Vorschau: ZSC Lions
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Saison der Wahrheit

Von Christian Wassmer

Die ZSC Lions stehen vor einer entscheidenden Saison. Die gezielt auf diese Saison hin aufgebaute Mannschaft kann nur ein Ziel haben: den Meistertitel. Aber in den Vorbereitungsspielen zeichneten sich bereits potentielle Probleme ab, an welchen die Löwen scheitern könnten.

Im Team von Christian Weber gibt es zu viele Spieler, welche in jedem anderen Team eine Leaderrolle übernehmen würden. Als Folge fühlt sich keiner als unbestrittener Leader und kann sich im Rudel der Leitwölfe verstecken. Es sind mehrheitlich Häuptlinge und nur wenige (Arbeits-)Indianer. Keiner muss die Verantwortung tragen. Die Abgänge der bisherigen ZSC-Leistungsträger Mark Streit und Randy Robitaille in die NHL haben dieses Problem noch verschärft. Die Indianer Tim Ramholt, Edgar Salis, Claudio Micheli und Raeto Raffainer wurden durch potentielle Führungsspieler wie Beat Forster, Severin Blindenbacher, Daniel Steiner und Adrian Wichser ersetzt – allesamt Nationalspieler. Doch ob es Christian Weber in seiner dritten Saison bei den Lions gelingen wird, daraus eine verschworene Einheit mit klarer Hierarchie zu formen, bleibt abzuwarten.


Dale McTavish: kann er auch Spiele für die ZSC Lions entscheiden?
Foto: Thomas Oswald
Für den Lions-Dompteur wird diese Saison für seinen Werdegang als Trainer entscheidend sein. Während man dem ehemaligen Spieler der ZSC Lions in den letzten Spielzeiten Zeit liess, sich ins Trainer-Business einzuarbeiten, werden diese Saison vom ZSC-Umfeld Resultate, sprich der Meistertitel, erwartet. Zumal sich der Mäzen Walter Frey nach dieser Saison zurückziehen wird und zuerst wieder ein neuer Geldgeber gefunden werden muss, der die finanziellen Löcher (letzte Saison acht Millionen Franken) stopfen könnte.

Auf den Ausländerpositionen haben sich die Zürcher ebenso verstärkt wie bei den Schweizer Spielern. Von Leksands IF (SWE) holte man den ehemaligen Fribourg-Spielmacher Mikael Karlberg, dessen letzte Saison wenig erfreulich verlief: nur noch 34 Scorerpunkte (6 Tore / 28 Assists) gegenüber deren 71 (19/52) in der Saison davor, Verletzungspech und vorzeitige Rückkehr nach Schweden. Vom Obersee verpflichtete man Dale McTavish, der für Rapperswil-Jona etliche Spiele im Alleingang entschieden hatte. Seine letzte Saison bei den St. Gallern war mit 55 Scorerpunkten (25/30) seine produktivste.


Beat Forster: einer von vier neuen Schweizer Nationalspielern
Foto: Thomas Oswald
Diese beiden Top-Ausländer können den in Zürich nicht glücklich gewordenen Tony Virta ohne Probleme vergessen machen. Schwieriger dürfte es werden, Mark Streit und Randy Robitaille vergessen zu machen, insbesondere im Powerplay. Nur an 9 der 63 Powerplay-Treffer waren diese nicht beteiligt. Oder anders ausgedrückt: Bei 86 Prozent hatten Streit/Robitaille in Form von Assists und Toren ihre Stöcke im Spiel. Streit erzielte 11 Tore und 24 Assists in Überzahl und war damit an mehr als der Hälfte (55%) der ZSC-Powerplaytreffer beteiligt. Sein Kumpane Robitaille war noch erfolgreicher: mit 12 Toren und 29 Assists schafft er es auf eine Beteiligung von 65%. Jan Alston und Robert Petrovicky, die nächst produktivsten Powerplay-Spieler der abgelaufenen Saison, werden gefordert sein.

Schliesslich hat man auf die Abgänge von Streit und Robitaille doch noch rechtzeitig reagieren können und den schwedisch-finnischen Doppelbürger Josef Boumedienne verpflichten können. Von Ausländer-Platz her ersetzt der Offensiv-Verteidiger Robitaille, von der Position her Streit. Boumedienne stösst von Karpat Oulu (SWE) zu den Lions. Vor dem Lock-out pendelte er zwischen der NHL und AHL. Er besitzt bei den Lions eine NHL-Ausstiegsklausel bis zum 1. Dezember.

Ohne Zweifel, die ZSC Lions verfügen über ein Kader mit Meisterpotential. Entscheidend wird sein, ob es Christian Weber gelingen wird, daraus eine verschworene und funktionierende Einheit zu bilden wie vergangene Saison, als man in den Augen von einigen Beobachtern doch eher unerwartet in den Playoff-Final vorstossen konnte und dort nur knapp am HC Davos und seinen Top-NHL-Stars gescheitert ist.

Die Ausländer

Josef Boumedienne (V, FIN/SWE, Oulu/FIN)
Mikael Karlberg (S, SWE, von Fribourg/Leksands IF (SWE))
Dale McTavish (S, KAN, von Rapperswil-Jona)
Robert Petrovicky (S, SVK, bisher)
Ari Sulander (T, FIN, bisher)

Die Testspiele

Siege (5): GCK Lions 6:2, HC Lasselsberger Pilsen (CZE) 3:2, Ilves Tampere (FIN) 6:0, Tappara Tampere (FIN) 3:1, HC Davos 3:1

Unentschieden (0): -

Niederlagen (6): HK Metallurg Magnitogorsk (RUS) 1:4, Espoo Blues (FIN) 1:4, Lada Togliatti (RUS) 2:5, HC Sparta Prag 2:6, IFK Helsinki 3:4, Rapperswil-Jona Lakers 2:3

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