Riskiert der EHC Biel den Ausschluss?

Von Urs Berger

   

Der Seeländer Klub versucht mit allen möglichen Mittel den Aufstieg in die Nationalliga A zu erreichen. Doch dabei ignorieren die Bieler eine mögliche Konsequenz. Und die Nationalliga hat erneut ein Imageproblem.

Die Fakten scheinen allen Beteiligten klar zu sein. Doch die EHC Biel AG hat genug vom immer währenden Versuch in die Nationalliga A aufzusteigen. Durch ein Nadelöhr, das von der Mehrheit der Nationalliga-Gesellschafter bewilligt wurde. Nun versuchen die Seeländer mit einer zivilrechtlichen Klage vor dem Gericht zum erhofften Erfolg zu kommen. Hockeyfans.ch hat die bisherigen Fakten zusammen getragen und die Auswirkungen auf die Liga aufgelistet.

Position EHC BielPosition NL GmbHAuswirkungen
Antrag EHC Biel AG am 17. Juni 2006: Abschaffung des direkten Auf- und Abstieges unter Beibehaltung der Kriterien Wirtschaft, Finanzen, Infrastruktur und Management/Logistik.Die Gesellschafterversammlung lehnt beide Anträge der EHC Biel AG mit 23:37 respektive mit 23:34 Stimmen ab. Beide Abstimmungen wurden geheim durchgeführt.Wie im April 2005 haben die Gesellschafter das ansinnen abgelehnt. Danals versuchten sich der Lausanne HC und der HC Thurgau in der jeweiligen Liga zu halten. Im April 2005 wurde zudem ein Leitbild beschlossen, in welchem ab der Saison 2007/08 die Bandbreite beider Ligen definiert wurde.
Die im Leitbild enthaltenen Grund- und Leitsätze sind für die Schweizerische Eishockey Nationalliga GmbH (NL GmbH), deren Geschäftsleitung sowie für die Gesellschafter ab der Saison 2007/08 und bis auf weiteres gültig und verbindlich. (aus dem Leitbild der NL-GmbH vom 27. April 2005)NLA bei 12 Mannschaften. Am Ende der Saison 2006/07 ein oder kein Absteiger aus der NLA in die NLB aus sportlichen Gründen (Liga-Qualifikation). (aus dem Spielreglement der Saison 2006/07)Das Leitbild definiert die Bandbreite der beiden Ligen und ist erst ab der Saison 2007/08 gültig. Das Spielreglement hingegen ist für Saison 2006/07 verbindlich verabschiedet worden. Den Gesellschaftern war der Spielmodus bekannt. Der EHC Biel will nun versuchen, das Spielreglement dem Leitbild unterzuordnen. Dabei gehen sie den Weg über den Lizenzausschuss.
Der EHC Biel gibt ein Gutachten in Auftrag, in welchem festgestellt wird, dass der EHC Biel durchaus Chancen hat, sich auf dem kartellrechtlichen Weg durchzusetzen. In Frage gestellt wird jedoch, ob ein Vorgehen in Sachen Lauterkeits- und gesellschaftsrechtlicher Klage erfolgversprechend sein wird oder nicht.Die NL-Führung unter Marc Furrer und Denis Vaucher stellen sich auf den Standpunkt, dass die Klage der EHC Biel AG keine grosse Chance haben wird.Noch sind die Auswirkungen auf die Nationalliga GmbH nicht abzusehen. Egal ob die EHC Biel AG klagt oder nicht. Sicher ist nur, dass beide Seiten zu den Verlierern gehören können.

In den letzen Jahren hat der Nationalliga-B-Klub EHC Biel versucht, in die Nationalliga A aufzusteigen. Doch immer wieder scheiterte der Seeländerklub daran. Diesen Missstand gilt es nun aus Sicht der Seeländer zu beheben. Aus diesem Grund hat man zu erst ein Gutachten in Auftrag gegeben, in welchem festgestellt wurde, dass der Gesellschafter Biel durchaus Chancen hätte, bei einer entsprechenden Klage Erfolg zu haben. Parallel zur Klage wird man versuchen, via den Lizenzausschuss die Spielberechtigung in der Nationalliga A zu erlangen. Beides zusammen kann erfolgsversprechend sein, birgt aber auch gewisse Gefahren in sich. Eine der Gefahren verbirgt sich in einer möglichen Abstrafung der anderen Mitglieder. Diese können mit einer Zweidrittelmehrheit den Ausschluss des EHC Biels aus der Liga verlangen. Dies wäre jedoch die schlimmste aller möglichen Varianten. Voraussichtlich wird den Seeländern von der Ligaführung ein Vorschlag gemacht, welcher darauf hinausgeht, dass die Liga auf vierzehn Teams aufgestockt wird. Damit wäre man dem Anliegen des EHC Biels nachgefolgt. Doch noch ausstehend ist, wie man den Auf- oder Abstieg aus der Nationalliga regeln wird. Hier scheint die neue Nationalliga-Führung unter Marc Furrer und Dennis Vaucher gesprächsbereit zu sein.

Spiel mit dem Feuer

Keine Frage, das Vorgehen des EHC Biels ist nicht ganz lupenrein und ein Spiel mit dem Feuer. Doch aus verschiedenen Winkeln betrachtet kann man dieses Vorgehen der Bieler durchaus nachvollziehen. Dennoch kann sich der EHC Biel den folgenden Fragen nicht entziehen:

  1. Entspricht das Stadion den Anforderungen eines Nationalliga-A-Klubs?
  2. Ist die Sicherheit der Zuschauer im Stadion gewährleistet?
  3. Kann man in der Region Biel genügend Gelder auftreiben, um den Klub zu finanzieren?
  4. Verträgt die Nationalliga A einen dritten Berner Klub?

Erst wenn der EHC Biel alle vier Fragen mit gutem Gewissen mit Ja beantworten kann, dann kann man sich Gedanken um einen Aufstieg machen. Nur ein kleines Zweifeln sollte die Beteiligten zu einem Marschhalt bewegen und innehalten. Innehalten hätte auch die Führung der Bieler können, bevor sie sich auf die Veröffentlichung des Gutachtens des Kartellrechts-Professor Dr. Marbach gemacht hätten. Dort haben die Bieler einen Fehler gemacht, der vielen Nationalliga-Klubs in den falschen Hals geraten ist. So riskiert nun der EHC Biel einen möglichen Ausschluss aus der Liga. Doch soweit muss es nicht kommen. Die neue Liga-Führung unter Marc Furrer und Denis Vaucher scheinen einen liberaleren Weg gehen zu wollen als dies unter den Vorgängern Franz A. Zölch und Kurt Locher der Fall gewesen ist. Denn für alle Beteiligten steht vieles auf dem Spiel. Doch der EHC Biel spielt dabei am meisten mit dem Feuer. Hoffen wir, dass er sich nicht zu sehr verbrennt.


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