Aufstiegslust gegen Abstiegsangst?

Von Benjamin Bienz

   

Die Ligaqualifikation, also der Kampf um den letzten Platz in der Nationalliga A wird zu einer rein Bernischen Angelegenheit. Mit dem NLB- Meister EHC Biel und dem letzten der NLA den SCL Tigers treffen zwei Traditionsvereine aufeinander. Vorallem im Seeland wird man sich freuen auf dieses Duell. Denn der EHC Biel wartet seit zwölf Jahren vergeblich auf den Aufstieg. Doch dies soll sich so schnell wie möglich ändern. Darum hat man im Seeland auch eingekauft. Ob die Seeländer den Aufstieg jetzt endlich packen? Man wird es sehen.

Seit Mittlerweilen zwölf Jahren peilt man beim EHC Biel den Aufstieg an. Vorher war man 20 Jahre lang in der Nationalliga A vertreten und dies mit drei Meistertiteln sehr erfolgreich. Doch dann kam der Abstieg im Jahre 1995 und man war im Seeland in tiefe Depression gefallen. Man versuchte es zwar immer wieder doch es gelang nicht. Doch selten zeigte man sich so angriffig wie diese Saison. Erst liess man ein Gutachten machen das zum schluss kam dass, das der Auf-/Abstiegsmodus gegen das Kartellrecht verstösst und später kaufte man ein wie die wilden. Was sich bisher aber bezahlt machte im NLA- Final gegen den EHC Visp. Denn mit Kirby Law und Serge Aubin verpflichteten die Seeländer ein eingespieltes Duo. Die beiden wurden von NLA- Viertelfinalist Servette verpflichtet und kamen in den sechs Spielen gegen den EHC Visp auf nicht weniger als 30 Skorerpunkte oder 5 Punkte pro Spiel. Mit dem tschechischen Goalie Marek Pinc verpflichteten die Bieler einer der weiss, wie man Langnau in einer Best of Seven Serie bezwingt. Pinc war einer der herausragenden Akteure beim "schnellen" Ligaerhalt von Fribourg auch der Zuzug vom tschechischen NHL- Haudegen Jiri Slegr machte sich im NLB- Finale bereits bezahlt. Erzielte der 622-fache NHL-Verteidiger immerhin vier Skorerpunkte. Obwohl der Tscheche wegen einer Rippenquettschung in den letzten zwei Partien nicht mittun konnte, so wird er gegen die SCL Tigers sicher zurückkehren und für die nötige Stabilität sorgen müssen in der Bieler Defensive. Denn dort besitzen die Bieler sicher noch Steigerungspotenzial. Alleine Visp konnte in sechs Final Partien 22 Tore erzielen. Dieser Gegentoreschnitt muss sicher verkürzt werden, wenn man Aufsteigen will. Umso imposanter ist die Torausbeute im Finale. 30 Tore erzielte die Sturmfraktion der Seeländer. Also fünf pro Partie. Doch dies gegen einen NLB-Club. Genügt dass gegen Langnau das den höheren Rhythmus intus hat? Auch das wird sich in den nächsten Tagen weisen.

Kurzinterview mit Kevin Schläpfer (Sportchef EHC Biel):

Mit was für Gefühlen steigt ihr in die Ligaqualifikation?
Schläpfer: Sicher mit positiven Gefühlen. Wir sind einfach "gwundrig" ob wir es diesmal schaffen. Wir wissen momentan nicht so recht was uns erwartet. Wir sind sehr gespannt wie gross der Unterschied ist.

Was passiert wenn der Aufstieg erneut nicht klappt?
Die Welt würde nicht unter gehen. Es geht weiter. Wir wissen ja wie stumpfsinnig der Modus ist. Aber daran kann man nichts ändern. Wir würden nächste Saison halt wieder voll angreifen.

Warum steigt Biel dennoch auf?
Weil es Zeit ist das es ein Wechsel gibt. Es braucht neues Blut. Das würde dem Schweizer Eishockey gut tun. Es ist einfach an der Zeit das wir es packen.


Abstiegsgespenst im Emmental?

Acht Jahre ist es her als man im Tal der heulenden Winde letztmals die Ligaqualifikation bestreiten musste. Die letzten Jahre schaffte man den Ligaerhalt immer früher doch wenn die Playoffs anstanden, dann waren die Emmentaler bisher nur Zuschauer. Damals am 10. April 1999 gegen Chur als man sich im siebten und letzten Spiel zu retten wusste. Dies dank der Genialität von Todd Elik, welcher im alles entscheidenden Spiel im Bündnerland beim 7:2-Sieg ein Tor und sechs Assists beisteuerte. Nur muss diesmal gesagt werden dass kein Elik mehr da ist und dass der Gegner diesmal nicht Chur heisst sondern das aufstrebende Biel welches alles daran setzt um den Aufstieg zu schaffen. Noch schlimmer aber für die Emmentaler ist wohl die Tatsache dass man bei der Ausländerwahl nicht die glücklichste Hand bewiesen hat. Zwar machte sich der Zuzug von Josh Holden einigermassen bezahlt. Der Kanadier der von Fribourg Gotteron geholt wurde erzielte im Playout Final gegen Basel immerhin sechs Skorerpunkte in ebenso vielen Spielen. Jedoch skorten die Söldner sonst zu wenig. Dies in der Phase wo es für die Tigers um die NLA Zugehörigkeit sprich Existenz geht. Vorallem Jeff Toms und Marko Tuomainen vermochten an die guten Leistungen der Qualifikation nicht anzuknüpfen. Schon in der Qualifikation waren Spieler wie der ehemalige Schwedische Topscorer Peter Höghard oder der Finne Tommi Miettinen Totalausfälle. Dies machte sich in den Playouts gegen Fribourg und Basel bemerkbar. Jetzt aber alles auf die Ausländerschwäche zuzuschieben wäre falsch. Denn auch die Schweizerspieler vermochten nicht an die teilweise sehr guten Leistungen der Qualifikation nicht mehr anzuknüpfen. Spielt da die angst mit? Diese frage kann man sich bei den Emmentalern gut stellen. Denn, in der Qualifikation konnte man ohne grossen Druck aufspielen. Man vermochte dort mit teilweise sehr guten Leistungen zu überzeugen. Vorallem gegen Gegner wie Davos, Kloten oder Lugano sahen die Emmentaler sehr gut aus. Nur wurden die Playoffs verpasst weil man zu Hause zu viele Spiele verlor und gegen die direkten Konkurrenten um den Strich zu wenig Punkte holte. Doch in der entscheidenden Phase der Saison in den Playouts bekam man das Nervenflattern. Das schlimmste kam aber in den Playouts. Von den letzten zehn Spielen vermochten die Langnauer nur zwei zu Gewinnen. Acht mal musste man das Eis als Sieger verlassen. Viermal davon verloren die Emmentaler in der Verlängerung oder dem Penaltyschiessen. Also die Moral spricht momentan sicher für Biel da diese mit drei gewonnen Serien mit voller Selbstvertrauen in die Ligaqualifikation steigen werden. Jedoch sind sich die SCL Tigers dem höheren Spielrhythmus gewöhnt. Ob sie dies zu nutzen wissen, wird sich weisen.

Kurzinterview mit Martin Bruderer (Sportchef SCL Tigers)

Mit welchen Gefühlen steigt ihr in die Ligaqualifikation?

Bruderer: Es ist natürlich eine schwierige Situation für uns. Trotzdem werden wir positiv in die Ligaquali steigen. Wir haben einen guten Teamgeist.

Was passiert wenn Langnau absteigt?
Da will ich nicht gross darauf eingehen. Wir werden nicht absteigen. Wir gehen positiv an die Spiele an. Vom Abstieg wollen wir gar nicht reden.

Warum bleiben die SCL Tigers dennoch in der Nationalliga A?
Weil Langnau die bessere Mannschaft hat als Biel.


Der Vergleich:
SCL TigersEHC Biel
OrtLangnauBiel
EinzugsgebietEmmentalSeeland
Fläche48,5 km221,20 km2
Einwohnerzahl904950701
Budget 06/076,3 Millionen Franken3 Millionen Franken
Meistertitel1 (1976)3 (1978,1981,1983)
Zuschauerschnitt54832792
Söldner 06/07Brad Fast, Jason Doig (ab Playouts), Lee Jinman (bis Mitte Saison) Peter Höghard, Tommi Miettinen, Jeff Toms (ab Mitte Saison), Marko Tuomainen, Antti Virtanen (ab Playouts), Josh Holden, Ahren Nittel (3 Spiele), Krystofer Kolanos (14 Spiele), Brendan Yarema (4 Spiele), Scott Langkow (ab Playout-Finale).Alexandre Tremblay, Brian Felsner (ab Mitte Saison), Brandon Dietrich (bis mitte Saison), Brian Passmore (nur 3 Spiele), Serge Aubin, Kirby Law, Jiri Slegr, Nicholas Naumenko, Marek Pinc, Eero Somervuori (alle ab NLB-Playoff Final), Stefan Hellqvist (ab Playoffs).

Tipp:

Über einen Tipp an dieser Ausgeglichenen Serie werden sich die Geister streiten. Darum werden die jeweiligen Tagesformen entscheiden. In den ersten fünf Spielen wird es lauter Heimsiege geben. Doch am Ostermontag in Spiel 6 werden sich die SCL Tigers im Penaltyschiessen mit dem 26. Penalty, den entscheidenden vom oft gescholtenen Arne Ramholt durchsetzen und sich den Ligaerhalt zum neunten Mal in Folge sichern, dies obwohl der EHC Biel den Vorteil bei den Söldnern hat. So werden es die Schweizer und die besseren Nerven bei den SCL Tigers richten.


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