BACKGROUND


Die Schweizer Legionäre und ihre Chancen

Von Martin Merk

Diese Woche hat für einige Legionäre die Saison begonnen. In Nordamerika beginnt nun die NHL-Vorsaison, die Juniorenligen haben bereits gestartet und auch in den letzten, grossen europäischen Eishockey-Ligen wird bald Eishockey gespielt. Zeit für einen Ausblick auf die im Ausland tätigen Schweizer Eishockey-Profis.


NHL, AHL & Co.

Unser Hauptaugenmerk gilt natürlich den Spielern, die ihre Chancen in der NHL packen wollen. Richtig geglückt ist dies bisher noch keinem so richtig, denn einen NHL-Stammspieler aus der Schweiz gab es bisher nicht. Dafür mit David Aebischer und Martin Gerber zwei Torhüter, welche sich zumindest als Backup-Goalies mehr als nur etabliert haben und nun höher hinaus wollen. Doch einige Spieler wie Luca Cereda, Goran Bezina, Julien Vauclair und Timo Helbling gehen nun in ihre dritte Profi-Saison in Nordamerika, teilweise die letzte im Vertrag. Eine entscheidende Saison also, wollen sie in Nordamerika Fuss fassen und die 19 NHL-Spiele von Reto von Arx als meist eingesetzter Schweizer Feldspieler überbieten.


David Aebischer (25), Colorado Avalanche, NHL-Chance 100%
David Aebischer ist der Schweizer NHL-Pionier. Er brachte die Schweiz erstmals seit Pauli Jaks' 20-Minuten-Einsatz in die nordamerikanischen Medien. Sein Ehrgeiz und seine Hartnäckigkeit, es in die NHL schaffen zu wollen, verhalfen ihm zum Durchbruch. 1997, bevor er sich in der Schweiz wirklich einen Namen machen konnte, folgte er sofort nach dem Draft dem Lockruf. Der 25-jährige Freiburger spielte zuerst in der drittklassigen ECHL, vom Niveau her mit der NLB vergleichbar, und wurde ein halbes Jahr später zum WM-Helden in Zürich und Basel, weil Ralph Krueger ihn für die Nationalmannschaft entdeckte. Danach ging es langsam aufwärts, zuerst zwei Saisons in der AHL für Hershey, dann kam er auf die Saison 2000/01 hin ins Kader der Colorado Avalanche und durfte Ende Saison den Stanley-Cup in seinen Händen halten. Nach einer statistisch herausragenden Saison 2001/02 (93,1 % Fangquote!) blieb er letzte Saison in den ansässigen Medien nicht immer ohne negative Kritiken.
Als potentieller Nachfolger des Stargoalies Patrick Roy wurde viel auf ihn geschaut und er bekam vom Headcoach auch problematischere Begegnungen zugesprochen als noch am Anfang seiner NHL-Karriere. Auch wenn seine Quote von 91,6 % ein guter Wert ist, die lokalen Journalisten trauen ihm nicht zu, nach Roys Rücktritt im Frühjahr die neue Nummer 1 zu sein. Vielmehr wird vermutet, dass man ihm kurz vor oder nach Saisonbeginn einen erfahreneren Torhüter vor die Nase setzt. Für Colorado sind ja üblicherweise nur Stars gut genug.
Doch "Aeby" war bisher noch kein NHL-Star. Er brachte die Fans bei seinen Auftritten noch nicht ins Schwärmen und blieb im Hintergrund. Doch mit seinem Ehrgeiz ist Aebischer gewillt, auch diese Hürde zu überstehen und es den kritischen Fans und Journalisten in Denver zu zeigen. Entsprechend packte er auch die Saisonvorbereitung an und erntete schon früh Lob von seinen Teamkollegen. Im Club jedenfalls geniesst er - zumindest nach aussen - den nötigen Rückhalt, was ihn jedoch nicht vor Konkurrenz schützt. In der NHL kann es schnell gehen und schon kann seine Position sich mit einem Transfer drastisch wenden.
Zu guter Letzt gilt natürlich zu sagen, dass er auch innerhalb der Organisation Konkurrenz hat. Die nominelle Nummer 2 hinter David Aebischer heisst Philippe Sauve (23), diesen hatte er vor einem Jahr im NHL-Camp hinter sich gelassen, so dass dieser der Stammgoalie beim Farmteam Hershey wurde. Sauve hat einen guten Ruf und wurde ein Jahr nach Aebischer bereits in der zweiten Runde gedraftet. Aebischer und Sauve, so soll das Torhütergespann nach den Aussagen des GM's heissen - ob er sich daran halten wird? Wir wünschen Aebischer jedenfalls viel Glück für den nächsten Schritt auf seiner Karriereleiter.

Martin Gerber (29), Anaheim Mighty Ducks, NHL-Chance 100%
Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass ein gewisser Martin Gerber in der NHL von sich reden machen wird? Damals, als er vom bescheidenen B-Clübli Langnau zum 2.Liga-Partner Signau abgeschoben wurde, was im Emmental das Ende aller Träume im Fanionteam bedeuteten. Doch von Langnau und die NLB muss Gerber längst nicht mehr träumen. Nach Langnau fand er zwar zurück und mit Langnau auch in die NLA, wo er es bis in die Nationalmannschaft brachte. Doch danach wollte er noch mehr. Er wollte sich für mehr empfehlen und ein besseres Team suchen. Er tat dies, trotz Interesse von Grossclubs (Lugano, Bern) nicht in der Schweiz, sondern wechselte nach Schweden zu Färestads BK, dass sich jahrelang über Torhüterprobleme beklagte. Nicht mit Gerber: Er wurde statistisch zum mit Abstand besten Torhüter der Liga (und überzeugte entsprechend an den Olympischen Spielen) und gewann den Meistertitel. Jene Saison brachte ihm sogar einen Einweg-Vertrag bei den Anaheim Mighty Ducks ein, welche ihn nach seinem Abschied aus Langnau schon gedraftet hatten.
Ein NHL-Debüt mit 28 Jahren - nicht der Alltag eines europäischen Eishockey-Profis. Doch die vergangene Saison war eine weitere Stufe im schnellen Aufstieg Gerbers. Eines Spielers, der märchenhaft anstatt über das Spitzen-Junioreneishockey - er spielte nie in einer Juniorennationalmannschaft - über den tieferen Amateurbereich ins Profigeschäft kam. Gerber machte als Ziel von Anfang an klar, dass er ein Nummer-1-Goalie werden will und liess auf diese Worte auch Taten folgen. Mit 92,9 % als Abwehrquote und mehrere Wahlen zu den besten Spielern der Partie gehörte er zu den statistisch besten Torhütern der NHL und hatte schnell den Ruf als "beste Nummer 2 der Liga". Nur an Jean-Sébastien Giguère, dem späteren Playoff-Helden und ehemaligen kanadischen Nationaltorhüter, kam der mental starke, ruhige Butterfly-Goalie noch nicht vorbei. Dies wird auch in Zukunft schwierig sein, denn die Mighty Ducks haben Giguère für mehrere Saisons an sich gebunden. Gerber bleibt damit nominell die Nummer 2 in Anaheim, er muss sich mit weiterhin guten Leistungen nach oben kämpfen, um entweder einen MVP wie Giguère auf die Bank zu verdrängen oder - und das scheint wahrscheinlicher - um sich bei einem anderen Club als Nummer-1-Kandidat zu empfehlen.

Goran Bezina (23), Phoenix Coyotes, NHL-Chance 55%
Goran Bezina ist wohl der Schweizer Feldspieler, dem man am ehesten den Sprung in die NHL zutraut. Kein Wunder, bei den Massen von 192 cm und 104 kg würde der Walliser mit kroatischen Wurzeln auch in der NHL zu den härteren Brocken gehören. Ein NHL-Bilderbuchverteidiger sozusagen. Über den Sommer hat er an weiteren Kilos an Muskelkraft hinzugewonnen. Doch die Massen waren bisher nicht das Problem, weshalb Bezina, der an der WM mit der Schweiz zu überzeugen vermochte, noch kein NHL-Spiel bestritten hatte.
Vorgeworfen wurde ihm eher mangelnde Spielintelligenz, komplizierte Spielweise und ein ineffizientes Körperspiel für seine Masse, während er für seine technischen Fähigkeiten und die physischen Voraussetzungen Lob ernten kann. Vor einem Jahr hatte er in der Vorsaison den Sprung in die NHL fast geschafft, im letzten Moment wurde er dann zum Farmteam geschickt. Zu den Springfield Falcons, welche auch das Farmteam von Tampa Bay waren. Entsprechend gross war das Spielerreservoir für Marty McSorley, dem berühmt-berüchtigten Bruder vom Servette-Trainer Chris. Er konnte es sich leisten, Bezina auf die Tribüne oder im vierten Sturm aufzustellen, wenn er mit diesen Punkten unzufrieden war. Doch gegen Saisonende konnte Bezina sich den nötigen Respekt verschaffen und bekam viel Eiszeit.
Bezina ist in Nordamerika durch Höhen und Tiefen gegangen und hat die Härte des NHL-Business zu spüren bekommen. Nun wird sich weisen, ob er die NHL-Reife hat. Eine Chance sollte er diesmal in der NHL erhalten. Entweder nach der Vorsaison oder während der Saison. Denn Bezina wird auch von nordamerikanischen Experten viel zugetraut, wenn er genug hinzulernt und Geduld hat. Sein Vorteil: Phoenix gehört nicht zu den Teams mit den besten Kadern, was seine Einsatzchancen erhöhen. Im Moment steht er in Konkurrenz mit 13 anderen Verteidigern.

Julien Vauclair (23), Ottawa Senators, NHL-Chance 49%
Julien Vauclair steht in einer angenehmen und unangenehmen Situation. Angenehm, weil ihm in der Organisation der Ottawa Senators sehr gute Leistungen attestiert werden. Unangenehm, weil die Senators zu viele junge Verteidiger haben. Beobachter sprechen gar davon, dass Vauclair in einer anderen Organisation wohl schon zu ersten NHL-Ernstkämpfen gekommen wäre. Auch in Ottawa stand er allerdings kurz bevor, doch wurde er durch einen Armbruch zurückgeworfen. Nun kämpft der ehemalige Lugano- und Nationalverteidiger mit 15 anderen Verteidigern um die acht zu vergebenen NHL-Plätze. In den letzten zwei Saisons war er die Nummer 10 und schied erst am Schluss aus dem NHL-Kader aus.
Ob ihm nun der Sprung nach oben gelingt? Auszuschliessen wäre es nicht. Technisch werden ihm diese Fähigkeiten zugetraut, doch die NHL-Gardemasse hatte er nicht unbedingt. Entsprechend stand über den Sommer auch viel Krafttraining auf dem Programm, wie es die Senators wollten. Ob der Jurassier nun genug Kraft hat, um NHL-Spiele auf dem Eis mitzuerleben?
Ansonsten müsste er sich weiterhin beim Farmteam Binghampton Senators für die NHL empfehlen und für einen möglichen Abruf bereit halten. Doch auch ein Trade wäre angesichts der Situation in Ottawa nicht ausgeschlossen, was eine neue Chance für Vauclair wäre.

Luca Cereda (22), Toronto Maple Leafs, NHL-Chance 40%
Luca Cereda ist neben Michel Riesen der einzige Schweizer Erstrundendraft. Doch im Gegensatz zu Riesen bestritt er noch kein NHL-Spiel, übt sich aber hingegen in Geduld. Diese hatte er in seiner Nordamerika-Karriere auch bitter nötig. 1998/99 war er noch der Shooting-Star in Ambrì, dem alles gelang. Als 17-Jähriger sammelte er in seiner Rookie-Saison bereits 22 NLA-Scorerpunkte und war einer der dominierenden Spieler an der U18-WM. Der Erstrundendraft Torontos, einer der berühmtesten Eishockey-Teams der Welt, war das Resultat. Doch der aufgehende Stern fiel hinunter. Als er im Spätsommer 2000 nach Toronto wechselte, wo man hohe Erwartungen an den Center mit Spielmacherqualitäten hatte, wurde ein Herzfehler entdeckt, den er seit der Geburt in sich trägt. Eine Operation wurde nötig und er musste die ganze Saison aussetzen. Ein harter Schlag für die grossen Pläne des Tessiners.
Doch Cereda bereitete sich neben dem Eis hart auf sein Comeback vor. Er kam zu einer körperlich starken Verfassung, spielerisch war ihm aber sein verlorenes Jahr anzumerken. Beim Farmteam St. John's gehörte er nicht zu den Stars, doch deutete er seine Talente in der offensiven wie auch defensiven Rolle an. In der vergangenen Saison vermochte er seine Scorerpunkte fast auf 25 zu verdoppeln. An der WM in Finnland bei seinem Debüt im Schweizer Nationalteam vermochte er durch seinen Körpereinsatz aus dem Stahlbad der AHL zu überzeugen. Nun steht er in seiner letzten Saison seines Vierjahresvertrags. Es wird sich entscheiden, ob er in Nordamerika eine Zukunft hatte, wie man sie ihm einst nachgesagt hatte. Gut möglich, dass er die Saison wieder in der AHL beginnen muss. Doch dort muss er nun zu einer festen Grösse heranwachsen, damit er mit einer Versetzung nach oben rechnen kann. Cereda befindet sich im Moment übrigens auf europäischem Boden: Die Maple Leafs bestreiten einen Teil ihres Camps in Stockholm. Cereda gehört zu den 16 mitgereisten Stürmern.

Timo Helbling (22), Nashville Predators, NHL-Chance 10%
Timo Helbling, 2001/02 noch die Überraschung als Debütant in der Nationalmannschaft, war letzte Saison der am wenigsten erfolgreiche Schweizer AHL-Spieler. Der 22-jährige Verteidiger, der 2000 nach zwei NLA-Saisons mit Davos in die kanadische Juniorenliga OHL ausgewandert ist, bestritt die meisten Saisonspiele für Toledo Storm in der drittklassigen ECHL. Dorthin wurde er abgeschoben, weil er beim Nashville-Farmteam Milwaukee Admirals überzählig war. Eine verpatzte Saison also, auf die nun ein Neustart mit einem guten NHL-Camp folgen kann. Die Perspektiven für den läuferisch und physische starken Verteidiger sind nicht so schlecht, wie man es von einem ECHL-Spieler denken kann.
Der Club traut dem in Basel geborenen Verteidiger nach wie vor NHL-Einsätze zu. Während er in den letzten zwei Saisons kein (!) NHL-Vorsaisonspiel bestritt, könnte er nun dieses Jahr immerhin diese Chance erhalten. Er überstand die zwei ersten Cuts von 20 auf 14 Verteidiger. Dies war allerdings auch Pflicht, da diese zu den Juniorenteams geschickt wurden, was Helbling vor zwei Jahren hinter sich gebracht hat. Nun fallen die Entscheidungen, welche acht Verteidiger in der NHL und welche sechs in der AHL spielen dürfen. Es wird eng, da eine gewisse Tiefe bei den Predators-Verteidigern vorhanden ist. Je länger Helbling also dabei ist und je öfters er (endlich) NHL-Vorsaisonspiele bestreiten kann, umso besser für seine Moral nach den letztjährigen Abschiebungen.

Tim Ramholt (18), Calgary Flames / Cape Breton (QMJHL), NHL-Chance 0%
Tim Ramholt hat darauf verzichtet, bei den verjüngten ZSC Lions einen Stammplatz in der Verteidigung zu erhalten, nachdem er letzte Saison bereits bei den meisten Spielen aufgestellt wurde. Nachdem ihn die Calgary Flames bereits in der zweiten Runde gedraftet hatte, zog er den Sprung nach Nordamerika vor, denn dies und die kleinen Felder entsprechen eher seinem Ziel und seiner Spielweise. Ramholt, der jüngste Stammspieler der letzten Jahren, überzeugt durch eine unschweizerische Einsatzfreude. So unschweizerisch, dass er selbst vom Flames-Headcoach und -GM Darryl Sutter, der sonst konsequent auf regionale oder zumindest kanadische Spieler zu setzten versucht, akzeptiert wurde - seine kanadische Spielweise sei dank. "Wenn man es nicht wüsste, man könnte meinen er sei ein Kanadier", urteilten seine Berater vor dem Draft. Sie behielten Recht. Ramholt vermochte am Rookie-Camp so zu überzeugen, dass er als einer der wenigen Junioren auch zum Hauptcamp eingeladen wurde.
Hier konnte er nun einige Tage bei den grossen schnuppern und erleben, dass er als Neuling auf diesem Niveau doch noch einige Schritte entfernt ist. Nach dem ersten Cut wurde er zu seinem Juniorenteam Cape Breton nach Québec gesendet, welches sich seine Rechte für die drei höchsten kanadischen Juniorenligen vor den beiden Teams aus der Umgebung Calgarys sicherte. Er sollte voraussichtlich die gesamte Saison in der QMJHL bestreiten, um nächste Saison möglicherweise als Profi in der Flames-Organisation spielen zu können.

Daniel Manzato (19), Carolina Hurricanes / Victoriaville (QMJHL), NHL-Chance 0%
Daniel Manzato, nach Tobias Stephan einer der talentiertesten Nachwuchs-Torhüter, muss weiterhin auf ein gutes Zeichen "seines" NHL-Clubs Carolina Hurricanes warten. Nach dem Rookie-Camp gehörte er nicht zu den vier besten Torhütern der Organisation und wurde zum Juniorenteam Victoriaville in die QMJHL zurückgesendet, wo er bereits seine dritte Saison bestreitet. Nach seiner ersten Saison, die er nach einem Transfer zwar als Ersatzgoalie beendete, dafür aber mit dem begehrtesten Juniorenpokal - dem Memorial Cup, war er letzte Saison die unbestrittene Nummer 1, ohne aber zu ähnlichen Erfolgen zu kommen. Das Problem Manzatos war, dass er teilweise so starke Spiele zeigte, dass er es in Lokalzeitungen besonders erwähnt wurde, an anderen Tagen jedoch ausgewechselt werden musste.
Die Ausgeglichenheit und Sicherheit in seinem Tor, die muss er nun mit 19 Jahren zeigen, um sich für sein NHL-Team zu empfehlen - und um die eher schwach einzustufende Mannschaft vor hohen Niederlagen zu bewahren. Dann könnte er nächste Saison zu den besten vier Hurricanes-Torhütern gehören und zumindest AHL-Erfahrungen sammeln.

Beat Forster (19), Phoenix Coyotes / Davos, NHL-Chance 0%
Mit dem 20-jährigen Jung-Nationalverteidiger Beat Forster vom HC Davos bestritt unbemerkt ein weiterer Schweizer ein NHL-Camp. Zwar machte er im Frühjahr klar, dass er noch nicht nach Nordamerika wechseln wird, auch wegen einer Schulteroperation, doch bestritt er mit den Phoenix Coyotes das Rookie-Camp. Und wie: Unter dem Trainer Marty McSorley gewannen die Coyotes mit Forster ein Rookie-Turnier gegen die anderen Westküstenteams Los Angeles, San Jose und Anaheim. Forster erzielte dabei einen Treffer und war einen Tag lang Captain. Möglicherweise hätte er auch ins Hauptcamp dürfen. Doch Forster wollte seine gute Saison in der Schweiz bestätigen oder übertreffen.
So flog er zurück Richtung Davos, um seinen von Härte geprägten Abwehrstil zu Gunsten des HCD und der Nationalmannschaft auszuspielen. In einem Jahr will er dann besser vorbereitet den Sprung nach Nordamerika wagen - über das Rookie-Camp hinaus versteht sich.



Die Legionäre ohne NHL-Club

Marcel Jenni (29), Färjestads BK (Schweden, Eliteserien)
Auch Marcel Jenni wollte es mit 29 Jahren noch in die NHL versuchen und war auch schon ein Draft-Kandidat bei den älteren Spielern. Doch wie zuvor wurde er trotz einer guten WM von keinem NHL-Club auserkoren. Möglicherweise ist der NHL-Zug für ihn damit bald abgefahren, dies nach Höhen und Tiefs im schwedischen Karlstad, wo er seit dreieinhalb Jahren spielt. Ein Highlight für ihn waren da noch die Playoffs 2001, als er zum Playoff-Topscorer wurde. Danach brachte er sich mit falscher Ernährung um seine körperliche Leistungsfähigkeit und war lange Zeit kein Topspieler mehr - weder in Schweden noch in der Nati, wo er nach dem "Bierskandal" mit Reto von Arx nach Hause geschickt wurde. Immerhin vermochte er in den Playoffs wieder zur alten Form zu finden und gewann 2002 den schwedischen Meistertitel. Auch in der vergangener Saison war Jenni - auch in der Nationalmannschaft nach der Versöhnung - der Topspieler wie man ihn kannte. Er sollte auch diese Saison wieder ein Klasse-Spieler auf höchsten europäischen Niveau sein.

Tristan Vauclair (18), Rouyn-Noranda (QMJHL)
Während Geoffrey Vauclair für Fribourg stürmt, ist Julien Vauclairs jüngerer Bruder Tristan ebenfalls in Nordamerika. Der 18-jährige Stürmer versuchte vor zwei Saisons erfolglos, zu den besten Spielern seines Alters zu gehören. Bei den Elite-Junioren von Lugano erhielt er nicht die gewünschte Rolle und bei der Rückkehr zu Ajoie spielte er kaum in der NLB wie er es wollte. Auch auf Anraten seines Bruders Julien sah er in Nordamerika die letzte Chance, sich den NHL-Scouts zu zeigen und wechselte nach Québec. Doch auch in der QMJHL hatte der eher zarte Stürmer hartes Brot zu beissen. Auch wegen der restriktiven Ausländerregelungen im Juniorenhockey (maximal zwei Ausländer) bestritt er nur etwas mehr als die Hälfte der Spiele und fiel in der Scorerwertung nicht auf.
Dies muss sich nun in seiner zweiten Saison für Rouyn-Noranda ändern. Will er auf sich aufmerksam machen, so muss er einen Stammplatz haben und zu einem gefährlicheren Stürmer werden. Ansonsten wäre auch dieser Wechsel nach Nordamerika gescheitert.

Lukas Grauwiler (19), Mississauga (OHL)
Lukas Grauwiler, Ex-Teamkollege bei den GCK Lions, ist nach Tim Ramholt der zweite Schweizer Neuling im kanadischen Juniorenhockey. Er wurde jedoch von einem Club der Ontario Hockey League, den Mississauga Ice Dogs, gedraftet. Nicht gedraftet wurde er dagegen für die NHL, in den letzten beiden Jahren wurde er jeweils übergangen. Dies ist der Grund, wieso er sich nun über diesem Wege empfehlen wird.
Und dies macht er nicht ohne ein Risiko einzugehen. Denn der U20-Internationale hätte diese Saison möglicherweise Stammspieler bei den verjüngten ZSC Lions werden können, nachdem er bisher meist in der NLB spielte. Nun müssen wir nach Kanada blicken, um ihn weiter zu beobachten, morgen beginnt in Ontario seine Saison.

Claude Amstutz (20), Kalamazoo (UHL)
Einen anderen Weg in Nordamerika geht der 20-jährige Ex-Thurgauer Claude Amstutz, nachdem der den NLB-Club vor einem Jahr scheinbar mit Differenzen verliess und auch wegen Problemen mit der Ablösesumme keinen neuen Club fand. Er suchte deshalb den Weg ins Ausland und bestritt das Camp der Missouri River Otters aus der drittklassigen UHL, wo er sich einen Vertrag erspielen konnte, jedoch eher in der dritten oder vierten Linie spielte. Diese Saison sollte der Verteidiger, wenn alles nach Plan läuft für den Ligakonkurrenten Kalamazoo Wings unter dem gleichen Trainer spielen, welche sich die Rechte im Waiver Draft gesichert hatten. Entsprechend seinem Palmarès mit der NLB als höchste Schweizer Liga gehört Amstutz nicht zu den Grossverdienern unter den Legionären. In der UHL erhält ein Spieler etwa tausend Dollar im Monat...

Sven Bamert (23), Imatra (FIN3)
Statt in der 1. Liga zog es mit Sven Bamert ein weiterer Ostschweizer vor ins Ausland zu wechseln. Der ehemalige NLB-Stürmer des SC Herisau spielt für Imatran Ketterä in der höher einzustufenden dritthöchsten finnischen Liga. Jene Liga also, in der mit Hayley Wickenheiser auch die beste Feldspielerin als Profi unter Vertrag steht und dadurch an Medienpräsenz gewann.












Background-Archiv