Vorschau: EHC Basel
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Mit Fussballresultaten zur Überraschung?

Von Martin Merk

Der EHC Basel geht mit tieferen Zielen, aber höheren Erwartungen als noch zwei Jahre zuvor in die NLA-Saison. Mit dem Aufstieg in einem für NLB-Clubs unfreundlichen Modus hat man die höchste Hürde bereits überwunden und wird nun dank dieses Modus das Ziel Ligaerhalt kaum verfehlen mit einer verstärkten Mannschaft. Doch zu wie viel mehr ist diese Mannschaft fähig?

Vergangenen April schaffte mit dem EHC Basel erstmals seit drei Jahren wieder ein NLB-Club den Aufstieg über die Ligaqualifikation. Zwei Jahre zuvor war man durch eine Aufstockung direkt auf- und durch die Reduktion gleich wieder abgestiegen. Dass man diesmal länger oben bleibt, dafür hat man in Basel vorgesorgt. Bereits vor einem Jahr, beim Zusammenstellen eines Aufstiegsteams, hatte man sich mit der NLA im Hinterkopf verstärkt und den ausgetrockneten Transfermarkt nach dem Aufstieg im April den Umständen entsprechend gut ausnützen können. Insbesondere die Hintermannschaft hinterliess einen tauglichen Eindruck, während die Offensive das Sorgenkind ist. Aus acht Spielen gegen erstklassige Gegner gab es zwei Siege, zwei Remis und vier Niederlagen. Eine Punktausbeute, welche nach den Ranglisten der vergangenen Jahre für Rang zehn reichen dürfte. Dabei erzielte man einen Gegentorschnitt von 2,4 was jenem eines Spitzenclubs entspricht, schoss jedoch auch nur magere 2 Tore pro Spiel. Aus der Stürmernot könnte nun "Defense first" ein Leitmotto werden - ähnlich wie Genf-Servette seinem Aufstieg. Rang 6 wie die Genfer damals erscheint jedoch allzu optimistisch. Doch mit "Fussballresultaten" in der Fussballstadt Basel könnte durchaus auch dem einen oder anderem grossen Team das Bein gestellt werden.

Mit Olivier Keller konnte man einen Nationalspieler verpflichten
Foto: Martin Merk


Noch ist die Mannschaft aber nicht ganz dort, wo der Trainer Kent Ruhnke gerne hätte, insbesondere nicht in der Offensive. Ruhnke hofft, dass man diesen Rückstand bis in zwei Monaten aufgeholt hat: "Wir sind etwas im Rückstand mit der Vorbereitung, weil die Ausländer erst spät kamen, zudem vorne Nüssli, Peltonen und Anger verletzt waren. Der Sturm muss noch besser zusammengeschweisst werden. Wir haben nicht viel Zeit für Experimente." Für den Trainer Kent Ruhnke steht deshalb auch im Vordergrund, dass man sich Schritt für Schritt verbessert. "Der Prozess ist manchmal wichtiger als das Resultat, dann können wir auch Top-Team herausfordern", so der Kanadier. Von den Playoffs spricht man an der Bande und der Chefetage nicht im Gegensatz zum letzten Aufstieg - auch wenn dies in der Mannschaft etwas anders tönt. Denn das Ziel Ligaerhalt kann man auch mit 52 Niederlagen und vier Siegen in der Ligaqualifikation gegen den NLB-Meister erzielen, was doch etwas eine gar tiefe Messlatte wäre. Etwas präziser formuliert deshalb der Sportdirektor Ueli Schwarz, der ab Januar neu CEO wird, die sportlichen Ziele: "Wir wollen den Teufelskreis des Auf-/Abstiegs durchbrechen." Dies, damit man endlich auch während der Saison auf dem Transfermarkt aktiv sein kann ohne bis April abwarten zu müssen, in welcher Liga man spielt. Dazu muss man sich punktemässig vom letzten Rang distanzieren und den Anschluss an den Strich wahren können, um in Spielerkreisen ebensolche Signale auszusenden.

Neben Kent Ruhnke, der in den beiden letzten Jahren das berühmte "letzte Spiel" (Meister in Bern 2004, Aufstieg mit Basel 2005) gewinnen konnte, scheint vor allem die Hintermannschaft der "Star" zu sein. Olivier Keller ist der erste Nationalspieler seit 40 Jahren, der beim EHC Basel spielt. Zwar gab es dazwischen einige Basler Nationalspieler, doch spielte der Club damals in den Niederungen zwischen NLB und 2. Liga. Neben Keller wurde die Verteidigung durch Mark Astley und Gaëtan Voisard durch zwei weitere renommierte NLA-Verteidiger ergänzt. Dahinter wurde mit dem früheren U20-Nationalgoalie Daniel Manzato ein neuer Torhüter verpflichtet, der mit dem Aufsstiegsgoalie Patrick Schöpf in Konkurrenz steht. Der 21-jährige Manzato zeigte gute Vorsaison-Spiele und ist zumindest für dieses Wochenende als Nummer 1 gesetzt, darf somit gegen seine Ex-Clubs Ambrì und Fribourg das Tor hüten. In Basel kann Manzato den Sprung zum NLA-Stammtorhüter schaffen, wenn seine Leistungen konstanter werden.

Als klare Schwachstelle gilt dagegen der Sturm, wo nach dem Aufstieg kaum hochkarätige Schweizer Verstärkungen zu finden war. Folglich sind vier der fünf Ausländer Stürmer. Und wenn der kanadische Verteidiger Adrian Plavsic im Oktober planmässig den Schweizer Pass erhält, wird ein weiterer ausländischer Stürmer geholt. Er müsse ein Rechtshänder und Scorer-Typ sein, so Ruhnke zur Ausländersuche, die demnächst auf Hochtouren laufen dürfte. Ansonsten besteht die Offensive aus sieben Stürmern, die bereits im Aufssteigerteam standen. Neben vier ausländischen Stürmern wurden dabei die drei jungen Angreifer Franco Collenberg, Fabian Debrunner und Julian Walker verpflichtet. Sie alle sammelten bereits NLA-Erfahrung ohne den Sprung ganz zu schaffen - dafür gab es bei den Spitzenclubs Davos, ZSC Lions bzw. Bern zuwenig Platz. Vorerst auf Probe wurde zudem Sacha Weibel (Lausanne) verpflichtet.

Harold Druken scorte vor dem Lockout noch in der NHL
Foto: Martin Merk


Bezüglich Ausländer verfügen alle Spieler über Erfahrungen in der NLA oder von der Klasse her vergleichbaren Liga. Eric Landry ist bestens bekannt als hart einsteigender Spielmacher und Topscorer des Absteigers Lausanne. In elf Testspielen war der Franko-Kanadier mit sechs Toren und zwei Assists statistisch am erfolgreichsten im Team. Von der Gehirnerschütterung und der Medienschlammschlacht zwischen Lausanne und Fribourg letzten März hat er sich mittlerweile gut erholt, begann im Mai wieder mit dem Training und verpasste in der Vorbereitung kein Spiel. Mit Niklas Anger von Sierre wurde der NLB-Topscorer verpflichtet. Der Schwede sammelte bereits für ein Spiel mit zwei Scorerpunkten in Ambrì die erste NLA-Erfahrung und spielte bis 2004 in der schwedischen Elitserien, stand dort vor drei Jahren sogar im All Star Team. "Die NLA ist für mich eine sehr grosse Herausforderung", so Anger, an welchem auch andere Clubs der höchsten Schweizer Spielklasse Interesse zeigten. Nach einem Fingerbruch wird er wohl aber erst nächste Woche spielen können. Neu in der NLA und in Europa überhaupt sind die beiden Kanadier Harold Druken und Gavin Morgan. Mit Druken, der in der Vorsaison mit drei Scorerpunkten aus ebenso vielen Spielen die beste Punktausbeute pro Spiel hatte bei den Baslern, wurde ein Center verpflichtet, der in der NHL und AHL als offensiv überdurchschnittlich begabt mit defensiven Mängeln galt. In der NHL hatte er mit 27 Tore und 36 Assists aus 150 Spielen auch gute Werte für einen Spieler, der desöfteren mit den Farmteams Vorlieb nehmen musste. Den Lockout verbrachte er im Toronto-Farmteam St. John's Maple Leafs aus seinem Geburtsort auf Neufundland. Wegen der für ihn unsicheren Lage durch den neuen Gesamtarbeitsvertrag, einem sicheren Einkommen in Europa und weil er etwas Neues ausprobieren wollte, verzichtete er auf NHL-Spiele in dieser Saison. Zudem möchte er sich weiterentwickeln und nicht nur ein Scorertyp sein wie in Nordamerika. "Ich möchte ein Allrounder sein und kompletter werden", so Druken. Mit Morgan hat Ruhnke einen Mann fürs Grobe gefunden wie einst Yves Sarault zu seinen Zeiten als Trainer in Bern. Weil Morgans Vater aus Wales stammt, fällt er zudem ins EU-Kontingent. In Nordamerika gilt er als hart einsteigender Musterprofi, schaffte es aufgrund technischer Limiten und nicht genügend Zentimetern nur zu sechs NHL-Spielen. In der letzten Saison zeigte er mit 33 Scorerpunkten und 153 Strafminuten in der AHL, wo er am meisten auffällt. "Die meisten Strafen stammen aber aus Faustkämpfen", so Morgan, der in der NLA diesbezüglich etwas zurückhaltender auftreten möchte als in der für Prügeleien berüchtigten AHL. Ob die Symbiose zwischen Aggressivität und der europäischen Eishockey-Kultur klappt, wird man in Basel bald analysieren müssen, denn zur Sicherheit hat man eine Ausstiegsklausel per 2. Oktober eingebaut.

Beim EHC Basel hat man dem letzten Aufstieg viel dazugelernt und es spricht eigentlich nichts gegen einen Klassenerhalt. Weil mit Fribourg und den SCL Tigers zwei Playout-Kandidaten sich auf dem Transfermarkt geschwächt haben, scheint diese Saison auch mehr als der letzte Rang möglich. Wie weit man sich davon entfernt wird aber nicht zuletzt davon abhängen, wie sehr sich die Offensiv-Abteilung gegenüber der Saisonvorbereitung noch verbessert, wo eine Integration durch später Verpflichtungen und Verletzungen gestört wurde. Davon wird auch abhängen, ob man mehr Basler in die St. Jakob-Arena locken kann als noch vor zwei Jahren und damit das Ziel von einem Schnitt von 4000 Fans erreicht. Ansonsten muss man auf Mäzenengelder von Rudolf Maag und Co. hoffen, der mit seinen "Hockeyförderern" nicht mehr Clubbesitzer ist, jedoch dem Club weiterhin verbunden sein soll. Zudem ist eine neue Donatorengruppe um den Crossair-Gründer Moritz Suter entstanden, die bislang 400'000 Franken beigesteuert hat. Verkauft wurden bislang 1820 Saisonkarten.

Die Ausländer

Adrian Plavsic (V, CAN, bisher)
Niklas Anger (S, SWE, von Sierre)
Harold Druken (S, CAN, von St. John's/AHL)
Eric Landry (S, CAN, von Lausanne)
Gavin Morgan (S, CAN/GBR, von Hamilton/AHL)

Die Testspiele

Siege (3): GCK Lions (NLB) 4:1, Jyväskylä (FIN) 3:2, Fribourg 6:2

Unentschieden (3): Olten (NLB) 1:1, Lukko Rauma (FIN) 1:1, Nürnberg (D) 1:1

Niederlagen (5): Thurgau Selection 1:3, Jaroslawl (RUS) 3:6, Kloten 0:1, Turku (FIN) 1:2, Servette 1:4

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