Das Prestigeduell zweier Traditionsklubs

Von Urs Berger

   

Die einen spielen vor über 16000 Fans, die anderen haben den Spengler-Cup. Beide Teams besitzen Tradition, beide Teams haben ihre zahlreichen Anhänger. Ein Finale, der die Schweiz spalten würde, wenn es im Fussball wäre. Doch im Eishockey geht alles gemütlicher zu und her. Eine Vorschau auf einen Final, der dem ganzen Schweizer Eishockey gut tun kann.

Eines ist schon vor dem ersten Spiel klar. Keines der Teams kann klar favorisiert werden. Keine der Mannschftsteile fällt auf oder ab, zu ausgeglichen sind beide Teams besetzt, zu klar sind die Rollen darin verteilt. Dennoch muss Ende der Saison ein Team den Schweizermeistertitel besitzen. Doch wer wird es sein? Der SC Bern, der in den fünf Begegnungen gegen de EV Zug Betonhockey spielte und auf einen wieder erstarkten Marco Bührer zählen kann? Oder sind es die Davoser, welche seit zehn Jahren mit Arno del Curto den immer gleichen Trainer an ihrer Bande wissen? Das Davos, das eine Serie gegen Zürich vom 1:3-Rückstand zum 4:3-Sieg drehen konnte? Vieles wird von der Tagesform der Teams bestimmt werden. Oder doch nicht? Wir blicken auf die Saison zurück und vergleichen die beiden Teams, ihre Spieler und ihrer Taktik. Vielleicht tippen wir ja auf den richtigen Meister.

HC DavosSC Bern
Trainer
Arno del CurtoJohn van Boxmeer
Ihn noch näher vorzustellen wäre, wie wenn man das Rad neu Erfinden müsste. Doch Arno del Curto ist einer der begnadesten Eishockeyprofessoren der Eishockeywelt. Keiner zelebriert das Eishockey mit jeder Faser des Körpers wie er. Er ist sich aber auch nicht zu schade, das eine oder ander Mal disziplinarische Massnahmen im Team umzusetzen. An der Bande kann er seine Emotionen ausleben oder auch einfach ruhig das Spiel geniessen.John van Boxmeer ist ein charismatischer Trainer. Er geht mit dem Spiel mit, lebt seine Emotionen auf der Bank aus und kann den Spielern auch einmal zeigen wer der Chef ist. Steigen bei ihm die Emotionen, kann man dies sehr gut beobachten, indem ihn sein Nacken breiter wird und sein Gesicht röter. Neben dem Eis ein eher ruhiger und introvertierter Coach, der weiss was er will. Seine Stärke liegt in der Kommunikation mit den Spielern. Er hat NHL-Methoden nach Bern gebracht.
Torhüter
Jonas HillerMarco Bührer
Seine Stärke ist im mentalen Bereich zu suchen. Nach einem schlechten Tor kann er dieses rasch wegstecken. Seine Schwäche sind die Abpraller nach vorne.Die Stärke von Marco Bührer ist der Trainer. Tom Hedican drillt ihn aus der Ferne. Seine Schwäche ist manchmal die Inkonsequenz vor seinem Tor. Zu wenig aggressiv.
1. Verteidigung
Marc Gianola / Jan von ArxToni Söderholm / David Jobin
Beides sind harte, kompromisslose Abräumer. Wer bei ihnen vorbei will, der muss auch beissen können.Das Duo spielt solide. Jobin übernimmt im Powerplay den Part des Blueliners. Söderholm spielt nach vorne und kann gute Akzente setzen. Beide spielen solide, machen selten Fehler.
2. Verteidigung
Florian Blatter / Vaclav BenakDominik Meier / Michal Barinka
Florian Blatter sichert nach hinten ab. Vaclav Benak spielt nach vorne. Der Tscheche ist ein schneller, gradliniger Spieler, der auch hart einsteigen kann. Blatter macht seine defensive Arbeit gut.Dominik Meier hat seit seiner Unterschrift in Zug abgegeben. Spielt dennoch solide. Michal Barinka ist ein Turm in der Verteidigung und setzt nach vorne gute Akzente.
3. Verteidigung
Andreas Furrer / Benjamin WinklerBeat Gerber / Martin Steinegger
Das dritte Verteidigungspaar ist nicht einfach ein Paar, das nur auf dem Blatt da ist. Beide sind gute Handwerker. Furrer kann dass Spiel schnell machen.Das Verteidigungsbauwerk, das auch zulangt. Gerber ist ein defensiver Stay-at-home Verteidiger. Steinegger der offensivere der beiden mit gute Spielübersicht. Hang zu dummen Strafen.
4. Verteidigung
Pascal MüllerRolf Ziegler
Kann die Rolle des Jokers gut übernehmen. Er kann in allen drei Verteidigungspaaren das eine oder andere bewirken.Harter Verteidiger im nehmen, teilt aber auch gerne aus. Kann in einer Serie durchaus den Unterschied machen.
1. Sturm
Alexander Daigle / Reto von Arx / Michel RiesenSimon Gamache / Christian Dubé / Patrik Bärtschi
Das wohl beste Trio in der Schweiz. Daigle weiss, wie man spielt um zu gewinnen. Reto von Arx ist ein brillianter Spielmacher und Riesen ein guter Vollstrecker. Doch werden sie genügend Raum haben, dies umzusetzen?Die Linie ist schnell und immer gefährlich. Dubé als Center effektiver, Gamache ist wirblig und schnell, Bärtschi ist ein Vollstrecker. Nach seiner Verletzung besser.
2. Sturm
Andres Ambühl / Josef Marha / Zbynek IrglChristian Berglund / Eric Landry / Ivo Rüthemann
Ambühl ist lauffreudig, Marha ist ein Vollstrecker und Irgl ist ein passionierter Kämpfer. Zudem kann er das Spiel sehr gut lesen. Ambühl ist ebenfalls ein physischer Spieler, der die Akzente zu setzen vermag.Eric Landry bereitet vor, Ivo Rüthemann oder Christian Berglund vollstrecken. Wenn Landry nicht spielt ist Berglund Center und Hubacek am Flügel. Mit dieser Variante ist Bern noch unberechenbarer.
3. Sturm
Marc Wieser / Dino Wieser / Sandro RizziRaeto Raffainer/ Thomas Ziegler / Marc Reichert
Jung, hungrig und erfahren. So lauten die Attribute für diese Linie. Die Erfahrung bringt Sandro Rizzi in die Linie. Die beiden Brüder Marc und Dino Wieder bestreiten in der NLA ihr erstes Play-off Finale.Die Checker-Linie, welche auch Tore machen kann. Vor allem Center Thomas Ziegler ist ein harter Brocken. Raffainer und Reichert machen das Tempo in der Linie und spielen frech nach vorne.
4. Sturm
Petr Taticek / Loïc Burkhalter / Peter GuggisbergDaniel Meier / André Rötheli / Corsin Camichel
Loïc Burkhalter sichert defensiv ab, Taticek und Guggisberg sind schnell auf den Kufen. Alle drei können Problemlos auch in der ersten Linie eingesetzt werden und ergänzen sich.Mit Center Rötheli eine Trumpfkarte. Er ist der routiniert in der Mannschaft und ein ruhender Pool. Daniel Meier und Corsin Camichel sind die pfeilschnellen Flügel.
13. Stürmer
Flurin RandeggerPhillippe Furrer
Flurin Randegger ist ein junger wilder Spieler, der noch von Arno del Curto gezähmt werden muss. Aber er ist läuferisch auf einem hohen Niveau. Kann in allen Linien eingesetzt werden.Kann in der Verteidigung oder im Sturm eingesetzt werden. Harter aber fairer Spieler, der noch die Balance sucht, zwischen offensiver Spielweise und Absicherung nach hinten.
Ersatzausländer
Yves SaraultPetr Hubaceck, Nathan Perrot
Yves Sarault kennt die Berner gut und weiss, wie man diese provozieren kann. Kommt es zu einem Duell zwischen ihm und Nathan Perrot mit den Fäusten?Petr Hubacek kann jede Linie verstärken. Er hat einen harten Schuss, ein gutes Auge und ist auch läuferisch einer der besseren seiner Gilde.

Kommt Nathan Perrot zum Einsatz? Dies ist eine Frage, welche die Spieler beschäftigt. Marc Lüthi sagte in einem Interview: "Perrot wird nur zum Einsatz gelangen, wenn wir ein Zeichen setzen müssen, oder wenn sich einer unserer Ausländer verletzen sollte." Oder ist das nur ein Bluff?
Special Teams
Im Box- und Powerplay wechselt del Curto häufig durch. Wenn nicht, übernimmt Alexander Daigle die Rolle des Blueliners. Josef Marha kommt in der ersten Linie zum Einsatz und übernimmt den Part des hängenden Verteidigers, der ab dem rechten Bullypunkt einen Onetimer platzieren kann. Die Linien verschieben sich sehr schnell und die Scheibe läuft durch.Im Boxplay wechselt John van Boxmeer die Linien durch. Er erhöht das Tempo, indem er wechseln lässt, wenn die Scheibe aus dem Drittel ist. Im Powerplay kommen die zwei ersten Lienien zum Einsatz. Öfters mit André Rötheli als Blueliner. Die Scheibe läuft oft aussen um. Die Berner versuchen so den bessern postieren Verteidiger frei zu bekommen. Dieser drückt ab der blauen Line ab und die Stürmer warten auf den Rebound.
Umfeld
Beim HC Davos läuft fast nichts ohne Del Curto. Auch wenn er dies immer wieder dementiert. Seine Verwaltungsräte haben in den letzen Jahren das Optimale aus dem Umfeld gemacht. 3 Final-Teilnahmen in drei Jahren sind nicht selbstverständlich.Marc Lüthi hat seine Vorstellungen einer Saison. Er ist ein impulsiver Geschäftsführer, der auch das eine oder andere Mal seine Emotionen freien Lauf lässt. Hat mit Sven Leuenberger einen ruhigen Sportchef engagiert, der dem Team die Freiheiten lässt.
Fazit
Für die Davoser spricht das über Jahre gewachsene Kollektiv. Zudem kennt Arno del Curto seine Spieler sehr genau und kann auf jede Laune reagieren. Daraus kann auch eine negative Entwicklung werden. Problem könnte sein, dass die Mannschaft sich zu gut kennt.Für den SC Bern spricht, dass die Berner nach dem letztjährigen Viertelfinal-Aus nun hungriger sind als ihr Gegner. Zudem verfügen sie über das etwas breiteren Kader mit mehr Erfahrung. Mit John van Boxmeer könnte der Coach die entscheidende Rolle spielen. Er weiss, auf was es in den entscheidenden Spielen ankommt.

Den Meistertitel hat jedes der beiden Teams verdient. Eine verlässige Prognose zu stellen ist schwer. Zu viele Faktoren spielen in diesem Duell der besten Mannschaften der Schweiz mit. Kleine Details, wie die Torhüterleistung, zu viele Strafen oder das konsequente Verteidigen werden Faktoren sein. Am Schluss wird aber die abgeklärtere Mannschaft gewinnen. Hier sehen wir einen Pluspunkt bei den Bernern. Unser Tipp in diesem Jahr: Die Play-offs gehen über sieben Spiele und der SC Bern wird am Ostermontag den "Schirmständer" nach der Verlängerung und einem Tor André Röthelis in die Höhe stemmen.


    [zum Background-Portal]