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Ein Februar-Märchen mit unbekanntem Ausgang

Von Martin Merk


Ein Eishockey-Märchen und eine Rundschau durch ein Hockeyland im kalten Februar vor wichtigen Entscheidungen. Sämtliche Vermutungen auf Ähnlichkeiten zur realen Welt dürften rein zufälliger Natur sein.


Es war einmal ein kleines Eishockey-begeistertes Land. Eines, das in der grossen, weiten Eishockey-Welt für Furore sorgen wollte. Weltklasse-Leistungen des Nachwuchs, sporadische Top-Klassierungen der Nationalmannschaft und selbst in der mächtigsten Liga der Welt fing man sich an für die Schweizer zu interessieren. Doch nach dem Höhepunkt zogen dunkle Wolken über das Land. Man merkte, dass es auf all diesen Ebenen doch mehr braucht, um zur absoluten Weltspitze zu gehören, dass einem nichts geschenkt wird, je näher man ihr kommt. Doch die Hockey-Könige machten weiter wie im Paradies, wo Milch und Honig fliesst. Sie waren spendabel und es schien so gut zu laufen, dass man auch selbst ein bisschen vom Reichtum profitieren durfte, den einen oder anderen Goldsack in die eigene Tasche stecken konnte. Doch langsam ging der einstige Glanz verloren und das gemeine Volk stürzte den sich bereichernden Hockey-Adel mit grossem Echo. Auch nach der Revolution wurde es aber nicht ruhig im Hockeylande. Im Volke zerstritt man sich erstmals richtig. Weil ein Mitglied nicht wusste, wie und wann man Nachwuchsspieler nach den Verfassungen des Hockeylandes einzusetzen hat, war man sich plötzlich nicht mehr einig, wer eine Abstiegsrunde gegen die untere Klasse zu bestreiten habe. Die traditionsreiche Rangliste schien für den Entscheid nicht mehr gut genug zu sein. Fristen, Ferien und sonstiger Hokuspokus schien die Moderne zu beeinflussen. Schliesslich einigte man sich mit Säbelrasseln darauf, dass niemand absteigen musste und nahm einfach den besten der unteren Klasse ohne geplante Details auf, weil sich ihm niemand in einem traditionellen Duell mit dem Namen Ligaqualifikation in den Weg stellen wollte. Wieso auch, wenn man solche Probleme und Ängste am grünen Tisch regeln kann?

Monate sind vergangen und es ist noch keine Ruhe eingekehrt, man ist aus diesen Problemkreisen noch nicht schlauer geworden. Der Teufelskreis scheint weitere Kreise zu ziehen. Der aufgestiegene Untertan wird aufmüpfig. Er hatte kaum Gelegenheit sich zu verstärken und soll als schwächstes Glied der Wettkampf-Kette planmässig wieder zurück wo er hergekommen ist - direkt! "Welch' Skandal" flucht man beim Neuling. Seit 16 Jahren gab es so was nicht und soll es auch jetzt nicht geben, denkt man sich. "Niemand hat uns vor dem Aufstieg gesagt, dass der Letzte direkt absteigt", war zu vernehmen. Dies wurde erst nachträglich bestimmt und konnte im Sommer nicht mehr mit einer Mehrheit bekämpft werden, nun wagt man im späten Winter einen weiteren Anlauf - mitten in der Meisterschaft. Ein weiterer Hauruck-Entscheid wird nötig im vereinigten Parlament des Ober- und Unterhauses.

Doch als ob man damit nicht schon genug Probleme hätte! Fremde Vögte wagen einen Angriff auf das kleine, reiche Hockeyland! Als ob man den Auswärtigen nicht schon genug entgegen käme und ihnen pro Wettkampf und Mannschaft stolze drei Plätze zur Verfügung stellt. Nein, sie wollen das Hockeyland, wo Milch und Honig fliesst, ganz angreifen und Gleichberechtigung fordern! Mit dem Richter wird sogar gedroht, schliesslich ist die Nicht-Diskriminierung von der Regierung ausserhalb des Hockeys unterzeichnet worden. "Welch' eine Schande, so etwas kann für uns nicht gelten", wird sich der eine oder andere Hockeyvisionär gedacht haben. Am 29. November rauften sich die Herren des Ober- und Unterhauses zusammen und besiegelten den "Zuger Schwur": Man werde es nicht zulassen, dass die fremden Vögte Einzug erhalten, schwuren die Teilnehmer einstimmig. Ja, man bediente sich sogar einer Bauernweisheit: Es dürfen unbegrenzt viele Fremde in einer Mannschaft unter Vertrag genommen werden, aber trotzdem nur drei einen Wettkampf bestreiten. So soll man das Diskriminierungsverbot umgehen können - "rechtlich hieb- und stichfest" ist man überzeugt, wie schon einige Sportskollegen davor, welche damit auf die Nase gefallen waren und von den Fremden überrannt wurden. Doch schon scheinen sich erste Mitglieder vom Zuger Schwur zu distanzieren und wollen zum Feinde überlaufen, mit Hilfe von aussersportlichen Richtern und zusammen mit den fremden Vögten die Öffnung der Landesmauern erzwingen, vermuten einige Experten. Sie und der aufmüpfige Aufsteiger lassen nun am 5. Februar am Orte des Zuger Schwurs wieder das Ober- und Unterhaus versammeln. Gelingt es den teils neuen, teils alten Führungspersonen, die Brandherde zu löschen und die bisherigen Ziele fortzusetzen? Wird man den inneren Frieden wiederherstellen und sich geschlossen den fremden Vögten auf Gedeih und Verderb entgegensetzen? Findet man eine Lösung um die Probleme des aufmüpfigen Aufsteigers? Wird dieses turbulente Märchen je als Hollywood-Produktion in die Kinos kommen? Fragen über Fragen, die auch der Erzähler nicht abschliessend beantworten kann, doch mit Stimmen quer durch das Hockeyland zumindest die Meinungen und Situationen erörtern kann.



Tatort: Im "Restaurant zum Aufsteiger". Ein anonym bleibender Investor in das hiesige Eishockey saugt genüsslich an seiner Zigarre und präsentiert stolz den bronzenen Pokal des B-Meisters. Sein Ziel: Wie seine Kollegen und vor allem seine kleine wasserstoffblonde Kollegin aus der Pharma-Branche von der anderen Strassenseite möchte er eine Hochburg in seiner Lieblingssportart aufstellen. Die Hartgummischeibe und das Eis sagen ihm irgendwie mehr zu als das dort beliebtere runde Leder und der Rasen. Klein und mit verlorener Tradition fing man an, doch schon bald baute man ein modernes Heim, rüstete die Mannschaft auf und klopfte langsam am Oberhaus an. Man war überzeugt, dort eine grosse Rolle einnehmen zu können. Die Schwächsten des Oberhauses erzitterten derart vor Ehrfurcht, dass sie einem Duell aus fadenscheinigen Gründen ("unsere Spieler sind schon in den Ferien") aus dem Weg gingen, erzählt sein Nachbar mit angeschwollener Brust. Man wurde deshalb als fünftes Rad am Wagen oder als dreizehnte Mannschaft im Oberhaus aufgenommen. Die Freude verging aber nach den ersten Wettkämpfen. Weil man so kurzfristig kaum genügend Verstärkung fand, befindet man sich am Ende der Rangliste. Als Zugabe hatte die Mehrheit im Oberhaus vor Wettkampfbeginn aber nach der Aufnahme beschlossen, dass dieser Letzte direkt ins Unterhaus relegiert werden soll, weil man nur zu zwölft sein möchte. Der kleine Aufsteiger mit grossen Zielen war wehrlos, versucht nun in einem zweiten Anlauf aber eine Mehrheit für sich zu gewinnen. Man akzeptiert mittlerweile sogar die Kürzung auf zwölf Mitgliedern, will aber andere Regeln. Zornig äussert sich der anonyme Investor über die aktuelle Situation, er fühle sich hintergangen, dabei wolle man doch nur die gleichen Chancen, wie alle anderen Schlusslichter auch in den vergangenen 16 Jahren - nämlich einen Auf-/Abstiegskampf. Um eine Mehrheit für sich zu gewinnen, wurde sogar ein auswärtiger, im Oberhaus erfahrene Berater eingestellt, der die Pläne schmieden und mit seiner Überzeugungskraft die nötige Dreiviertels-Mehrheit der Herren auf die Seite des Aufsteigers bringen soll. Der Investor möchte endlich, dass es vorwärts geht, ein Rausschmiss aus dem Oberhaus würde er wohl nicht hinnehmen und den Geldhahn zudrehen. "Es ist erstaunlich! Da kommen mal Leute, welche in das Eishockey investieren wollen und dann will man sie nicht!" tobt er. Nein, leicht hat er es sicher nicht, dabei wollte er ja ursprünglich noch gar nicht so schnell aufsteigen, sondern wie der Vorgänger aus einer anderen Grossstadt sich langsam, aber sicher an das Oberhaus herantasten. Die Strategie ging aber nicht ganz auf, der Zufall wollte es, dass sein Club schon früher, wohl zu früh aufstieg.

Tatort: In einer Käserei, weit auf dem Lande. Wir treffen Hans an, er arbeitet in einer Käserei, welche seit Jahrzehnten dem lokalen Eishockey-Club durch dick und dünn unter die Arme greift, sogar deren Clubemblem ziert. Der Club ist chronisch erfolglos, verpasste sechs Mal in Serie die Teilnahme an den Viertelfinalspielen. Dies möchte man ändern und lockt kräftig Spieler für die kommende Spielzeit ins Tal. Doch man ist nicht ganz ohne Sorgen, sondern fürchtet auch um die Erhaltung der Klasse. Man ist daher in der Allianz mit dem Aufsteiger, auch weil dieser zuletzt mit dem Überholen auf dem Eis drohte. Man hofft auf die Solidarität, wie man sie schon letztes Jahr bekam, als man gar erreichte, dass man überhaupt nicht gegen den Abstieg spielen musste. Dieses Kunststück wird schwierig, meint Hans, doch im kleinen Hockeyland wisse man nie, da könne viel geschehen. "Es wäre doch schade, wenn wir mit unserem starken Team für die nächste Saison gar nicht antreten könnten", findet er. Deshalb dürfte sein Club für den Antrag stimmen.

Auch Ernst kommt aus dieser Region, ist aber vor einigen Jahren ausgewandert, um bei einem zur Top-Adresse aufgestiegenem Club diesen zum Ruhm zu verhelfen. Ernst hat dort ganz andere Probleme. Obwohl dieser Club in einer Stadt ist, die sich gerne als Weltstadt rühmt, hat er nächste Saison keine taugliche Halle und rechnet mit hohen Einbussen. Dies, weil man eine moderne Halle will, hierfür aber einfach für viel Geld die alte renoviert. "Die Stadt wollte es so", kommentiert er. Von einem renommierten Hallenbauer aus Finnland läge ein günstigeres, aber besseres Neubauprojekt vor. Doch eine solche Weltstadt hat doch kaum Hilfe aus Finnland nötig! "Was wissen die schon vom Eishockey?" werden sich die weisen Damen und Herren Politiker eingeredet haben. Nun wird die Alte halt renoviert und für ein Jahr in einer Trainingshalle gespielt. Dabei hat der ebenfalls in dieser Stadt arbeitende Präsident der Vereinten Hockey-Nationen und damit mächtigster Mann in der Eishockey-Welt (unter der grosszügigen Annahme, dass der IIHF die mächtigste Organisation ist…) schon angekündigt, dass die Halle auch nach der Renovation nicht den internationalen Ansprüchen genügen werde und für eine Weltmeisterschaft weiterhin untauglich sei. Und bei all diesen Problemen und der sportlichen Neustrukturierung muss sich Ernst wieder um solche Anträge kümmern, einen ganzen Tag mit Herumhocken in Zug verschwenden. "Mühsam ist das, man soll sich doch einfach an die Reglemente und den Modus halten, den man im Voraus vereinbart", findet Ernst, der solche Sitzungen lieber für wichtige Dinge und nicht schon längst vergangene Anträge nutzen möchte. Er werde halt zwangsweise seine Nein-Stimme abgeben, schliesslich hat er als redegewandter und Eishockey-interessierter Politiker auch genug zu sagen. Etwa wenn es um die ausländischen Arbeitskräfte gehe, darüber wird ja auch in seiner Partei schon viel gesprochen.

Nach dem Gespräch sollte es weitergehen, doch da trifft man vor seinem Büro lauernd Jack an. Auch Jack war wie Ernst Eishockey-Spieler, doch der Kanada-Schweizer hat mittlerweile altersbedingt auch die Seite gewechselt. Er ist kein mächtiger Eishockey-Politiker, hat als Spielervermittler aber viel Macht, gerade beim Club, wo er den nächsten Termin hat. "Er ist als Spielervermittler so aggressiv und rücksichtslos wie als Spieler", sagte mal ein Offizieller eines Bergclubs, wo man ihn nicht gerne sieht und der Unruhestiftung bezichtigt. "That's Business", formuliert Jack solche Anschuldigungen. Er treibe die Löhne in die Höhe, tönt das Klagelieder vieler Clubmanager. Möglichst viele Teams und geschlossene Grenzen, das müssten wohl seine Ziele für Preistreiberei sein. Dass er seine grössten Kunden unter Druck setzen wolle, um die Liga aufzustocken, ist wohl aber nur ein böses Gerücht, dazu müsste er seine Macht noch ein bisschen ausbauen…

Weiter geht es, in eine weitere Stadt mit internationalem Flair. Dort, wo die Sitz der UNO ist, wo ein Springbrunnen im See die Blicke auf sich zieht und seit etwas mehr als einem Jahr auch ein Club im Oberhaus erfolgreich mithält und auch noch viele Leute anlockt. Wie beim aktuellen Aufsteiger handelt es sich um eine Grenzstadt, man ist offen für vieles. Wir treffen in der Wettkampfarena Yvette. Ihr Mann spielte lange Eishockey beim lokalen Club, ihr Vater war auch schon hier tätig und sie erhielt deshalb gar einen ähnlich klingenden Namen wie der Club. Sie selbst arbeitet bei der UNO und bei den internationalen Gästen gilt es als chic, ab und zu in die alt-ehrwürdige Patinoire zu hocken. Entsprechend ist sie bestens informiert. Ob diese Gerüchte stimmen, dass man mit einem ausländischen Spieler dem Hockeyland mit einer Klage drohe? Sie schmunzelt nur und schweigt. Jedenfalls möchte sich der Club an der Versammlung für eine Lockerung der Grenze einsetzen, wenigstens in kleinem Rahmen. Wieso denn der Club im November dem Zuger Schwur beigetreten ist? Das fragt sie sich auch. "Vielleicht gab es da einfach Unstimmigkeiten, oder man wollte kein Aussenseiter sein…" vermutet sie. Ein im Sommer ebenfalls erfolgloser Antrag wurde deshalb in ähnlicher Form nochmals gestellt. Es wäre wichtig für den Club, der sein Budget klein halten sollte. Mehr Fremde - das hiesse auch ein Sinken des Lohnniveaus der als überbezahlt geltenden Einheimischen, womit der Club wieder eine etwas bessere Rolle auf dem Markt spielen könnte. Dann würde mehr die Leistung als das Geld zählen und hierbei hat der Club bislang sowieso das Optimum herausgeholt.

Auf dem Weg zurück in die deutschsprachigen Regionen trifft man an der Sprachgrenze in eine zweisprachige Stadt am Rande der Jura-Landschaft an. Dort am See wird der nächste "Angriff" auf die Mitglieder des Oberhauses geplant. Wir treffen auf André. Er ist im Marketing in der lokalen Maschinenindustrie tätig und pflegt damit Kontakte zum lokalen Club, besucht auch die meisten Heimspiele. Viel wurde schon über Aufstieg und Anträge gesprochen. "Doch Anträge wird der Club nur zustimmen, wenn er davon profitieren kann", weiss André. Sprich: Wenn man etwa auf 14 Mitglieder aufstocken würde. Ob man keine Angst hätte, dass es einem ähnlich schlecht gehen würde wie der amtierende Aufsteiger? "Dieses Risiko muss man halt eingehen. Ausserdem hätten wir durch die vielen Derbies auch hohe Zuschauereinnahmen", schätzt André ab. Dies ist wohl einer der wenigen Strohhalme. Wie sein Vorgänger gilt der Club zwar als klar stärkster im Unterhaus, doch kommen rund 30 Prozent weniger Fans an die Heimspiele wie beim Aufsteiger vor einem Jahr - und der hat als schlecht klassierter Club eigentlich schon zu wenig Zuschauereinnahmen für das Oberhaus.

An einem Abendspiel treffen wir gleicherorts Daniel. Daniel arbeitet für die Nachwuchsförderung im ganzen Hockeylande. Er lobt teilweise die Arbeit in jungen Jahren, kritisiert aber das System des Erwachsenen-Eishockeys. Weil wir viele Teams und kaum Ausländer haben, kämen die Jungen schon früh zum Zuge und müssten sich später kaum gross für Stammplätze einsetzen, sofern sie talentiert genug sind, analysiert er. "Bis zu einem gewissen Alter von etwa 20 Jahren machen sie grosse Fortschritte, danach stagnieren sie", so Daniel und gibt der Politik der Machthaber und Mitglieder schlechte Noten. Die Plätze im Oberhaus müssten den Spielern nicht auf dem Silbertablett serviert werden, es bräuchte einen Konkurrenzkampf. "Ansonsten werden wir international immer mehr Probleme haben und in Nordamerika zukünftig kaum mehr ein Thema sein!" Er schlägt deshalb entweder die Ligareduktion auf zwölf oder gar zehn Teams - oder eine grössere Anzahl an ausländischen Spielern vor. "Bei einer Öffnung der Grenzen müssen wir aber das Transferreglement mit den Ablösesummen überdenken. Die Schweizer dürfen durch diese nicht benachteiligt werden, der Anreiz zur Ausbildung eigener Spieler muss aber da sein." Keine einfache Angelegenheit. Daniel ist erstaunt, dass man über solche Fragen bislang noch nie im Plenum diskutiert hat, schliesslich wären die Grenzen gemäss den bilateralen Verträgen ab der neuen Saison für EU-Spieler theoretisch offen, auch wenn die Eishockey-Reglemente diesen widersprechen möchte. Den Spielern, welche auch international etwas erreichen und nicht nur Dorfkönige sein wollen, empfiehlt er deshalb einen Wechsel ins Ausland, wo man etwas mehr gefordert ist.

Wir reisen weiter auf die andere Seite des Hockeylandes, in den Osten. Dort treffen wir in einem traditionsreichen Hockeystandort und Ferienort auf Gian. Gian ist Immobilienmakler und verdient sich sein Geld wie viele Leute im Ort auch mit dem Tourismus. Auch an Eishockey-Interessierten vermietet er gerne seine Ferienwohnungen. Er befindet sich deshalb auch in der Task-Force zur Sanierung des finanziell angeschlagenen Clubs, schliesslich möchte er helfen. Finanziell zwar nicht unbedingt, er investiert kein Geld in den Club und hat bei der Abstimmung für das "Nationale Eissportzentrum" auch abgelehnt. "Viele Unterländer wollen das, doch wieso sollen wir Davoser deshalb mehr Steuern zahlen?" erklärt Gian die ablehnende Haltung im Städtchen. Personell trägt Gian aber gerne seinen Teil bei, schliesslich ist der Club auch für ihn wichtig. Was er mit den Anträgen am 5. Februar anfangen soll, dabei ist er sich noch unschlüssig. Den Antrag des Aufsteigers empfindet er jedoch "als deren letzten Rettungsversuch" und würde diesem "egoistischen Vorhaben" deshalb die Ablehnung empfehlen. Gian in der gewohnt kantigen Manier: "Was haben die bisher gebracht? Sportlich genügen sie nicht und Zuschauer bringen sie auch keine, dafür wollen sie uns noch die Spieler und Trainer ausspannen!" Eine gewisse Wut ist anmerkbar. Es überrascht ihn, wie viel Theater es um diesen Aufsteiger gibt. "So etwas gab es noch nie!" Viel mehr möchte er dazu nicht sagen, denn es gibt noch genug vor der eigenen Türe zu kehren.

An einem anderen Ort im Ostteil treffen wir Peter. Peter ist ein Unternehmer aus der Baubranche. Vor einigen Jahren lernte er das Eishockey kennen und faszinieren. In seiner Heimat versuchte er sich bei einem Mitglied in Flughafennähe im Oberhaus erfolglos einzukaufen, tat dies jedoch im Unterhaus, wo er vieles auf den Kopf stellte. Zuerst änderte er das Wappen von den traditionellen Farben in jenen seiner Ursprungsregion - schliesslich fand er sie schöner - und wechselte danach auch noch den Standort. Von einer Scheune im Zentrum gelegen ging es in ein modernisiertes Zuhause direkt am See. Ist ja klar, wieso in einer Scheune spielen bei dieser Seesicht? Das Volk in seiner Region dankte es ihm aber nur mit Fernbleiben, weil der Standort am äussersten Rand gelegen ist. Von den nördlichen Nachbarn kamen schliesslich kaum Zuschauer - vom See noch weniger. Trotzdem glaubt Peter an seinen Platz im Oberhaus und hat mittlerweile alle wichtigen Arbeiten selbst übernommen, sogar das Coaching seiner Mannschaft. Was einst spöttische Verwunderung ausgelöst hatte, wird nun aber mit positivem Staunen begutachtet. Seine Mannschaft war im Wettkampf des Unterhauses die zweitbeste und will nun um den Aufstieg kämpfen. Er ist überzeugt, dass man hierfür taugen könnte, schliesslich ist er kein Verlierer-Typ. Die Bewerbung wurde jedenfalls bereits eingereicht und wird nun geprüft. Jetzt gilt es sich noch sportlich gegen die Konkurrenz im Unterhaus durchzusetzen. Auch er wartet gespannt auf den 5. Februar in Zug. Können die Anträge zu seinen Gunsten gedreht werden?

Wir möchten nun in den Süden des Landes. Doch auf dem Weg treffen wir Fritz an. Fritz ist Funktionär beim Eishockey-Staate. Viel arbeitet er für die Mächtigen im Eishockey und mit dem Volke. Doch für die Anträge hat er nur ein Wort übrig: "Frechheit! Was wollen die schon wieder mit solchen längst besprochenen Fragen?" poltert er. Ein Auf-/Abstiegsmodus sei vor dem Saisonbeginn zu klären und genau dies wurde ja auch gemacht. Auch über diesen Antrag zur Lockerung der Grenzen kann er nur lachen: "Es wurde einstimmig angenommen, in dieser Hinsicht vorerst keine weiteren Änderungen anzubringen! Basta!" Für ihn geht das Ganze ins Lächerliche und auch sein Nachbar im Gefährt in den Süden - ein umsichtiger Journalist in der Szene - kann seinen Kommentar in dieser Hinsicht nicht verkneifen. "Die Stimmberechtigten ändern ihre Meinung doch wie die Fahne im Wind. Es braucht nur einen Zeitungsartikel und schon kann ein Resultat völlig kehren. So läuft unsere Demokratie…" kritisiert der Journalist die verantwortlichen Stimmberechtigten. Ob es also doch noch zu Änderungen kommen könnte, so kurzfristig? Fritz: "Ja, da weiss man wohl nie, leider. Es läuft nicht immer alles konsistent und überlegt ab, musste ich schon feststellen. Wir würden uns aber international lächerlich und zur Bananenrepublik machen, sollten wir Mitten in der Spielzeit den Modus ändern!"

Nach der spannenden Diskussion sind wir nun in der italienischsprachigen Region angetroffen. Doch Mario, ein Hockey-Visionär beim hier heimischen Eishockey-Club, kommt ja schliesslich aus der Deutschschweiz. Er ist ausgewandert und scheint sich hier unter den Palmen, wo vieles doch nicht an Eishockey denken lässt, aber mit der lange andauernden Grosszügigkeit eines reichen Onkels viel aufgebaut werden konnte, wohl zu fühlen. Hier kann er dem Club helfen und auch für das ganze Hockey-Land seine Wohltaten verbreiten. Denn er möchte nur das Beste für alle und macht sich dabei viel Gedanken über die Zukunft. Den Antrag wegen der Ausländerproblematik hat er deshalb selbst gestellt, weil er sich als einer der wenigen Hockey-Politiker von einer möglichen zwangsweisen Öffnung bedroht fühlt und lieber alles klären möchte. Vom Antrag des Aufsteigers hingegen zeigt er sich enttäuscht. "Ich hatte gehofft, dass sie auch eine Aufstockung auf 14 Mitgliedern beantragen würden", gibt er zu Protokoll. "Unser Ziel muss es doch sein, in unserem Wirtschaftsraum den Markt möglichst gross und dicht zu halten und wenn wir das geschafft haben auch im benachbarten Raum! Dafür wäre eine Aufstockung geeignet", so Mario. Er will zudem die Trennung zwischen dem Ober- und Unterhaus verstärken, die zweitklassigen Standorte sollen zu einer Art "Untertanen" werden, man nennt sie auf neudeutsch "Farmteams". So einen als zweitklassig geltenden Standort hat er für sich auch bereits gefunden. Hierfür müsste man eine Anzahl Mitglieder für das Oberhaus festlegen - und zwölf seinen für Mario zu wenig bei diesem Markt. Er ist gespannt, wie sich das Ganze am ominösen 5. Februar austragen wird und wird seine Vorschläge kaum vorenthalten. "Es muss schliesslich wieder noch oben gehen mit uns!" so sein Schlusswort.



Es sind wichtige Entscheidungen, welche auf uns zukommen werden. Sie werden wieder kurzfristig verlangt - und werden wieder längerfristige Auswirkungen mit weiteren Problemkreisen haben. Umsichtigkeit ist gefordert, man muss mehrere Züge vorausdenken um zu den Siegern zu gehören. Ansonsten wird keine Ruhe mit all diesen Anträgen einkehren, welche es seit dem "Fall Abplanalp" und Kurzschluss-Entscheidungen gibt.
Es geht um die Stärke des Wettkampfes und im internationalen Vergleich. Sie wird stark von diesen zwei Anträgen bestimmt - genauer gesagt von der gewählten Breite der Liga und ob man dazu auch genügend Material hat, was wiederum von den "Importbestimmungen" abhängt. Man muss ernsthaft darüber nachdenken, ob die Ausländer im Wettkampf ein Übel oder eine Attraktion sind, ob sie den eigenen Spielern schaden oder sie die Talentiertesten weiterbringen können, ob sie im Spielermarkt die Lohnsummen erhöhen oder nach unten drücken. In solchen - teils klaren - Fragen stehen grosse Disparitäten im Raum, doch diese Meinungsverschiedenheiten kann man durch Objektivität abbauen, wenn man sich hinter diesen Fragen dahinter setzt - mit vertrauenswürdigen und neutralen Personen.
Es geht auch um die Fairness unter den Mitstreitern. Es ist wichtig, dass die Mitglieder auch wissen worüber sie überhaupt abstimmen - und sich nicht in letzter Minute einfach etwas vom nächsten Tischnachbar aufschwatzen lassen, um dann emotionslos ein "Ja", "Nein", "Si" oder "Non" als einzige Worte überhaupt im Plenum über die Bühne zu bringen.
Ein Volk erhalte die Führung, die es verdient, heisst es im Volksmunde. Und unter Führung sind in einer Demokratie gerade die Entscheidungsträger gemeint, welche von den einzelnen Gesellschaftern gestellt werden. Diese haben nun zu zeigen, wie professionell es in unserem Eishockey wirklich zu und her geht und wie man gemeinsam in solchen schwierigen Situationen Lösungen erarbeitet und den steinigen Weg nach oben meistert.

Viel Glück und bon courage. Zeigt Interesse, Loyalität, Gesprächsbereitschaft, Mut und Offenheit, wo es sie braucht. Für unser Eishockey.



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