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Scouting Report David Legwand

Von Thomas Roost

David Legwand, Center, 6.02 (188 cm) / 190 Pfund (87 kg) / schiesst links 24-jährig / Nashville Predators / EHC Basel

Im Draft 1998 wurde David Legwand als "2nd overall" hinter Vincent Lecavalier gedraftet. In Scoutingkreisen sprach man vom 2-Player-Draft, weil sich aus Sicht der Scouts Lecavalier und Legwand vom Rest abgehoben haben. Lecavalier war zu Beginn des Draftjahres der klare Favorit für die Nummer 1. Aber je älter die Saison wurde, desto kleiner wurde sein Vorsprung auf David Legwand. Ich kenne auch einige Scouts, bei denen Legwand am Drafttag als Nummer 1 aufgeführt war. Wie auch immer: Vincent Lecavalier hat die (über)grossen Vorschusslorbeeren noch nie komplett erfüllen können, auch wenn ihm beim Gewinn des Stanley Cups ein wirklich gutes Play-Off gelang. Und David Legwand? Auch er konnte die sehr hohen Erwartungen (Franchise-Player = Spieler, um die man ein Team herum aufbaut) nicht erfüllen. Mit seinen durchschnittlich 0.5 Scorerpunkten pro Spiel liegt er einiges hinter seinem offensichtlichen Potenzial zurück. Wenn man Legwand spielen sieht, dann bekommt man oft das Gefühl, dass sein endgültiger Durchbruch zum NHL-Starspieler unmittelbar bevorsteht… und dann klappt es doch wieder nicht. Vergessen wir aber nicht: David Legwand ist erst 24 Jahre alt und noch nicht auf seinem höchsten Level angekommen. Was sind denn seine Qualitäten?

David Legwand ist ein Weltklasseskater und zudem hat er gute Hände sowie eine ziemlich gute Spielübersicht. Gefürchtet sind seine Rushes, mit denen er dank seiner Geschwindigkeit und seiner Scheibenkontrolle immer wieder Gefahr kreieren kann. Er schiesst hart, genau und dies aus vollem Lauf, zudem wählt er die Option "Schuss" auch ziemlich oft. Seine Spielmacherfähigkeiten waren in sehr jungen Jahren echt gut entwickelt. Mit dem Wechsel in die Profiliga hat er diese Fähigkeit etwas verloren und erst in jüngster Zeit wieder mehr Vertrauen in sein Playmaking entwickelt. Man sieht, dass er sich mit zunehmender Erfahrung wohler fühlt, wenn er die Scheibe führt. Seine Arbeitseinstellung ist unauffällig gut, auch wenn er in seinen ersten beiden NHL-Jahren diesbezüglich Kritik einstecken musste. Kimmo Timonen hat ihm damals klargemacht, dass Nashville von ihm als zukünftigem "Franchise-Player" mehr erwartet. Noch heute habe ich das Gefühl, dass Legwands Körper noch nicht ganz ausgereift ist und er noch zusätzliches Potenzial betreffend Muskelkraft besitzt (speziell im Oberkörper-Bereich). Sein Spiel ist zwar jüngst etwas physischer geworden, aber noch immer nicht dort, wo es sein sollte. Das Gleiche gilt es betreffend Defensivverhalten zu berichten. Stilistisch wurde Legwand seit jeher mit Mike Modano verglichen. Es ist phantastisch, ihm zuzuschauen. Ein attraktiver Spieler mit unglaublich viel Speed und Dynamik, gepaart mit echt guter Scheibenkontrolle und dies auch im engen Verkehr. Sein psychologisches Profil ist auch positiv: Gutes Selbstvertrauen gepaart mit sympathischer Bescheidenheit. Er konnte auch in den Juniorenplayoffs jeweils sein Niveau aus der Regular-Season halten oder sogar noch leicht steigern. Trotzdem fehlt ihm vielleicht noch etwas die Aggressivität, die Lust an der Herausforderung im physischen Bereich, die Streitlust, das Temperament, dazu ist er etwas zu ruhig. Dieses psychologische Profil stammt allerdings aus seiner Juniorenzeit - ich habe inzwischen aber nichts Gegenteiliges gehört. Er kann ein Leadertyp werden, ist es aber noch nicht. Er muss noch lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen, vielleicht auch noch etwas ehrgeiziger werden und seine Bullystatistiken verbessern. Als Center sind 45 Prozent Bullygewinne zu wenig, speziell im Wissen um die Wichtigkeit der Scheibengewinne im heutigen Eishockey.

Jedes Mal, wenn ich David Legwand spielen sehe, werde ich das Gefühl nicht los, dass er deutlich mehr Punkte auf dem Scoresheet aufweisen müsste als er es bisher gezeigt hat. Auf die Frage des "Wieso?" habe ich bis heute noch keine endgültige Antwort. Ein echter "Franchiseplayer" wird er wohl nie werden, aber vielleicht reicht es noch zum Star. Dazu müsste er aber seine Punktebilanzen verdoppeln und ich traue ihm dies noch immer zu, auch wenn ich dies nicht mehr mit letzter Überzeugung prophezeie.

David Legwand in der Schweiz bei Basel? Ein phantastischer Transfer. Bester Anschauungsunterricht und viele von uns glauben ja noch immer, dass wir im internationalen Vergleich gute Skater sind. Beobachtet mal David Legwands und Dave Tanabes Skating und urteilt dann wieder. Legwand wird mit etwas Phantasie auch mit Zauberstab übersetzt. Ich glaube die Chance ist real, dass er unsere Eishockeyseelen mit seinen eleganten, dynamischen Rushes hin und wieder verzaubern wird. Ich freue mich sehr auf diesen Eishockeyästheten und hoffe, dass er in akzeptabler Verfassung in Basel aufläuft und auch zeigen will was er kann!



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Der Schweizer NHL-Scout Thomas Roost, Autor dieses Artikels, befasst sich in dieser Broschüre mit dem Thema Schweizer und die NHL. Er sucht nach Gründen, wieso bis auf David Aebischer und Martin Gerber sich noch kein Schweizer Spieler in der NHL durchsetzen konnte und wie das Schweizer Eishockey auf der anderen Seite des Teichs angesehen wird. Darüber hinaus findet der Leser Hintergründe zum Scouting und der NHL sowie wertvolle Tipps für Eishockeytalente und alle, die sich mit dem Thema der Broschüre befassen wollen.

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