

Nein, nach meiner Rückkehr muss ich mich auf das Testing, welches Anfangs Juni statt findet, vorbereiten. Sprich ich habe knapp einen Monat Zeit dazu. Danach geht das Training weiter bis zur Nationalmannschaftszusammenkunft, ehe ich die Vorbereitung mit dem SC Bern bestreite.

Dann gönnst Du Dir gar keine Ferien?

Doch, doch, dazwischen bleibt genug Zeit, um mich ein zwei Wochen zu erholen. Aber im Draftjahr ist viel los und da muss ich persönliche Ansprüche, darunter auch die Ferien, hinten anstellen. Aber wenn der Draft in Columbus vorbei ist werde ich mir einige Tage frei nehmen.

Wo spielst Du die nächste Saison?

Die Teams, die Interesse an mir haben, wollen, dass ich die nächste Saison nochmals mit den Kitchener Rangers bestreite. So kann mich das Team, welches mich ziehen wird, nochmals eine ganze Saison beobachten und mir explizit sagen, was ich an mir verbessern muss. Dadurch steigt meine Chance in der übernächsten Saison einen Vertrag zu erhalten.

Zurück zum Draft, wie stehen Deine Chancen?

Mein Coach hat mir letzthin gesagt, dass ich wohl in den ersten drei Runden gezogen werde. Er kennt alle Scouts und GMs der NHL. Dennoch hat er mir gesagt, ich solle nicht an den Draft nach Columbus gehen, da dies bloss eine Zeitverschwendung wäre.

Wieso eine Zeitverschwendung?

Er meinte acht Stunden Flug nur für die Zeremonie, das lohne sich nicht. Ausser du bist ein Top-10-Draft. Mein Agent dagegen sagte mir, dass ich eventuell gehen soll. Doch die Zeremonie ist nur für die Spieler der ersten Runde. Ich weiss im Moment nicht, ob ich gehe oder nicht. Zuerst die Tests und das Finalranking abwarten.

Aus Schweizer Sicht sind Du und Cunti die Topdrafts der Schweiz, was würdest Du Luca empfehlen?

Wenn Cunti hoch gedraftet wird, dann wäre es besser, wenn er nach Kanada kommen würde. Die Entscheidung müsste er schnell treffen, also auf die nächste Saison wechseln. Denn die Juniorenligen diskutieren eine allfällige Modusänderung. Sie wollen in Zukunft nur noch einen Ausländer pro Team zulassen.


    [zum Background-Portal]