BACKGROUND - Saisonrückblick


HC Lugano - Titelverteidigung missglückt, Sympathien gewonnen

Larry Hurras machte nach dem fünften und entscheidenden Spiel im Finale gegen den SC Bern kein glückliches Gesicht, als Marc Weber den SC Bern in der Verlängerung zum 11. Meistertitel der Stadtberner schoss. Doch bis zu dieser Szene zeigten die Luganesen manchmal Eishockey von einem anderen Stern. In 48 Qualifikationsspielen gewannen die Tessiner 35 Begegnungen, verloren nur deren 9 und teilten sich die Punkte bei 4 Partien. Die Tessiner und ihr Trainer Larry Hurras schalteten Fribourg-Gottéron in einem "Sweep" (4:0 Siege) aus, schrammten gegen die ZSC Lions knapp an einem Aus im Halbfinale vorbei (4:3) und verloren den Final gegen den SC Bern erst im fünften und entscheidenden Spiel. Doch weder der SC Bern noch der HC Lugano hätten es eigentlich verdient gehabt, in dieser an Spannung, Emotionen und Tempo hart umstrittenen, aber stets fairen Finalissima als alleiniger Sieger vom Eis zu gehen. Bricht nun ein neues Zeitalter im Schweizer Eishockey an, wie in den guten alten Zeiten Ende der 80er, anfangs der 90er Jahre, als der SC Bern und der HC Lugano nach ihrem belieben die Meisterschaft dominierten und mit den Gegnern machten was sie wollten? Wir werden es sehen.

Von Urs Berger



Management ****

In einem schwierigen Umfeld gelingt es dem Management immer wieder, Gelder zu generieren und die Fans zu mobilisieren. Als der FC Lugano Konkurs ging, befürchtete man im Südtessin das Schlimmste und befürchtete, dass es dem Hockeyclub Lugano gleich ergehen kann. Doch unter der Leitung von Beat Kaufmann und Fabio Gaggini konnten die Tessiner noch mehr aus dem Hockeyclub machen, als man weit herum erwartet hatte. Mit einem geschätzten Aufwand von CHF 9,3 Millionen konnten die Tessiner das Budget in etwa halten und auch die hochkarätigen Spieler wie Mike Maneluk, Petteri Nummelin oder Flavien Conne leisten. Dass dabei ein Mäzenat nötig ist, daraus macht man mittlerweile keinen Hehl. Doch nicht nur die Finanzen konnten unter Kontrolle gehalten werden, sondern auch die Fans konnten bei Stange gehalten werden. Sie kamen zwar nicht so zahlreich wie auch schon in die Resega, doch sie wurden von der Mannschaft nicht enttäuscht und so kamen sie gegen Ende der Saison wieder vermehrt in das Stadion zurück.

Trainer ****(*)

Larry Huras ist in der Schweiz wohl einer der Besten und härtesten Trainer, den man sich als Spieler wünschen kann. Er bringt jeden Spieler einen Schritt weiter und holt aus jedem das Maximum heraus und noch mehr. Larry Hurras ist einer der wenigen Trainer in der Schweiz, die in jedem Klub eingesetzt werden können. Er macht jeden Verein mit seiner Anwesenheit stark. Er kann auch Klubs aus der Krise und diese zum Titel führen (ZSC Lions). Er kennt jeden Spieler genau, weiss auf welchen Positionen er ihn am besten einsetzt. Ein Trainer, der seinen Beruf mit Haut und Haar ausübt und dies merkt man auch an seinem Coaching. So auch im diesjährigen Saisonfinale. Er versuchte seine Toplinie immer wieder gegen die dritte oder vierte Linie der Berner einzusetzen und so die Vorteile auf seine Seite zu zwingen. Doch sein Gegenüber, Kent Ruhnke, fiel nicht auf diesen Trick herein und spielte meistens mit umgestellten Linien gegen den ersten Block der Tessiner. Der einzige Punkt, der uns bei Larry Hurras stutzig macht, ist, dass er nicht viel auf die Junioren setzt. In den Playoffs setze er die Junioren nicht ein. Wie kann sich Lugano einen solchen Trainer leisten, der keine Junioren eingliedern kann oder will? Die Zukunft wird es zeigen, wie weit Hurras bereit sein wird, die Jungen einzusetzen.

Ausländer ****(*)

Eric Lecompte setzte im Finale gute Akzente bei den Luganesen. Er spielte jedoch nur in 3 Spielen und konnte so nicht sein ganzes Potenzial ausspielen. Wird zum SC Langenthal zurückkehren. Erzielte ein Tor und zwei Punkte.

Mike Maneluk kann so schön tanzen wie Denise Bielmann, als sie gerade begann Schlittschuh zu laufen. Der explosive und dynamische Mike Maneluk war in dieser Saison nur durch einen Punkt in der internen Scorerwertung Luganos vom ersten Platz entfernt, welche von Ville Peltonen angeführt wurde. Der an beiden Flügeln torgefährliche Maneluk konnte seine diskrete Leistung aus dem letzten Jahr vergessen machen und spielte noch einmal um Welten besser, als er dies schon in seiner ersten Saison, 2001/2002, mit Lugano getan hatte. Der Kanadier, der von Emotionen lebt und ohne solchen in einem Spiel untergeht wie ein Fisch, der kein Wasser zum schwimmen hat, war neben Ville Peltonen, Sandy Jeannin und Adrian Wichser einer der wichtigsten Spieler beim HC Lugano. Mike Maneluk konnte für die Südtessiner in 61 Spielen 40 Tore und 87 Punkte buchen, sass aber auch 155 Strafminuten ab. Es ist nur gut, dass die Tessiner Mike Maneluk noch zwei Jahre unter Vertrag haben. Denn, wer weiss, welcher Schweizer Club diesen Powerflügel unter Vertrag nehmen würde.

Petteri Nummelin war der Kopf der Defensivabteilung der Tessiner und der kreativste Einzelspieler auf Schweizer Eis. Was Nummelin auf das Eis zauberte, landete meistens bei einem Mitspieler oder im Tor des Gegners. Kein Schelm, wer in Nummelin einen Stürmer vermutet und nicht einen Verteidiger, denn Nummelin ist, wenn er auf dem Eis ist, meistens im Sturm anzutreffen und "vergisst" manchmal seine defensiven Aufgaben. Doch dieses Manko übersieht ein Trainer gerne, denn nicht nur als offensiver Verteidiger, sondern auch als "Snipper" von der blauen Linie ist Nummelin für einen schnellen Schuss zu haben. Uns bleibt das letzte Tor der Finalserie, das Lugano in die Verlängerung rettete, im Kopf haften. Nummelin spielte in Überzahl die Scheibe ganz schnell zu seinem Teamkollegen Mike Maneluk, welcher die Scheibe nur noch in das offene Tor von Marco Bührer versorgen musste. Dies erst ermöglichte den Tessinern die Verlängerung. Doch diese half ihnen nichts. Nummelin ist ein Spieler, der mehr erahnt wo seine Mitspieler stehen als diese sieht. Er spielt nach einem unglaublichen Instinkt und kann sich auch in eins zu eins Situationen und unter grösster Bedrängnis durchsetzen. Verständlich das die Tessiner diesen "Magier auf Kufen" bis Ende nächste Saison an sich binden konnten. Nummelin stand bei 64 Spielen auf dem Eis und erzielte 27 Tore und 86 Punkte.

Ville Peltonen war mehr als nur die erhoffte Verstärkung für die Tessiner. Er war wie Cäsar einst ausgezogen um zu Siegen, doch verlor er sein "Reich", sprich die nordamerikanische Profiliga, schnell wieder. Er konnte sich nicht durchsetzen und spielte nur 175 Spiele in der härtesten Liga der Welt. Das war das Glück der Luganesen, denn nun spielte der ehemalige Weltmeister mit Finnland in der Sonnenstube der Schweiz und brachte so manchen Tifosi zum Schwärmen und manchen gegnerischen Fans zum Verzweifeln. In Lugano konnte er während der Qualifikation mehrmals wie Cäsar sagen "Veni, Vidi, Vici" (Er kam, sah, siegte). Doch in der entscheidenden Serie um den Titel musste auch er mit einem non Vici vom Eis. Doch dies schmälert seinen Erfolg um keinen Preis. Der schnelle und elegante Stürmer, der sowohl in der ersten wie auch in der zweiten Linie spielte, war auf Schweizer Eis schlichtweg DIE Attraktion während der regulären Spielzeit. Kein Wunder also, dass die Tessiner auch die nächsten beiden Jahre wieder auf diesen Ausnahmekönner zählen werden. Der Finne spielte für die Tessiner in 64 Spielen und erzielte 32 Tore und 86 Punkte.

U20-Spieler *(*)

Mattia Bianchi konnte sich im ersten richtigen NLA Jahr nicht ganz so in Szene setzen, wie allgemein erwartet wurde. Zusätzlich stagnierte er noch in seiner Entwicklung, was auch Köbi Kölliker auffiel. Somit konnte er nicht, wie erwartet, an die U20-Weltmeisterschaften, was für den Tessiner eine herbe Enttäuschung war. Er spielte bei den Luganesen in 37 Spielen und konnte 1 Tor und 2 Punkte buchen. Wie wär's mit einem Clubwechsel für die nächste oder übernächste Saison?

Roman Botta war 14 mal Ersatz und konnte in 2 Spielen 1 Punkt buchen. Konnte sein Können nicht unter Beweis stellen und wird die nächste Saison vermehrt im Partnerteam Chur zu Eiszeit gelangen. Denn noch einmal eine Saison mit so wenig Eiszeit in der Nationalliga A wäre schade um diesen Spieler. Oder entdeckt Larry Huras das Potenzial von Botta noch?

Meilensteine
11. August 2003Der HC Lugano will verjüngt in die Saison starten und so den Titel verteidigen. Dies heisse jedoch nicht, dass die älteren und erfahrenen Spieler nun den neunen und jüngeren Spielern automatisch Platz machen müssten. Im Gegenteil, müssten sich die neuen und jungen Spieler diesen im täglichen Training oder ansonsten via das Partnerteam, den EHC Chur, erkämpfen.
25. August 2003Der HC Lugano muss für rund 14 Tagen auf den kanadisch-schweizerischen Doppelbürger Ryan Gardner verzichten. Dieser zog sich eine Schulterverletzung zu.
09. September 2003Der HC Lugano startet ganz klar als Meisterfavorit in die Saison 2003/2004. Nach den Wettquoten auf Interwetten.com zu urteilen, wird der HC Lugano den Meisterpokal am Schluss für sich behalten können und diesen gegen den HC Davos verteidigen.
10. September 2003Eine weite Reise für den Continental-Cup muss der HC Lugano unter seine Füsse nehmen. Das Finalturnier wird dieses Jahr im weissrussischen Gomel veranstaltet.
11. September 2003Sandy Jeannin wird beim diesjährigen Qualifikationsstart fehlen und muss den Nasenbeinbruch operieren lassen. Diesen zog er sich bei einem Vorbereitungsspiel in Stockholm gegen Djugarden zu.
13. Oktober 2003Der HC Lugano meldet hohe Verluste im Budget der letzten Saison. Die Verschuldung wurde hauptsächlich auf die hohen Spielersaläre der letzen Saison abgeschoben, als die Tessiner Meister wurden. Der Verlust ist mir 553'470 Franken angegeben worden. Somit beläuft sich die Gesamtschuld des Meisters auf 603'105 Franken.
14. Oktober 2003Der 20-jährige Grégory Christen wird vom Partnerteam Chur zum HC Lugano zurückkehren. Er wird dort vorerst in den hinteren Linien spielen, da die Tessiner einige Verletze zu beklagen haben.
22. Oktober 2003Pech für den Offensiv-Verteidiger Patrick Sutter. Sutter fällt für mehrere Wochen aus, dies nach einer Schulterverletzung in der Nähe des Schlüsselbeins.
24. Oktober 2003Der Nationalverteidiger Noël Guyaz wir auch die kommenden zwei Saisons im Dress der Tessiner bestreiten. Beide Parteien haben den Vertrag bis Ende der Saison 2005/2006 verlängert.
24. November 2003Flavien Conne fällt mit einer Rippenquetschung und einer leichten Verletzung an der Luftröhre für mehrere Tage aus. Diese holte er sich in einem Spiel gegen Zug, als er von Pascal Müller hart angegangen wurde.
04. Dezember 2003Weitere Erfolgsmeldung an der Vertragsfront des HC Lugano. Die Tessiner konnten die Vertragsverlängerung mit Ronnie Rüeger bekannt geben. Rüeger wird bis Ende der Saison 2005/2006 bei den Bianconeri bleiben.
05. Dezember 2003Die Tessiner verlängern weitere Verträge mit Spielern und Trainer. Heute wurde bekannt gegeben, dass Larry Hurras und Mike Maneluk um 1 Jahr respektive um zwei Jahre verlängert haben. Damit nimmt die neue Mannschaft für die nächste Saison Gestalt an.
23. Dezember 2003Noël Guyaz fäll mit einer Verletzung des Seitenbandes aus und wird für zirka zwei Wochen den Luganesen fehlen. Die Verletzung zog er sich am Turnier in der Slowakei zu, als ihn Yves Sarault fair in die Bande checkte.
03. Januar 2004Bei den Südtessinern steht das Kader für die kommende Saison bis auf wenige Positionen fest. Gesucht werden noch je zwei Stürmer und Verteidiger. Im Gespräch sind Sébastien Reuille, Goran Bezina, Thierry Paterlini und Patric Della Rossa. Dies sind alles Spieler, welche auf dem Eis die physische Präsenz erhöhen können und das kanadische Element bei Lugano verstärken.
09. Januar 2004Der Westschweizer Sébastien Reuille wird nächste Saison das Dress der Südtessiner tragen und den Sturm verstärken. Er unterschrieb bei den Tessinern einen Dreijahresvertrag.
20. Januar 2004Ryan Gardner, der 26-jährige Kanada-Schweizer, hat bei den Binconeri seinen Vertrag für weitere drei Jahre unterschrieben. Dies ist für die Luganesen ein sehr wichtiger Schritt zur Stabilisierung des Teams der nächsten Jahre.
23. Januar 2004Der "fliegende Finne auf dem Eis", Petteri Nummelin, erhält die Auszeichnung des wertvollsten Spielers der letzten Saison. Nummelin der in der Saison 2002/2003 in 64 Spielen 86 Punkte erzielte war in der Schweiz der beste Spieler dieser Saison.
31. Januar 2004Verletzungs- und Krankheitssorgen bei den Südtessinern. Neben Krister Cantoni und Flavien Conne fehlen auch Patrick Sutter, Mattia Bianchi und Adrian Wichser.
10. Februar 2004Lugano verpflichtet Eric Lecompte vom SC Langenthal. Die Tessiner können somit auf vier Ausländer zurückgreifen. Ob ein weiterer Ausländer für die Playoffs verpflichtet wird, ist noch offen.
22. Februar 2004Was in Nordamerika schon lange Gang und Gebe ist, wird nun auch in der Schweiz zum guten Ton gezählt. Neben Bern, Kloten, Fribourg und anderen Teams werden heute Abend in der Resega in Lugano ebenfalls Spieler geehrt und deren Nummern aus dem "Verkehr" gezogen. Die geehrten sind: Alfio Molina (1), Sandro Bertaggia (2) und Pat Schaffhauser (4). Diese Nummern werden nun nicht mehr eingesetzt.
27. Februar 2004Beat Kaufmann kämpft weiter für seine Vision einer geschlossenen 14er-Liga in der Schweiz. Neben Biel kann er sich auch die Mannschaft aus Milano in der Nationalliga A vorstellen. Doch seine Ideen stossen nicht überall auf Gegenliebe und werden sicher in den nächsten Wochen oder Monaten noch zu reden geben.
18. März 2004Negative Schlagzeilen um das Halbfinalspiel des HC Lugano und der ZSC Lions. Zuerst liess sich Mike Maneluk zu einer dummen Strafe hinreissen und wurde danach wegen ständigem Reklamieren unter die Dusche geschickt.
Nach dem Spiel suchten so genannte "Fans" aus dem schwarzen Block der ZSC Lions die Auseinandersetzung mit Lugano Fans. Die Polizei sorgte mit Gummischrott für Ruhe und Ordnung.
28. März 2004Was sich vor zehn Tagen abgezeichnet hat, wurde wieder wahr. Die Polizei musste wiederum gegen Gewalttätige "Fans" beider Teams vorgehen. Schon vor dem Spiel kam es zu Ausschreitungen zwischen beiden Parteien, welche von "Fans" des HC Lugano angezettelt wurde. Die Polizei nahm daraufhin rund 45 Fans der Tessiner fest.
Nach dem Spiel drehten die Zürcher den Spiess um und attackierten die Fans des HC Lugano. Die Polizei schritt mit Tränengas und Gummischrot ein und konnte kurz vor Mitternacht die Lage beruhigen.
04. April 2004Olivier Keller erlitt im Spiel gegen den SC Bern eine Gehirnerschütterung. Diese erlitt er bei einem ungeahndeten Ellenbogencheck von Marc Weber.
09. April 2004Knapp eine Stunde nach Eröffnung des Vorverkaufes der fünften und entscheidenden Partie im Playoff-Finale gegen den SC Bern kann der HC Lugano ausverkauftes Haus melden.
15. April 2004Der Stürmer des HC Lugano, Ryan Gardner, muss wegen einer Schulterverletzung, welche er sich bereits im Halbfinale gegen die ZSC Lions zugezogen hatte, operativ behandelt werden. Wie lange er dem Training fernbleiben wird, ist noch nicht bekannt.


Besondere Vorkommnisse

Die Tessiner können auf eine ruhige Saison zurückblicken, in denen die meisten Probleme mit den Spielern in Einzelgesprächen gelöst werden konnten und nicht an die Presse weitergegeben wurden. Dies ist sicher auch ein Verdienst des Teammanagers Sandro Bertaggia. Doch auch der Verwaltungsratspräsident Beat Kaufmann hat seinen Anteil an der erfolgreichen Saison der Tessiner. Er konnte das schwierige Umfeld in Lugano für sich gewinnen und auch die Interessen des Clubs sehr gut vertreten. Ein Problem sind die zahlenmässig wenigen und die teils gewaltbereiten Fans. Aber auch dieses Problem wird man hoffentlich in den Griff kriegen, zu hoffen wäre es.



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