Deutschland-Cup - Vorschau

Die Schweiz vor einer wegweisenden Saison

Von Urs Berger



In dieser Saison muss sich die Schweizer Nationalmannschaft beweisen. Können die Schweizer mit dem Coach Ralph Krueger an die Leistungen der letzten zwei Jahre anknüpfen oder werden sie, wie 2002, die Qualifikation zu den Olympischen Spielen schaffen um danach an den Weltmeisterschaften abzustürzen? Der Deutschland-Cup soll in diesen Fragen Aufschluss geben. Brechen nun die guten oder die schlechten Zeiten an?

Am Deutschland-Cup konnten die Schweizer in den letzten Jahren durchzogene Bilanzen aufweisen. Dennoch können die Eisgenossen dieses Jahr zum ersten Mal seit langem auf ein fast vollständiges Kader zurückgreifen. Dies vor allem auf dem sehr wichtigen Torhüterposten, wobei die Besetzung der Nummer zwei im Tor durch David Aebischer bei den Fans auf Unverständnis stiess. Dies ist sicher auf die nicht genügende Spielpraxis in seinem Team, dem HC Lugano, zurückzuführen. Viele Fans sehen darin auch einen Affront gegen die beiden bestandenen Torhüter im Schweizer Nationalteam, Ronnie Rüeger und Marco Bührer. Beide hätten sicher eine Nomination verdient gehabt, dennoch ist der Entscheid von Nationalcoach Ralph Krueger nachvollziehbar. Zum ersten Mal kann er von Anfang an auf seine Spitzentorhüter aus der NHL zählen, zum ersten Mal hat er das Luxusproblem, das er vier ausgezeichnete Torhüter hat und diese an zwei Turnieren testen kann. Wahrlich eine besondere Situation und nicht zu unterschätzen, machen sich so doch immerhin die vier besten Schweizer Torhüter den Platz um die Nummer eins streitig. Diese Konkurrenz spornt jeden der beteiligten Torhüter zu noch mehr Arbeit an und sollte dem einen oder anderen ein Fehler geschehen, so kann Krueger schnell handeln und im nächsten Turnier auf einen anderen setzen.

In der Verteidigung ist das Potenzial mit wendigen, schnellen und schussstarken Spielern ausgeschöpft worden. Auch in der Abteilung Kreativität fährt man mit Mark Streit eine gut Linie, welcher ein Spiel schnell machen kann und hin und wieder auch mit einem gezielten und harten Schuss ab der blauen Linie die gegnerischen Torhüter zu verunsichern mag. Doch auch die Kraft, die "Bösartigkeit" in der Verteidigung, ist vorhanden. Mit Martin Steinegger und Goran Bezina sind in der Defensive zwei "Türme" vorhanden, welche auch gerne einmal zulangen und den gegnerischen Spielern den Aufenthalt vor dem Tor der Schweizer nicht zu einem Sonntagsausflug werden lassen. Interessant in diesem Zusammenhang wird es sein, zu sehen, wie sich der einzige Neuling im Schweizer Nationalteam durchsetzen kann. Cyrill Geyer, der sich mit starken Leistungen in das Notizbuch und in die Aufstellung von Ralph Krueger gespielt hat, wird auf internationalem Niveau seine Nominierung mehr als nur zu bestätigen versuchen. Der sowohl offensiv wie auch defensiv verlässliche Geyer wird sich sicher in den Spielen für ein weiteres Aufgebot in der Nationalmannschaft empfehlen wollen.

Im Sturm hat sich in der Nationalmannschaft nicht viel verändert. Dennoch bleibt die Frage nach dem internationalem Niveau offen. Natürlich besitzt Ralph Krueger mit den "Haudegen" Marc Reichert, Thierry Paterlini und Thomas Ziegler Einschüchterungs-Potenzial im Angriff. Dennoch fehlt ein richtiger "Play-Maker" im Sturm. Ob diese Rolle Ivo Rüthemann, der diese Saison bisher eine sehr diskrete Leistung bei den Stadtbernern zeigte, Martin Plüss, der in der schwedischen Liga mit Frölunda zu überzeugen mochte, oder aber mit Patrick Fischer, der mit dem EV Zug nun wieder langsam an seine Leistungen in der Saison 2002/03 anknüpfen kann, zuteil werden wird, kann man erst in den Tagen des Deutschland-Cups sehen. Bei diversen Spielern sind Fragezeichen erlaubt, so etwas bei Patric Della Rossa, der in den letzen Spielen mit der Nationalmannschaft nicht zu überzeugen vermochte, aber bei seinem Klub, dem EV Zug, eine aufsteigende Form bewies. Das Gleiche kann man von den Spielern Valentin Wirz und Flavien Conne sagen. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Spieler, welche dem Aufgebot von Ralph Krueger gefolgt sind, mehr als nur gewillt sind, sich auch international zu Empfehlen.

Wagen wir nun eine kleine Vorschau auf den diesjährigen Deutschland-Cup. Die Schweizer sollten dieses Turnier nicht auf die leichte Schulter nehmen. Im neu mit fünf Mannschaften ausgetragenen Turnier, können sich die Schweizer aber den "Luxus" leisten, nicht in den vorderen Rängen platziert zu sein. Für die Schweizer geht es in erster Linie darum, sich für das zweite Turnier, den Loto-Cup in Piestany, vorzubereiten und die Linien zu testen. Natürlich wird von den Schweizern ein Sieg gegen den ewigen Erzrivalen Deutschland erwartet. Dennoch sollte man ein schlechtes Abschneiden der Schweizer am diesjährigen Deutschland-Cup nicht zu tragisch nehmen. Denn dieser ist nur einer der Eckpfeiler im Mammut-Programm der Nationalmannschaft, welche ja nur die Qualifikation für die Olympischen Spiele in der ersten Phase der Saison als Ziel hat, anzusehen. Denn dieses Turnier dient, anders als in den Vorjahren, zur Formfindung des Teams und zum Einspielen der Automatismen. Eine bessere Klassierung als ein vierter Platz für die Schweiz wäre in diesem hochkarätig besetzen Turnier eine Überraschung.


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