Rückblick: SC Bern
Zurück zur Übersicht
 

SC Bern - gezittert, gekämpft, gescheitert und dennoch gefeiert

Von Urs Berger

Die Entscheidung war gefallen, der HC Davos hat einen zuletzt guten SC Bern am Einzug in das Finale gehindert. Der letztjährige Titelverteidiger tat sich über die ganze Saison gesehen schwer mit den Gegnern und konnte am Schluss dennoch in den Halbfinal einziehen. Ein Resümee einer gescheiterten Klubpolitik, eines unfähigen Sportchefs und eines U20 - Nationalspielers, der ein Aufgebot in die A - Nationalmannschaft verdient hätte.

Management
()
Letztes Jahr haben wir das Management der Berner wohl zu sehr gerühmt. Doch wir haben die Verantwortlichen in unserer Saisonvorschau gewarnt. Damals schrieben wir:" ...dann nämlich, wenn jeder der eingesetzten Spieler von Anfang an mehr als 100% ihrer Leistung gibt, sich die Frankokanadische - Connection um Dubé, Bordelau, Haworth und Sarault zu einer verschworenen Einheit findet und sich auch für die anderen zerreisst." Dies traf leider nicht ein und die Stimmen, die einen Graben in der Garderobe herauf beschwörten, wollten einfach nicht verstummen. Dies ist der Hauptgrund, wieso wir dem Managment eine solch schlechte Note geben. Nach dem Absetzen von Trainer Alan Haworth hätte auch aus dem Management, sprich aus dem Verwaltungsrat, ein Zeichen kommen müssen und eine Trennung vom unter den Spielern ungeliebten Roberto Triulzi wäre mehr als angebracht gewesen. Denn seine Entscheidung, den Vertrag mit Sebastien Bordelau zu verlängern und mit anderen, guten, schweizer Spielern noch zuzuwarten, stiess mehr auf Kritik denn anderswo. Zudem konnte Roberto Triulzi in den Krisen nicht zwischen den Spielern vermitteln und nicht eingreifen. Er war zu weit weg von den Spielern und hatte eine schlechte Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit. Neben dem Eis wurde aber wiedereinmal sehr gut gearbeitet und Marc Lüthi gebührt für seine Arbeit ein grosses Lob.
Trainer
()
Grillieren statt trainieren schien das Motte zu Beginn des Sommertrainings zu sein. Dennoch starteten die Berner unter dem neuen Trainer Alan Haworth gut in die Saison und gewann die ersten beiden Spiele und konnte so einen erfolgreichen Start verbuchen. Doch nach und nach begannen die Probleme zuzunehmen und gipfelten schliesslich in der Freistellung des Trainer am 6. November direkt nach dem verlorenen Spiel gegen Geneve - Servette. Sechs Tage später stand der neue Trainer Alpo Suhonen an der Bande und machte den Bernern nun auch im Training Beine und setzte die Spieler unter Druck. Nach und nach kamen die Berner besser in den Tritt und Alpo Suhonen überstand auch eine längere Durststrecke ohne Probleme und konnte sich danach auch in der Tabelle nach oben orientieren. Dennoch mussten die Berner bis zum Schluss um eine Play-off Qualifikation zittern. In den Play - offs konnten die Berner dann auftrumpfen und spielten sich in die Halbfinale vor, in welchem Sie dann am späteren Meister HC Davos scheiterten.
Ausländer
()
Daniel Brière kam als NHL - Loockout Spieler nach Bern und bracht in den ersten drei Spielen nicht so viel, wie man das eigentlich erwartet hätte. Bei seiner zweiten Rückkehr brachte er noch Dan Heatley mit noch Bern. Mit ihm an der Seite blühte er auf und wurde schnell zum Top Scorer der Berner. Neben seinen feinen Händen und seinem Stellungsspiel, dem guten Auge und seiner Spielübersicht war er einer der wichtigsten Einzelspieler in der Mannschaft. Dennoch konnte nicht immer er die Mannschaft aus der Misere führen. Kann es sein, dass er im nächsten Jahr wieder in Bern spielt und seine Bilanz aufbessert? Immerhin hat er ja in 47 Spielen 18 Tore und 53 Punkte geholt. Mit nur 28 Strafminuten war er einer der fairsten Spieler bei den Bernern.

Sebastien Bordeleau blieb dieses Jahr hinter den Erwartungen zurück und erwachte zu spät aus seinem Winterschlaf. Erst nach dem im Februar bei den Berner alles oder nichts gespielt wurde, wurde der läuferisch und spielstarke Kanadier wieder wach und wurde Spiel für Spiel besser. Dennoch waren wir mehr als überrascht, als der Vertrag mit Sabastien Bordeleau schon frühzeitig verlängert wurde, blieb er doch, im Gegensatz zur letzen Saison, in 52 Spielen mit "nur" 14 Toren und 39 Punkten hinter den Erwartungen zurück. Zudem war er mehr auf der Strafbank (91 Minuten) als auch schon. War er ein zu sensibler Spieler, der die Irren und Wirren beim SC Bern nicht verkraftet hat? Die nächste Saison wird es zeigen.

Yves Sarault war der Heisssporn im Dress des SC Bern. Mit 122 Strafminuten immer noch zu viele Strafen, aber weniger als letztes Jahr (151 Minuten). Wir schrieben letztes Jahr über Sarault in der Rückschau folgendes:" Aber auch der meist unterschätzte Spieler, auch von den Schiedsrichtern. Durch seine harte aber (meist) faire Spielweise konnten viele Schiedsrichter nicht unterscheiden, ob die Checks fair oder unkorrekt waren und viele Schiedsrichter waren von seiner Spielweise, obwohl er bereits eine Saison in der Schweiz war, überfordert." Wir bleiben bei dieser Feststellung und schieben noch etwas nach: " Schiedsrichter sollten nach dem Regelbuch pfeifen und nicht strafen erfinden!" Denn viele Strafen waren keine und der Gegner, der ja wusste, dass Sarault hart spielt, lies sich gerne und oft fallen, wenn er den Atem des "Berner Bösewichts" spürte. Dennoch war er nicht immer unschuldig an seinen Strafen. Alpo Suhonen unterschätze Yves Saraults Einfluss auf das Spiel sehr und verlor die Meisterschaft unter Umständen auch wegen dem Nichteinsetzen des Berner Kultstürmers. Yves Sarault wird wohl den SC Bern in Richtung der SCL Tigers verlassen.

Rich Brennan leistete nicht das, was man erwartete. Oder doch? In den Vorbereitungsspielen sahen wir einen Rich Brennan, der mit seinem Schlagschuss von der Blauen Linie jeden gegnerischen Torhüter bezwingen konnte, war so hart wie Martin Steinegger und räumte vor dem Tor auf. Doch nach den Vorbereitungsspielen sahen wir Rich Brennan nicht mehr. Er ging unter und wurde verunsichert durch die Trainerdiskussion. Doch auch der Wechsel zu Alpo Suhonen brachte nicht das gewünschte Erfolgserlebnis. Brennan litt zudem unter der Präsenz von Dany Heatley und Dan Briere. Der Wechsel in die DEL zu den Augsburg Panthers kam für ihn zu spät. Dennoch zeigte er dann bei den Pantern in Augsburg wieder seine Klasse. Ein, unter normalen Umständen, ausgezeichneter Spieler konnte bei den Bernern nicht brillieren, weil auch er zu sensibel war.

Dany Heatley ist der lebende Beweis, dass man auch durch wenig Bewegung auf dem Eis immer am richtigen Ort stehen kann und so Tore erzielt, welche ein schweizer Spieler hart erarbeiten müsste. Doch was wir nicht verstehen können, war sein Abgang bei den Bernern. Dies können wir mit einem Erklärungsversuch vielleicht auflösen. Dan Heatley ist ein sehr sensibler junger Spieler, der seinen Platz im Team finden muss. Durch die Vorgeschichte, die ihn die ganze Saison begleitete, aufmerksame Leser unsere Seite wissen wieso, konnte er nie zu seiner eigentlichen Form finden und schottete sich auch im Team ab. Dies versuchte sein Freund und Förderer, Dan Brière zu verhindern, konnte es aber nicht. So wandte sich den Dany Heatley nach Russland um dort seinen Platz zu finden. Doch auch mit den AK Bears Kazan fand er nicht zu seiner Form. Eine der tragischsten Hockeyfiguren des letzen Jahrzehntes(in Bern erlitt er zusätzlich noch eine Augenverletzung, welche Ihn ausser Gefecht setzte), welcher eine sehr harte Bürde auf seinen Schultern trägt, welche er sein Leben lang mittragen wird. Die Frage sei erlaubt: Wird er daran zerbrechen? Wir hoffen nicht!

Jean - Pierre Dumont war eigentlich als Ersatz im Notfall gedacht, musste aber den Abgang von Dany Heatley vergessen machen. Dies gelang ihm zu erst nicht, danach fand er aber den Weg in das Team und verschaffte sich bei seinen Mitspielern und seinen Gegnern Respekt. Er war aber manchmal zu verspielt und zog den Pass einem satten Abschluss vor, den er eigentlich hatte. Er spielte in 13 Spielen und war für 6 Punkte und 3 Assist zuständig.

Henrik Tallinder spielte einen sehr soliden Part in den Play - Offs der Berner. Er war ein Bollwerk in der Verteidigung und konnte dort kaum abgehängt werden. Er räumte vor dem Tor auf und konnte immer wieder die schnellen und öffnenden Pässe spielen, welche die Stürmer des SC Bern als Vorlage nutzen konnten. Er war ein Teamspieler, der nicht aus der Ruhe zu bringen war.

Weitere Ausländer ohne Bewertung:
   · Marc Savard
   · Patrik Juhlin
   · Chris Clark
U20 - Spieler
In einer normalen Saison würden wir vor der Nachwuchsarbeit des SC Bern den Hut ziehen und uns verneigen. Dennoch machen wir es nicht. Mit den besten Nachwuchsleuten seit Jahren hat es der Sportchef des SC Bern, Roberto Triulzi, geschafft, eine gute 4. Linie zu zerstören und in die Arme von anderen Klubs zu treiben. Caryl Neuenschwander und Cedric Botter wandern zum HC Fribourg - Gottéron ab und wurden durch teure, aber erfahrene Spieler ersetzt. Liebes Management, wenn ihr so weitermacht, könnt ihr die Meistermannschaft zusammenkaufen und die Juniorenabteilung schliessen. Wie soll die Jungend in und um Bern dieses Signal verstehen?
Dennoch können wir dem SC Bern auch noch ein Kränzlein winden Mit dem Junioren Internationalen Phillippe Furrer wächst ein möglicher Nachfolger des jetzigen Capitains Martin Steinegger nach. An den Junioren Weltmeisterschaften konnte uns Furrer so überzeugen, dass wir ihn gerne als Back in der zweiten Formation im Powerplay sehen würden. Immer wieder kreierte er aus dem Nichts Chancen. So auch in Lugano, als er den HC Lugano mit einem Gewaltschuss von der Blauen Linie in die Ferien sandte. Ein Versprechen für die Zukunft, zu welchem mehr Sorge getragen werden muss. Wann wird Phillippe Furrer zum ersten Mal in der A-Nationalmannschaft auflaufen? Trotzdem zeigen wir dem Management des SC Bern die Gelbe Karte und hoffen auf eine bessere Jungendförderung mit der ersten Mannschaft.
Zusammenfassung Eine verkorkste Saison geht zu Ende, bei welcher schon in der Planung einige Fehler gemacht wurden. Dies wurde immer offensichtlicher und die Führung schien mit dem Trainer lange Geduld zu haben. Doch auch die Berner verlieren diese mit der Zeit und so wurde Alan Haworth durch Alpo Suhonen ersetzt. Dieser musste die Mannschaft wieder nach vorne bringen und erst im letzen Spiel konnten sich die Berner mit einem 10 zu 1 den Frust von der Seele spielen und kamen so noch in die Play - offs. Dort kippten sie den HC Lugano aus dem Rennen und scheiterten dann, wegen dem zu vorsichtigen Coaching, am HC Davos. Wir zeigen den Bernern die Rote Karte für das (Sport)Management von Roberto Triulzi. Die Gelbe Karte teilt sich der Verwaltungsrat und Marc Lüthi wegen der ungenügenden Kommunikation in den Fällen von Patrik Juhlin und dem Versprechen, "keine NHL Feriengäste aufzunehmen". Den Fans des SC Bern verteilen wir einen der grössten Blumensträusse in der Geschichte des schweizer Eishockeys! Trotz dem Ausscheiden im Halbfinale gegen den HC Davos feierten die Fans die Mannschaft, als hätte sie den Meistertitel gewonnen! Chapeau! Dennoch beunruhigt uns bei den Fans etwas: Kann das nicht die ganze Saison so gemacht werden? Dies wäre doch ein Anfang, damit auch nächstes Jahr die Hockeyfestspiele wieder in Bern stattfinden können.

    [zum Background-Portal]