Langenthals grosses Spiel

Von Benjamin Bienz

   

Am kommenden Samstag gibt es ein Novum in Langenthal. Erstmals in der Geschichte des SEHV logiert die A-Nationalmannschaft für ein paar Tage im Oberaargau im Hotel Bären. Mit dem Höhepunkt, dem Länderspiel vom Samstag 14. April 2007 im Schoren, vielleicht gar vor ausverkauftem Haus.

Trotz des zu frühen Saisonendes des SC Langenthal ist das Eishockey-Fieber in Langenthal wieder ausgebrochen. In diesen Tagen bestreiten die Krueger-Schützlinge ihr Trainingscamp im Oberaargau. Obwohl es auf sportlicher Ebene nicht mehr als ein Vorbereitungsspiel ist auf die kommende WM in Moskau (27. April bis 13. Mai 2007), so bietet dieses Spiel sehr viel, insbesondere für die Stadt Langenthal. Erstens ist es für die Schweizer Nationalteam ein guter Härtetest um zu sehen, wie weit man schon ist, und zweitens muss sich jeder Spieler erst beweisen ob er nach Russland mitfahren kann. Denn von den 32 aufgebotenen Spieler fahren "nur" 25 Spieler an die Weltmeisterschaft. Für Nati-Coach Ralph Krueger ist das Spiel gegen Russland die Simulation für das erste WM Spiel vom 28. April gegen Lettland: "Die Russen sind immer ein guter Gegner, doch diesmal besonders. Der Konkurrenzkampf bei Russland ist noch mal um vielfaches höher als jener von uns", sagte der Nationalmannschaftscoach. 4`800 Zuschauer sollen die Nati am Samstag zum fünften Sieg im 46. Vergleich gegen die Russen schreien. Dabei sein werden unter anderem auch Bundesrat und Sportminister Samuel Schmid sowie der russische Sportminister Vjacheslav Fetisov, der ein ehemaliger Eishockeystar war, wird extra mit einer Super-Puma nach Langenthal geflogen. Organisiert hat dieses Gespräch Stefan Costa, der ein persönlicher Mitarbeiter von Schmid ist. Bei diesem Gespräch geht es um die Entwicklung und der Sportförderung der beiden Länder. Laut SEHV-Mediensprecher Patrick Reber sind nur noch sehr wenige Tickets für dieses Länderspiel zu haben. Heinz Schlatter, Geschäftsführer des SC Langenthal und Mitorganisator des Events, hofft auf eine volle Schorenhalle. Dies wäre die Egalisierung des Rekordes vom Jahre 1984, als der SC Langenthal im Derby gegen den SC Bern ebenfalls vor 4800 Zuschauer spielte. Gar nicht in den Vorverkauf gerieten die Sitzplatztickets, diese werden vom Eishockeyverband, dem SC Langenthal und der Stadt gekauft.

"Gute Voraussetzungen schaffen"

In Langenthal ist die Hoffnung gross, dass es nicht das letzte Mal ist, das die Nati hier logiert. Schlatter arbeitet weiter daran und klopft nötigenfalls beim Verband an. Eines ist aber für den Geschäftsführer der SC Langenthal AG klar: "Die Euphorie ist gross, dies wollen wir nun nutzen. Bisher waren die Rückmeldungen des Teams und des Staff der Schweizer Nati positiv." Wichtig ist für Schlatter wie auch für Langenthals Stadtpräsidenten Thomas Rufener, dass man gut Voraussetzungen für dass Team schafft. Rufener: "Wir wollen gute Voraussetzungen schaffen, dass das Team sich nur aufs Sportliche konzentrieren muss. Denn das wichtigste ist, dass die Nati in Moskau Erfolg hat". Für Schlatter ist dieses Camp eine Herausforderung: "Wir haben den Anspruch, es sauber und reibungslos zu organisieren. Für uns ist es eine Chance, dass die Nati hier nicht das letzte Mal hier in Langenthal war." Ralph Krueger sagt: "Es ist sicher möglich, dass wir wieder nach Langenthal zurückkehren. Jeder Ort hat seine Geschichte. In den letzten drei Jahren waren wir stehts in Winterthur. Warum soll dies nicht auch in Langenthal möglich sein?" fragt sich Krueger. Der Deutsch-Kanadier ist lieber in einer kleinen Hockeystadt. "Denn jeder hat mal in einem kleineren Ort angefangen, für die Spieler ist es der Ursprung, und er geht ans Eishockeyherz", weckte Krueger Emotionen. Doch das Wichtigste für den Naticoach sind die Spiele. Aber ebenfalls erwähnt Krueger, dass der Start hier in Langenthal verheissungsvoll war: "Das Essen und die Trainingsmöglichkeiten waren super."

Fernsehpräsenz im Schoren

Für die Länderspielpremiere wurde in Langenthal keinen Aufwand gescheut. Die Pressetribune wurde vergrössert. Diese dient in Zukunft auch für die Spiele des SCL. Eine Angst hat man in Langenthal um die Sicherheit. Heinz Schlatter: "Von Seiten der Fans dürfte es keine Probleme geben, einzige Brisanz bietet die Anwesenheit vom russischen Sportminister Fetisov. Auch keine Sorgen bereitet dem SCL-Geschäftsführer die Parkplatzsituation. Von allen reservierten Parkplätzen sei das Stadion in einer Viertelstunde erreichbar. Auch Fernsehpräsenz wird im Schoren genossen. Laut dem Mediensprecher wird das Spiel sehr wahrscheinlich nicht live übertragen vom Schweizerfernsehen, aber Sequenzen vom Spiel seien am Abend im Sport Aktuell sicher zu sehen. Dafür wird wohl ein russischen Sportsender dieses Spiel live übertragen.

Die Nati bewegt

Auch die Spieler zeigen sich sehr zufrieden. Paul Di Pietro sagte zu Langenthal: "Es ist sehr schön hier, diese Stadt ist eishockeyverrückt, das merkt man. Hier wird alles unternommen, dass wir eine gute Vorbereitung haben." Für den SCB-Spieler Marc Reichert ist es fast wie eine Rückkehr, spielte der Stürmer doch mit Burgdorf oft in Langenthal. Auf die Frage ob die Wärme kein Problem sei wegen dem Eis, sagte er: "Nein, man ist sich es gewohnt im April und Mai noch zu spielen, da schleift man halt die Schlittschuhe nicht mehr so stark wie wenn es kälter wäre." Die Trainings der Eisgenossen sorgen in Langenthal für Zuschauer-Interesse. Bei den bisherigen Trainings waren immer gegen 50 Zuschauer anwesend. Am Mittwochnachmittag waren über 100 Schaulustige dabei. Normalerweise ist solch ein Aufmarsch nur bei einer Fussball-Nationalmannschaft zu sehen. Im Oberaargau ist dies aber anders. Da grassiert das grosse Eishockey Fieber: In der Stadt sind mehrere Nationalmannschafts-Utensilien in Schaufenstern ausgestellt.

Bilanz der Schweiz gegen Russland: 45 Spiele, 4 Siege, 3 Unentschieden, 38 Niederlagen, 79:264 Tore.


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