Rückblick: Lausanne HC
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Lausanne – Absteiger mit Ansage

Von Urs Berger

Sie haben gekämpft, die Spieler des Lausanne HC. Sie haben aber alles verloren, als die Führung den charismatischen Trainer Gary Sheehan durch den egozentrischen und unbeliebten Bill Stewart ersetzte, der nur daraus aus war, die angeschlagenen Lausanner in die NLB absteigen zu lassen. Doch auch neben dem Eis lief nicht vieles für die Lausanner: zu viel Unruhe war im Management und die Fans konnten nicht viele erfreuliche Momente auf dem Eis mit ihrer Mannschaft erleben.

Management
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Als Manager in Lausanne tritt man eine der schwersten Aufgaben im Schweizer Eishockey an. Nirgends wird einem von den Verwaltungsräten so sehr in das Tagesgeschäft gepfuscht wie in Lausanne. Kein Entscheid, betreffe dieser auch nur kleine Angelegenheiten, kann das Management, sprich der sportliche Leiter und der Geschäftsführer, ohne Rücksprache mit dem Verwaltungsrat fällen. Zu sehr wollen diese Herren in der Öffentlichkeit stehen und sich profilieren. So konnte es denn auch nicht erstaunen, dass der erfahrene Silvio Caldelari im Januar so angeschlagen war, dass er sich von seiner Arbeit dispensieren lassen musste. Keine guten Voraussetzungen für den neuen operativen Leiter der Lausanner, der noch zu bestimmen ist.
Trainer
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Gary Sheehan war mit Andrej Khomutov ein gutes Team, wenn auch ein etwas zu ruhiges. So konnte es denn auch nicht erstaunen, dass Sheehan und Khomutov am 31. Oktober durch den Bandengeneral Bill Stewart ersetzt wurde. Dies brachte nicht die erhofften Resultate und Stewart wurde unter den Spielern immer unbeliebter. Bill Stewart wollte zu sehr das nordamerikanische Element in die Mannschaft integrieren. Dies kann in einer Mannschaft, wie dies Lausanne ist, nicht gelingen, denn dort muss man mit viel Geduld und ruhiger Hand arbeiten. Ein Trainer wie ein Mike McParland wäre hier angemessen. Aber diesen haben die Lausanner bekanntlich am 5. November 2004 entlassen. Die Quittung haben sie nun in diesem Jahr auf der Trainerbank bekommen.
Ausländer
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Marko Tuomainen hat sich gut in der Schweiz integriert und war in 51 Spielen mit 23 Toren 44 Punkten der beste Ausländer bei den Lausannern. Dies, obwohl er "nur" 23 Tore erzielte. Denn er war zu gleich auch der Einzige, der die Trainer Wirren und Irren überstand und in den meisten Spielen immer Vollgas gab. Schade, dass ihn die Lausanner ziehen lassen müssen.

Eric Landry verlor nach dem Wegzug von Andrei Bashkirov seinen besten Mitspieler und seinen besten Freund. Dies merkte man den auch an seiner Spielweise an. Manchmal war er nicht bereit mit der letzen Konsequenz vor das gegnerische Tor zu fahren und zu skoren. In 49 Spielen erzielte er 19 Tore und 43 Punkte. Auch er wechselt von Lausanne weg und zieht zum Aufsteiger Basel.

Patrick Boileau hat sich diese Saison bei den Lausannern anders vorgestellt und kann nicht zufrieden sein. In den 36 Spielen erzielte er 7 Tore und 20 Punkte. Leider war er aber die meiste Zeit überzählig und konnte nie sein wahres Potenzial abrufen und umsetzen.

Martin St. Louis kam als gefeierter Star und ging auf leisen Sohlen wieder nach Nordamerika zurück. Dennoch konnte er in den 23 Spielen, in welchen er 9 Tore und 25 Punkte buchte, überzeugen. Als er am 5. November bei den Lausannern ankam, stieg die Hoffnung auf bessere Resultate. Als er sich aber am 20. Februar aus Lausanne verabschiedete, war er nicht mehr der gefeierte Star, sondern nur noch ein Mitläufer unter vielen. War er das Geld wert?

Andy Roach hätte eigentlich einen Vertrag mit den St. Louis Blues gehabt, konnte diesen aber wegen dem Lockout nicht wahrnehmen und wechselte Mitte November zum Lausanne HC. In Lausanne konnte er aber nicht überzeugen. In den 31 Spielen mit den Waadtländern erzielte er 10 Tore und 21 Punkte.

Andrei Bashkirov war das erste Opfer des neuen Trainers Bill Stewart. Der Russe musste nach nur 20 Spielen, 6 Toren und 12 Punkten die Lausanner Richtung Avangard Omsk verlassen. Die Lausanner merkten rasch, dass dies nicht die beste Lösung war, konnten sich aber gegen den allmächtigen Trainer nicht durchsetzen und mussten so den sensiblen Russen in Omsk belassen. Denn mit Eric Landry hätte er sicher auch weiter gewirbelt und die Lausanner wären unter Umständen nicht abgestiegen.

Weitere Ausländer ohne Bewertung:
   · Adrien Plavsic
   · Lubomir Hurtaj
U20 - Spieler
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Könnten wir wählen, so würden wir den Lausanne HC zum schlechtesten Juniorenförderer der Nation erküren. Kein einziger Spieler wurde im Fanionteam während der Saison eingesetzt. Die Klubleitung ist nun gefordert mit ihrem in der Elite B gemeldeten Team Erfolg zu haben und die Junioren Schritt für Schritt in die NLA einzugleidern. Denn ohne Junioren kann kein Klub auf kurz oder lang überleben.
Zusammenfassung Eines der schwächsten Teams der Liga konnte sich auch gegen den NLB–Sieger, trotz der besseren Regelungen betreffend Ausländer, nicht durchsetzen und musste absteigen. Dies sollte nun den Lausannern ein Wink mit dem Zaunpfahl sein. Denn nun können sie sich in der nächsten Zeit finanziell und auch sportlich neu ausrichten. Dies tut Not in der Waadtländer Metropole. Diese Saison kann durchaus eine heilvolle Wirkung haben. Ob das der Verwaltungsrat des Lausanne HC auch so sieht?

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