Vorschau: Rapperswil-Jona Lakers
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Eisblau ins Halbinfale?

Von Thomas Oswald

In Rapperswil-Jona ist man optimistisch, was die neue Saison anbelangt, hat man doch scheinbar gute Ausländer, ein eingespieltes Team (nur vier neue Spieler), einen neuen Trainer, einen neuen Namen und die Aussicht auf ein renoviertes Stadion in einem Jahr. Auch von letzter Saison kann man viele positive Kleinigkeiten weiterverbessern, vermasselt hatte man einzig die zwei letzten Spiele, als man das Playoff-Heimrecht vergab und schlussendlich gegen die Superstars aus Davos antreten musste, was dann wie erwartungsgemäss weniger erfolgreich verlief. Ausserdem werden sie, nicht wie sonst üblich als Ligaqualifikations-Kanditat, sondern als Playoff-Aspirant gehandelt, was ein weiteres Novum darstellt.


Brandon Reid, der vielleicht schnellste Spieler der NLA
Foto: Thomas Oswald
Die nach aussen sichtbarste, wichtigste Neuerung am oberen Zürichsee ist die Trikotfarbe und das Logo. Man heisst nun Rapperswil-Jona Lakers ("Seebuben") und spielt in einem eisblauen Tenu. Doch wie ist man auf diese Änderungen gekommen, was soll der Sinn dieses versuchten Image-Wechsels sein? Zum einen ist da das Lido, welches unbedingt renoviert werden muss um auch weiterhin Eishockey spielen zu können/dürfen in Rapperswil und zum anderen die beiden Städte Rapperswil und Jona, welche fusioniert haben und ab 2007 zu einer Stadt Rapperswil-Jona vereint werden. Darum werden aus dem schwer aussprechbaren SCRJ die Rapperswil-Jona Lakers. Das es in Los Angeles ein Basketball Team mit dem Zusatz "Lakers" gibt, daran wird man sich bald nicht mehr als Erstes erinnern in der Schweiz. Dann wäre auch das Ziel erreicht, dass man von den "Lakers" spricht und damit die ganze Region am oberen Zürichsee meint. Das Sponsoring wird zusätzlich angekurbelt, weil man zuhause und auswärts mit der gleichen Trikotfarbe spielt und damit besser erkennbar ist.

Das unausgesprochene, sportliche Ziel der Lakers ist der Halbfinal, denn noch nie ist man über die Viertelfinals hinausgekommen. Weder der neue Trainer Bill Gilligan, noch der Vorstand reden von einem Saisonziel, man will einfach abwarten und von Spiel zu Spiel sehen was passiert und das Bestmögliche daraus machen. Vielleicht ist man auch ein bisschen eingeschüchtert von der Verletzung Mikko Elorantas, welche den wichtigen Stürmer bereits beim ersten Testspiel monatelang ausfallen lies. Auch der Weggang von Dale McTavish (ZSC Lions) ist sicher nicht behilflich, um weit nach Vorne zu kommen. Schliesslich war McTavish der Teamleader der letzten Jahre und hat die Mannschaft jeweils geführt. Allerdings lassen sich auch die neuen Söldner sehen! Und von diesen ist man abhängig in Rapperswil-Jona, verzichtet man doch auf Schweizer Starspieler und konzentriert sich, neben einer soliden Basis, auf die Ausländer.

Mit Brandon Reid (Hamburg) hat man einen sehr schnellen und flinken Skater und der Schwede Christian Berglund (Färjestad) wird noch so einige hier in der Schweiz überraschen, nicht umsonst ist er in der schwedischen Nationalmannschaft. Beide Spieler waren in der letzten Saison erfolgreich bei ihren jeweiligen Klubs. Reid wurde von Hamburg-Trainer Dave King immer gelobt und erreichte 50 Skorerpunkte in 51 Spielen. Der Kanadier, welcher sich in Deutschland mit seiner spektakulären Spielweise schnell in die Herzen der Fans gespielt hatte, wird schon vor der Saison schwer vermisst. Ja, sie trauern ihm nach in Hamburg und was dieser Spieler für die Lakers bedeuten kann, wird man erst später sehen, mit seiner Geschwindigkeit wird er sicher manche Verteidigung zur Verzweiflung bringen.

Brady Murray - effizienter als Niki Sirén
Foto: Thomas Oswald


Neben Brady Murray (Universität North Dakota) und Claudio Micheli (ZSC Lions) gibt es sonst keine Neuerung, dies deutet auf ein eingespieltes Team hin. Murray, der amerikanisch-kanadische Doppelbürger mit Schweizer Lizenz, ist klein, deshalb aber sehr wendig und vor allem sehr hungrig, da er jung ist und die NHL als Ziel hat. Der 21-jährige Flügel wird Niki Sirén (zu den SCL Tigers) sehr gut vertreten können und neben dem besten Schweizer, Marc Weber, eine sehr wichtige Rolle im Team übernehmen. Micheli, der Routinier im Team der Seebuben, will an seine erfolgreiche Zeit bei den Zürchern nahtlos anhängen und den Fans viel Freude und auch ein paar Tore schenken. Zudem soll er den Jungen noch so einiges beibringen, den letzten Pass im richtigen Moment spielen und den Puck hoffentlich "pfannenfertig" seinen Mitspielern servieren.

Vor allem die Verteidigung ist praktisch unverändert, nur Fabian Stephan (zu Kloten) ist nicht mehr dabei, er hatte aber bis anhin keine grosse Rolle im Team gespielt, deshalb wurde er auch nicht ersetzt. Der Abwehrchef der Lakers heisst nach wie vor Marko Tuulola, ein Glücksfall für die jungen Spieler! Einziges Manko ist, dass er viel zu selten abzieht, er ist zu verspielt. Dies allerdings nur in der Offensive. Hinter der Mittellinie ist er nicht so leicht vom Puck zu trennen!

Im Tor werden sich die beiden Torhüter Marco Streit und Michael Tobler weiter duellieren, wobei sich Streit ziemlich sicher durchsetzen und erneut den Vorrang erhalten wird. Er kann sowohl bei wenigen Schüssen, als auch bei einem Dauerbelage seines Tores immer die Ruhe bewahren und grossartige Paraden zeigen. So bissen sich schon ein paar Spieler die Zähne an ihm aus und konnten kein Tor erzielen.

Bill Gilligan bringt frischen Wind nach Rapperswil-Jona
Foto: Thomas Oswald


Bill Gilligan, eine Trainerpersönlichkeit, bereichert das Schweizer Eishockey nach über 10 Jahren Absenz wieder. Bis die Lakers diesen "Fisch" angeln konnten, verstrichen einige Jahre. Die Lakers-Führung bestätigte, dass sie schon seit über drei Jahren mit ihm im Gespräch gewesen sind. Er hat einen Einjahresvertrag unterschrieben, kann sich aber eine längere Zusammenarbeit sehr gut vorstellen. Erste Massnahmen Gilligans konnten auch schon festgestellt werden: Die Spieler wurden aufgefordert mehr Forechecking zu betreiben und dem Gegner keine Ruhe zu lassen. Dies funktionierte auch solange, bis jeweils die Kräfte nachliessen.

Fazit: Mit einem Marco Streit in Topform, einer normal funktionierenden Defensive und den Skorern Roest, Berglund und Reid ist die Playoff-Qualifikation greifbarer Nähe, vielleicht gar das Halbfinale. Man darf optimistisch sein im Lido.

Die Ausländer

Marko Tuulola (V, FIN, bisher)
Christian Berglund (S, SWE, von Färjestad/SWE)
Mikko Eloranta (S, FIN, bisher, verletzt)
Brandon Reid (S, CAN, von Hamburg/DEL)
Stacy Roest (S, CAN, bisher)

Die Testspiele

Siege (3): Iserlohn (D) 3:0, Frankfurt (D) 2:1, ZSC Lions 3:2 n.P.

Unentschieden (0): -

Niederlagen (6): Nürnberg (D) 1:3, Lukko Rauma (FIN) 1:2, Ingolstadt (D) 1:3, Färjestad (SWE) 0:1, Zug 5:6 n.P., Kloten 1:2

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