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Der EV Zug setzt (noch) auf Konstanz

Von Martin Merk

Beim EVZ und beim Trainer Sean Simpson träumt man von den alten Zeiten und Finalteilnahmen. Noch aber blieb ein dafür nötiger Sturm auf den Transfermarkt aus. Nach einer sportlich und finanziell erfolgreichen Saison und Konstanz in der Mannschaft erscheint eine erneute Halbfinal-Teilnahme aber sehr wohl denkbar. Sowohl in dieser Hinsicht wie auch bezüglich des erzielten finanziellen Gewinns aus der vergangenen Saison wartet eine Saison der Bestätigung für die Zuger.


Soll mehr Spektakel in die Abwehr bringen: Janne Niskala
Foto: Martin Merk
Mit der Halbfinal-Teilnahme der vergangenen Saison hatten die Zuger gezeigt, dass sie zur erweiterten Spitze gehören können. Seither hat sich bei den Innerschweizern nicht viel verändert, was also nicht unbedingt gegen einen erneuten Erfolg spricht. Bei den Ausländern mussten die NHL-Spieler Mike Fisher und Niko Kapanen ersetzt werden, deren Abgänge jedoch nicht derart ins Gewicht fallen wie die ganz grossen NHL-Stars, welche andere Clubs beschäftigt hatten. Mit der Abschiebung des in Zug nicht glücklich gewordenen Brett Hauer wurde zudem der Platz für einen neuen Ausländer frei. Von den unerwünschten Spielern wird damit einzig Gian Marco Crameri weiterbeschäftigt, für den man keinen Abnehmer finden konnte. Der Ex-Nationalstürmer muss in Zug unten durch, wurde während den Vorbereitungen in der vierten Linie eingesetzt wo es Platz hatte, teils nicht mal auf seiner angestammten Center-Position. Bei den Schweizern wurden die Routiniers Gaëtan Voisard und Frédéric Rothen durch Ralph Ott und Paul Di Pietro gut ersetzt. Vor allem auf Di Pietro darf man gespannt sein. Nach einer Saison als mässiger NLB-Ausländer in Chur hätte man ihn schon fast abschreiben können. Wenig später spielte er als Schweizer beim HC Lugano und schaffte es bis an die WM. In der Nationalmannschaft von Ralph Krueger zeigte er dabei starke Leistungen. Nicht als Skorertyp, aber als mannschaftsdienlicher Spieler mit Zug nach vorne. Er zeigte, dass er sich mit seiner Nationalität durchaus identifizieren kann - und auch mit seiner Wahlheimat Zug, wurde Di Pietro doch im Vorort Baar Bürger und landete vor allem deshalb wieder in der Herti-Halle. Als Schweizer kann er beim EVZ nun eine andere Rolle spielen ohne den Druck der Ausländerbegrenzung wie vor zwei Jahren. Und bei den Schweizern könnte gegenüber letzte Saison unbemerkt ein weiterer Spieler hinzukommen: Paolo Duca wartet nach seiner langen Pause aufgrund einer Knieverletzung auf sein Comeback. Seit letzten Dezember konnte er nicht mehr spielen, in ein paar Wochen dürfte er wieder mit der Mannschaft trainieren.

Die grössten Änderungen gab es auf den Ausländerpositionen, wo nur die Namen von Barry Richter und Oleg Petrov in der Kaderliste bestehen blieben. Die Verteidigung wird um den Finnen Janne Niskala ersetzt. Niskala ist mit 24 Jahren ein eher junger Ausländer, für den nach wie vor die NHL ein Thema ist. Er gehörte in den vergangenen vier Jahren schon zu den Top-Verteidigern der SM-Liiga als Spieler von Lukko Rauma. Mit einer Statistik von 28 Scorerpunkten aus 53 Spielen gehörte er zur Gilde der Offensiv-Verteidiger. Obwohl er mit Rauma im Halbfinale ausschied, war er nach Punkten sogar der zweitbeste Verteidiger in den Playoffs. Nur in der finnischen Nationalmannschaft fasste der 18-fache Internationale noch nicht so recht Fuss, um für eine WM-Teilnahme in Frage zu kommen.

Der Ex-Lugano-Star Mike Maneluk
Foto: Martin Merk


Für den Sturm wurden zusätzlich Mike Maneluk und Timo Pärssinen verpflichtet. Maneluk braucht man in der Schweiz kaum mehr vorzustellen, derart gross sind seine Verdienste beim HC Lugano gewesen. Doch nach einer von Verletzungen gekennzeichnete Saison zerbrach die Liebe zum Tessiner Club und man einigte sich auf eine Vertragsauflösung, die den Weg nach Zug freimachte. Der Trainer Sean Simpson ist von Maneluk überzeugt - auch von dessen Gesundheitszustand. Pärssinen vergleicht Simpson als Power-Stürmer à la Dale McTavish. In seiner stärksten Saison 2003/04 erzielte er 68 Scorerpunkte in der finnischen Liga - ein sehr hoher Wert für die dortigen Verhältnisse, die ihm auch den Goldhelm als Auszeichnung für den Topscorer der Liga einbrachte. Letzte Saison, ebenfalls beim Helsinki IFK, kam er aufgrund einer Verletzung nicht derart auf Touren, zeigte dafür an der WM in Österreich gute Leistungen. Auch Ceska Pojistovna Cup Anfang September wurde er als einziger NLA-Finne aufgeboten, was beim EVZ-Trainer Sean Simpson aber nicht gerade für Freudensprünge sorgte.

Auffällig in Zug war zuletzt, dass erstmals seit der Ära Fredy Egli sowohl das Geschehen auf dem Eis wie auch die Erfolgsrechnung aufging. Aus einem mässig organisierten Eishockey-Club, der erfolgreich auf wenige Schultern getragen wurde, ist mittlerweile eine gut geführte Eishockey-Organisation mit guten Resultaten im Nachwuchs und Nachhaltigkeit bei den Sponsoren geworden, die sich stärker in der Bevölkerung zeigt und nach der "Viererbanden-Krise" Goodwill schafft. Da der einstige Meistertrainer Sean Simpson sich nicht nur mit Halbfinal-Teilnahmen zufrieden gibt, sondern mittelfristig noch mehr erreichen möchte, darf man gespannt sein, wen die Zuger auf dem Transfermarkt noch zu verpflichten vermögen für 2006.

Zuerst steht aber die Saison der Bestätigung an. Und ob man das Halbfinale erreicht oder nicht, kann von kleinen Details, Verletzungen und der Tagesform abhängen. Denn das Tabellenmittelfeld könnte erneut sehr eng beisammen sein.

Die Ausländer

Janne Niskala (V, USA, von Rauma/FIN)
Barry Richter (V, USA, bisher)
Mike Maneluk (S, CAN, von Lugano)
Oleg Petrov (S, RUS/CAN, bisher)
Timo Pärssinen (S, FIN, von Helsinki IFK/FIN)

Die Testspiele

Siege (4): Pilsen (CZE) 4:0, Kloten 6:4, Rapperswil 6:5 n.P., Fribourg 8:7 n.V.

Unentschieden (1): Lukko Rauma (FIN) 4:4

Niederlagen (4): Ingolstadt (D) 3:4, Frankfurt (D) 1:5, Färjestad (SWE) 2:3, SCL Tigers 0:1

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