BACKGROUND


Bester Ausbildungsclub der Schweiz: Kloten gewinnt Untersuchung

Welcher Club arbeitet am erfolgreichsten mit seinem Nachwuchs? Wer ist nun der beste "Ausbildungsclub" im Lande? Kloten? Die Organisation der ZSC Lions? Zug, die SCL Tigers oder Davos? Alle haben sie etwas gemeinsam: Sie rühmen sich gerne mal für ihre Nachwuchsbewegung. Wir wollten in einer wissenschaftlichen Untersuchung wissen, wer sich denn nun wirklich den Titel als bester Ausbildungsclub der Liga verdient hat.

Von Martin Merk

Die Juniorenteams

Als Kriterien dienten dabei einerseits das Abschneiden der Nachwuchsmannschaften im Wettkampf mit der Konkurrenz, dieses dient vor allem als Indikator für die Breite an guten Nachwuchsspielern. Dabei wurden von Organisationen (ZSC/GCK Lions, Thurgau/Kreuzlingen-Konstanz) jeweils die beste mehrerer Mannschaften gewertet und bei Nachwuchsverbindungen jeweils dem prominentesten Club zugerechnet. Als Sieger über die vier höchsten Altersklassen und dem Alter von 12 bis 19 Jahren gesehen stachen dabei die Kloten Flyers knapp vor dem EV Zug heraus. Die Klotner waren die drittbeste Mannschaft bei den Elite-Junioren, Meister bei den Novizen und Moskitos (Region Ost) sowie Zweiter bei den Minis (Region Ost). Die Zuger gewannen zwar bei den Elite-Junioren und waren Regionalmeister (Region Zentral) bei den Minis und Moskitos, doch verhinderte der siebte Rang bei den Novizen die Spitzenklassierung. Zu Spitzenwerte kamen ebenfalls der SC Bern und die ZSC/GCK Lions. Die Zürcher waren im Übrigen jeweils mit den meisten Mannschaften in den beiden höchsten Ligen der Altersklassen vertreten, doch reichte es für die jeweils stärkste Mannschaft nicht zu einer besseren Klassierung. Diesen vier Clubs kann bezüglich Nachwuchsspieler auch mit den folgenden Indikatoren eine ausgezeichnete Zukunftsperspektive attestiert werden.

Ein Abwärtstrend ist dagegen beim HC Davos und den SCL Tigers zu sehen, welche nur in den beiden ältesten Alterskategorien (Junioren, Novizen) mit starken Nachwuchsmannschaften dastehen, diese Clubs werden darum bestrebt sein müssen, im Alter eines Beginns einer Lehre oder Mittelschule Spieler von den benachbarten Clubs zu locken, wie dies auch bisher gemacht wurde. Der HC Davos ist in der Ostgruppe bei den Minis etwa hinter der zweiten Mannschaft der ZSC-Organisation, Thurgau, Uzwil und Rapperswil klassiert, bei den Moskitos sogar hinter dem Kantonsrivalen Chur. Die Langnauer sind in der Zentralgruppe bei den Minis unter anderem hinter Ambri und Olten, bei den Moskitos hinter Lugano und Olten klassiert, welche man bei den älteren Junioren noch problemlos hinter sich lassen konnte. Umgekehrt lässt sich ein Aufwärtstrend am ehesten beim EHC Olten feststellen, der mit seinen ältesten Junioren in die Drittklassigkeit abgestiegen ist, bei den jüngeren aber eine gute Figur hinterlässt und "NLA-Werte" erzielt, während sich in der Romandie Fribourg, Lausanne, La Chaux-de-Fonds und Servette in den Spitzenklassierungen abwechseln. La Chaux-de-Fonds scheint dabei als zweiter Nachwuchsförderer der Region neben Fribourg seinem Ruf als traditionsreichster Club der Romandie gerecht zu werden, kein Wunder, sind sie in der NLA mit Spielern wie Loïc Burkhalter, Régis Fuchs, Caryl Neuenschwander, Kevin Romy, Thomas Déruns, Patrick Oppliger oder Julien Turler gut vertreten. Von den NLA-Clubs bildet Rapperswil das Schlusslicht, ohne aber von den benachbarten Teams abzufallen. Von den NLB-Clubs sind neben den erwähnten La Chaux-de-Fonds und Olten auch Sierre, Ajoie, Thurgau und Biel gut klassiert, während Visp, Basel und vor allem der Aufsteiger Morges nach hinten abfallen. Während die Nachwuchsteams von Morges in sämtlichen Alterskategorien im tieferen Amateurbereich spielen, scheinen in Basel 15 Jahren im Amateur-Eishockey immer noch ihre Spuren im Nachwuchs zu hinterlassen. Nach den Lichtschimmern bei den Elite-Junioren (Rückkehr in die zweithöchste Spielklasse) und Novizen (Zweiter in der Zentralgruppe der zweithöchsten Spielklasse) scheinen wieder schwächere Jahrgänge zu folgen. Bei den Amateurclubs stechen die Nachwuchsmannschaften von Uzwil und St. Moritz heraus, welche sich vor jenen der NLB-Teams keineswegs zu verstecken brauchen. Eine NLB-Rückkehr ist vor allem aus finanziellen Gründen zwar noch lange kein Thema, doch die neuen Clubwechselreglemente mit Ausbildungsentschädigungen statt Ablösesummen ab 2006/07, dürfte solche Clubs deutlich besser stellen.

Die Junioreninternationalen und NHL-Drafts

Ein anderer Indikator, jedoch in ihrer individuellen Natur an die Spieler selbst gebunden, sind die Clubzugehörigkeiten in den Juniorennationalteams U20, U18, U17 und U16. Auch diese haben wir untersucht und die Spieler jeweils ihrem Club der vergangenen Jahren (bei mehreren Clubs: den längstzeitigen Club, also etwa Peter Guggisberg zu den SCL Tigers, Philippe Seydoux zu Bern oder Michael Tobler zu Rapperswil) zugeordnet, Spieler auf Pikett wurden halb gezählt in die Wertung aufgenommen. Hierbei stechen die Kloten Flyers noch klarer als Sieger heraus, die Spitzengruppe wird durch die ZSC Lions, Bern, Davos und Zug komplettiert. Am wenigsten Spieler stellten dabei von den NLA-Clubs die beiden Tessiner Ambrì und Lugano. Mit zwei Spielern oder mehr rückten ausserdem die unterklassigen Clubs St. Moritz, Dübendorf, Sierre, La Chaux-de-Fonds und Biel in die Wertung.

Bezüglich Unterteilung nach Regionen der Spieler lässt sich feststellen, dass die Region um Zürich (inklusive Rapperswil) die meisten "Stars von morgen" stellt, gefolgt vom Grossraum Bern, der Romandie und Graubünden.

Eine andere Wertung, welche noch stärker auf den Gehalt an Spitzen-Nachwuchsspielern wert legt, sind die Wertungen der NHL-Scouts. Nur die besten Junioreninternationalen schaffen es in die Kandidatenliste oder werden gar gedraftet. Zählt man die Anzahl an gedrafteten NHL-Spielern der letzten drei Jahre sowie die damaligen oder aktuellen Draft-Kandidaten (halb gewertet) aus Sicht der NHL-Scouts zusammen, wird auch diese Wertung von Kloten gewonnen vor Bern, den ZSC Lions, den SCL Tigers und Davos.

Die Gesamtwertung

Macht man eine Gesamtwertung, welche zu 50 Prozent die Nachwuchsteams der Clubs sowie zu 50 Prozent die Wertungen deren Spitzenspieler (25 Prozent Juniorennationalteams, 25 Prozent Draftwertung) einbezieht, so kann der Gesamtsieger nur Kloten lauten, das alle drei Einzelwertungen gewonnen hat. Die Werte nach Rangpunkten ergeben, dass man als Spitzennachwuchsförderer sieben Clubs erwähnen kann: Kloten, Bern, die ZSC Lions, Zug, die SCL Tigers, Fribourg und Davos in genannter Reihenfolge. La Chaux-de-Fonds in der NLB und St. Moritz in der Amateurliga sind die Top-Nachwuchsförderer dieser unterklassigen Bereiche. Wir gratulieren sämtliche Clubs, welche sich mit dieser erstmalig durchgeführten Wertung in ihrer Arbeit bestätigt sehen können und freuen uns, dass die Nationalliga und Amateurliga mit der Neuerung der Ausbildungsentschädigungen (statt Ablösesummen durch Spielerlizenzen als spekulatives Wertpapier) bestrebt sind, die kostspieligen Nachwuchsförderungen der Clubs künftig besser zu unterstützen. Diese voraussichtlich auf 2006/07 eingeführte und noch im Detail zu konzipierende Neuerung wird dafür sorgen, dass der aktuelle Club eines Spielers künftig an jeden früher an der Ausbildung des Spielers beteiligten Club je nach Dauer eine Ausbildungsentschädigung zu zahlen hat und umgekehrt für ehemalige im Club ausgebildete Spieler auch eine solche erhält. Bislang mussten bei Clubwechsel Ablösesummen bezahlt werden, welche vor allem bei einem Alter von 18 bis 23 Jahren zu Spekulationsgewinnen führten, ohne dass die Clubs an der Ausbildung massgeblich beteiligt gewesen sein müssen.

Die Ranglisten

Die Stärke der Nachwuchsteams nach Rangpunkten unterteilt nach Ligen der ersten Mannschaft
 NLA-ClubsNLB-ClubsAmateurclubs
1.Kloten2.750La Chaux-de-Fonds9.750Uzwil18.750
2.Zug3.000Olten13.750St.Moritz24.875
3.Bern3.750Sierre15.000Bülach31.375
4.ZSC Lions4.500Ajoie16.125Winterthur33.000
5.Fribourg8.125Thurgau16.250St-Imier34.625
6.SCL Tigers9.250Biel16.875Burgdorf35.375
7.Lausanne9.375Chur20.375Thun35.625
8.Servette9.750Langenthal21.625Monthey40.250
9.Davos10.375Visp26.750Sensee40.500
10.Lugano11.000Basel29.725Napf40.625
11.Ambri12.250Morges58.000Dübendorf40.875
12.Rapperswil14.625  Dielsdorf41.750
13.    Star Lausanne42.000
14.    Wiki42.875
15.    YS Neuenburg43.250
Junioren-Nationalspieler nach Spielerpunkten
 nach Clubsnach Regionen 
1.Kloten23.0Region Zürich45  
2.ZSC Lions16.5Bern/Mittelland26  
3.Bern13.5Romandie20  
4.Davos12.5Graubünden17  
5.Zug12.0Innerschweiz11  
6.SCL Tigers9.5Tessin4  
7.Servette8.0Wallis4  
8.Fribourg6.5Nordwestschweiz/Aargau2  
9.St. Moritz6.0Ostschweiz1  
10.Rapperswil5.5    
11.Lausanne5.0    
12.Dübendorf4.5    
13.Ambri4.0    
14.Sierre3.5    
15.La Chaux-de-Fonds3.0    
Drafts/Draftkandidaten nach Spielerpunkten
1.Kloten8.0  
2.Bern5.5  
3.ZSC Lions4.0  
4.Davos3.0  
4.SCL Tigers3.0  
6.La Chaux-de-Fonds2.5  
7.Fribourg2.0  
8.Rapperswil1.5  
8.Zug1.5  
10.Ajoie1.0  
10.Ambri1.0  
10.Biel1.0  
10.Herisau1.0  
10.Martigny1.0  
15.Lausanne0.5  
15.Servette0.5  
15.Sierre0.5  
Gesamtwertung Top-50 nach Rangpunkten
1.Kloten2.0    
2.Bern5.5    
3.ZSC Lions6.5    
4.Zug8.5    
5.SCL Tigers11.0    
6.Fribourg12.5    
7.Davos14.0    
8.La Chaux-de-Fonds18.5    
9.Lausanne20.0    
10.Servette20.0    
11.Rapperswil23.0    
12.Ambri23.5    
13.Sierre29.5    
14.Ajoie30.5    
15.Biel31.0    
16.Lugano40.0    
17.Olten42.5    
18.St. Moritz46.5    
19.Visp51.0    
20.Burgdorf57.5    
21.Dübendorf59.0    
22.Thurgau59.5    
23.Uzwil61.5    
24.Chur62.5    
25.Thun63.0    
26.Herisau63.5    
27.Langenthal63.5    
28.Basel66.5    
29.Bülach67.5    
30.Winterthur68.5    
31.St-Imier69.5    
32.Franches-Montagnes70.5    
33.Martigny70.5    
34.Monthey72.5    
35.Sensee73.5    
36.Napf74.5    
37.Dielsdorf-Niederhasli76.5    
38.Star Lausanne77.5    
39.Wiki-Münsingen78.5    
40.YS Neuenburg79.5    
41.Meyrin80.5    
42.Unterseen-Interlaken81.5    
43.Wisle-Worb82.5    
44.Nord-Vaudoise84.5    
45.Zuchwil86.5    
46.Lyss87.5    
47.Wettingen-Baden88.5    
48.Prättigau-Herrschaft89.5    
49.Bulle90.5    
50.Aarau92.5    


Background-Archiv