Entscheidet der Heimvorteil?

Von Benjamin Bienz

   

Heute beginnt auch in der Nationalliga A die heisseste Phase der Meisterschaft. Die Playoff-Viertelfinals und die Playouts beginnen. hockeyfans.ch stellt nun mal Prognosen und blickt zurück auf die Qualifikation. Auffallend: Der Heimvorteil könnte ein eminent wichtiger Vorteil sein.

Jetzt ist auch in der NLA Schluss mit taktieren, auf Resultat spielen. Jetzt gilt es vier Mal siegen oder fliegen! Alle Begegnungen sprechen für Brisanz. Denn im Gegensatz zur Nationalliga B entschieden sich die Klubvertreter der Nationalliga A für den sportlichen Weg. Für Zündstoff ist also in allen Partien, egal ob Playoff oder Playout, gesorgt.

Playoff-Viertelfinale

HC Davos (1.) - ZSC Lions (8.) - Tipp: 4:1

Der Qualifikationssieger HC Davos startet als klarer Favorit in die Serie gegen die ZSC Lions. Die Bündner machten es sich bei der Wahl bekanntlich einfach und entschieden sich für die sportliche Entscheidung. Ob das die richtige ist, sei mal dahingestellt. Trotzdem ist das Team von Kult-Coach Arno Del Curto zu favorisieren, konnten die Davoser die Stadtzürcher doch drei Mal deutlich bezwingen. Nur einmal mussten sich die Bündner erst im Penaltyschiessen geschlagen geben. Sein Gegenüber, der ZSC Lions-Trainer Harold Kreis, ist froh überhaupt dabei zu sein in den Playoffs: "In den Playoffs beginnt alles von Neuem, da gibt es keinen leichten Gegner mehr. Darum spielt es auch keine Rolle, dass man jetzt gegen Davos antreten muss." Gespannt darf man also sein, ob die Davoser ihrer Favoritenrolle gerecht werden. Ein gutes Omen ist es allemal nicht, wenn man Qualifikationssieger ist. Da könnte Lugano vor zwei Jahren, der SC Bern vor einem Jahr und neuerdings der SC Langenthal (NLB) oder Unterseen-Interlaken (1. Liga) ein Liedchen davon singen.

Spiele in der Qualifikation: ZSC-Davos 0:2, Davos-ZSC 5:1, Davos-ZSC 6:2, ZSC-Davos 1:0 n.P.

SC Bern (2.) - Genève-Servette HC (7.) - Tipp: 4:2

Servette - Ein gutes Omen für den SC Bern? Könnte gut sein, denn in zwei Playoff-Vergleichen konnten sich die Stadtberner gegen die Genfer (4:1 und 4:2) durchsetzen. Letztmals 2004, als die Mutzen den Titel in die Hauptstadt holten. Doch aufgepasst: Die Genfer gelten als eine sehr starke Kämpfermannschaft, die den Bernern alles abverlangen werden. Doch die spielerische Klasse spricht für die Berner. Die vier Qualifikationsspiele verliefen sehr ausgeglichen. Die Romands wie auch die Stadtberner konnten beide zwei Spiele für sich entscheiden. Die Favoritenrolle ist hier klar verteilt: Die Bären sollten weiterkommen, die Adler dürfen. Denn die Genfer haben ihr Saisonziel mit der Playoff-Qualifikation erreicht. Aber ob sich Servette-Trainer Chris McSorley mit dem erreichten zufrieden gibt?

Spiele in der Qualifikation: Servette-Bern 4:1, Bern-Servette 4:6, Servette-Bern 3:4, Bern-Servette 3:2.

EV Zug (3.) - Rapperswil-Jona Lakers (6.) - Tipp: 4:3

Folgt die Revanche des letztjährigen Viertelfinals? Damals konnten sich die Rapperswiler vor allem dank dem Heimvorteil im siebten Spiel durchsetzen. Doch diesmal liegt der Heimvorteil bei der Qualifikation-Überraschung EV Zug. Doch der EVZ-Sportchef Patrick Lengweiler spricht von keinem Vorteil: "Wir sind sicher froh zu Hause starten zu dürfen. Doch in den Playoffs zählen auch andere Gesetze als nur der Heimvorteil. Da sollte man auch auswärts bestehen können. Ich erwarte eine enge, hart umkämpfte Serie." Auf die Frage, ob man heiss sei auf eine Revanche, meinte Lengweiler: "Natürlich wollen wir weiterkommen. Doch wir müssen die letztjährige Serie aus den Köpfen bringen, es beginnt wieder bei null. Man kann es nicht mehr vergleichen, es ist eine neue Saison." Schon die Resultate der Qualifikation prophezeien eine hart umkämpfte Serie. Beide Teams konnten je einen Heim- und einen Auswärtserfolg feiern. Da könnte es gut sein, dass der Heimvorteil ein gewichtiger Vorteil sein wird. Darum werden sich die Zuger wohl knapp in einer hart umkämpften, sehr spannenden Serie durchsetzen.

Spiele in der Qualifikation: Zug-Lakers 1:5, Lakers-Zug 1:3, Zug-Lakers 7:2, Lakers-Zug 4:1.

HC Lugano (4.) - Kloten Flyers (5.) - Tipp: 4:3

Lugano - Kloten oder die Wiederholung des letztjährigen Halbfinals. Die Klotener sind heiss auf eine Revanche. Doch dieses Unterfangen wird nicht einfach werden. Die Tessiner sind das beste Team des Jahres. Keine andere Mannschaft holte im Jahr 2007 so viele Punkte wie die Bianconeri. Kloten dagegen stand fast die ganze Qualifikation durch auf den Rängen eins bis vier, doch in der zweitletzten Runde vergab die Mannschaft von Anders Eldebrink den Heimvorteil noch. Da darf man gespannt sein, ob die Flyers dem heimstarken Lugano das Wasser reichen können. Wenn die Klotener an die starke erste Qualifikationshälfte anknüpfen können, dann ist ihnen alles zuzutrauen. Aber auch hier könnte der Heimvorteil, den Ausschlag geben.

Spiele in der Qualifikation: Lugano-Kloten 4:3, Kloten-Lugano 0:3, Kloten-Lugano 3:2 n.P., Lugano-Kloten 5:3.

Playout-Halbfinale

HC Ambrì-Piotta (9.) - EHC Basel (12.) - Tipp: 4:0

Ambris Topskorer Jean-Guy Trudel sieht der Serie nicht mit allzu grosser Freude entgegen: "Die Playoffs sind Kampf, die Playouts dagegen Stress pur. Wir hatten es gegen Basel diese Saison nicht einfach." Trotz dieser Aussage Trudels sind die Leventiner der klare Favorit. Vorallem die letzten nicht berauschenden Spiele der Basler geben dem HCAP Anlass zur Hoffnung. Ueli Schwarz, CEO des EHC Basel, war demnach mit seiner Mannschaft auch nicht zufrieden: "Wir haben in letzter Zeit wirklich nicht gut gespielt, das müssen wir auf die Playouts hin ändern. Der Mannschaft muss neues Leben eingehaucht werden." Optimistischer schauen die Spieler und der Coach der Nordwestschweizer, Mike Mc Parland entgegen: Sie seien alle froh, dass die Qualifikation zu Ende ist, jetzt beginne eine neue Meisterschaft. Dies die Kampfansage auf Basler Seite. "Die erste Linie von Ambri ist eine Klasse besser als unsere, aber sonst haben wir ein ebenbürtiges Team", so der Trainer des EHC Basel. In den vier Direktbegegnungen der Qualifikation hat Ambri die Nase leicht vorne. Trotzdem werden es die Basler sehr schwer haben gegen die Tessiner zu bestehen. Vor allem, Wenn Trudel und Domenichelli nur annähernd so spielen wie in den vergangenen Jahren oder noch zu Beginn der Saison. Basels Hoffnung: Nach rund sieben Wochen kann man durch die Verpflichtung Tomas Diviseks wieder mit fünf Ausländern antreten.

Spiele in der Qualifikation: Ambrì-Basel 6:3, Basel-Ambrì 2:0, Ambrì-Basel 2:1, Basel-Ambrì 6:5 n.V.

HC Fribourg-Gottéron (10.) - SCL Tigers (11.) - Tipp: 2:4

Zwei Playout-erprobte Teams stehen sich gegenüber. Denn Fribourg gegen Langnau, so lautete die Begegnung auch in den letzten zwei Playout-Erstrundenserien. Beide Male konnten sich die Emmentaler durchzusetzen. Immer hatten die Fribourger das Heimrecht. So könnte dies also die erste Begegnung sein, bei welchem der Heimvorteil nicht von grosser Bedeutung ist. Den psychologischen Vorteil besitzen sicher die Emmentaler. Doch aufgepasst! Die Saanenstädter befinden sich auf aufsteigender Tendenz. In den letzten sechs Spielen vermochten die Romands deren fünf zu gewinnen. Wenn sie diesen Aufwärtstrend auch in der Best-of-Seven-Serie gegen die SCL Tigers zu nutzen vermögen, dann könnte es gut sein, dass die Fribourger die Emmentaler endlich auch einmal in einer Serie bezwingen werden. Wenn man nur die Resultate des diesjährigen Jahres anschaut, dann liegen die Romands hinter Lugano auf dem ausgezeichneten zweiten Rang. Doch auch die Oberemmentaler boten in der Qualifikation einige gute Spiele. Etliche Male vermochte das Team von Coach Christian Weber zu überzeugen. Doch die Mannschaft zeigte sich noch zu wenig reif, um in die Playoffs zu kommen. Insbesondere die ganz wichtigen Spiele in den entscheidenden Momenten wurden verloren. Langnau besitzt aber wohl noch das grössere Potenzial, in einer hart umkämpften Serie werden sich die Emmentaler knapp durchsetzen können.

Spiele in der Qualifikation: SCL Tigers-Fribourg 1:4, Fribourg-SCL Tigers 2:3 n.V., Fribourg-SCL Tigers 1:3, SCL Tigers-Fribourg 4:5.


    [zum Background-Portal]







Handshakes vor dem Spiel, hier Jean-Guy
Trudel (Ambrì) und Chris Bright (Basel), werden
sich bald in Grenzen halten. (Foto: Christian Häusler)